Offensiv-Strategie: ÖBB-Kern, ORF-Grasl, ÖFB-Koller (v. links)

© ORF/Thomas Jantzen

Koller & Kern
12/16/2015

Der Teamchef und der ÖBB-Boss beim Doppelpass

Marcel Koller und Christian Kern haben viel gemeinsam, stellten sie bei einer Diskussion fest.

von Andrea Hodoschek

Die Ausgangspositionen waren gleich miserabel. Das österreichische Nationalteam im Abseits, die ÖBB wirtschaftlich am Abstellgleis. Marcel Koller und Christian Kern traten zwei der härtesten Jobs im Lande an.

"Beide haben ihre Teams in schwierigen Situationen übernommen. Aber seit Samstag reden alle darüber, gegen wen Österreich bei der Europameisterschaft im Viertelfinale spielen wird. Und die ÖBB haben den Hauptbahnhof und den Flüchtlingsansturm toll gemanagt", legte Richard Grasl, kaufmännischer Direktor des ORF, als Moderator seinen beiden Gästen vor der Werbe-und Kommunikationsbranche (IAA) den Ball auf.

Der eine dirigiert 40 Mitarbeiter, der andere knapp 40.000. Die Strategien, wie beide an ihre Jobs herangehen, sind sehr ähnlich.

Spaß und Freude

"Wichtig war, die Philosophie zu ändern. Ich hatte das Gefühl, das Team spielt zu defensiv. Hatte Möglichkeiten, nutzte sie aber nicht. Ich bin einer, der nach vorne spielt, lieber offensiv als defensiv. Spaß und Freude müssen dabei sein, aber man muss auch Grenzen setzen", schildert Koller. Als Beispiel erzählt er von Marko Arnautovic, "der anfangs versuchte, seine Grenzen auszuloten. Ich habe dann meine Grenzen festgelegt und heute verstehen wir uns blendend".

Man brauche eine Spiel-Idee, sprich Strategie, müsse diese den Mitarbeitern kommunizieren, viel in die Kader investieren und glaubwürdig sein, skizziert Kern. Wichtig sei, "den Mitarbeitern zu sagen, ihr könnt es". Noch vor einigen Jahren hätten sich die Mitarbeiter am Stammtisch dafür geniert, bei den ÖBB zu arbeiten.

Erfolg bedeutet viel Arbeit, sind sich der Cheftrainer und der Manager einig. "Es gibt keine Wunderwuzzis. Man steht nicht elegant auf der Kommandobrücke, sondern ist im Maschinenraum" (Kern).

Erfolg macht bequem

Die Gefahr ist, dass Erfolg bequem macht. "Man darf sich nicht zurücklehnen, abfeiern lassen und auf jedes Fest laufen. Es geht extrem schnell wieder bergab" (Koller). Die durchschnittliche Halbwertszeit eines Bundesliga-Trainers liegt bei 1,5 Jahren, die eines Vorstands bei sechs Jahren.

Zwei Fragen ließ Grasl nicht zu. Wie weit das Team bei der EURO kommt und was mit einer politischen Karriere von Kern wäre.

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