Wirtschaft
25.04.2017

Der Stromkunde als Datenschatz

Energieverbraucher sind heiß umworben. Neue Lieferanten wollen nicht nur Strom verkaufen.

Noch nie wurden Österreichs Stromverbraucher von so vielen Billig-Lieferanten umworben wie derzeit: 151 Anbieter buhlen mit großzügigen Rabatten um die Gunst der privaten Stromverbraucher. Zuletzt kam im Februar Goldgas neu auf den österreichischen Strommarkt.

Und die Geschäfte laufen gut: "Wir haben in wenigen Wochen mehr als 3000 Neukunden gewonnen", freut sich Eduard Maaß, Geschäftsführer der Goldgas GmbH. Das Unternehmen, das zur deutschen VNG gehört, ist für die Kunden sogar echt "greifbar". "Die meisten Lieferverträge werden zwar übers Internet abgeschlossen, aber zwei bis drei Kunden kommen pro Tag auch zu uns ins Büro in der Wiener Mariahilfer Straße, um den Lieferantenwechsel abzuschließen", erklärt Maaß.

Das Gros der neuen Anbieter aber ist ausschließlich "virtuell" präsent, erreichbar nur online oder per Callcenter. Sie unterbieten die traditionellen heimischen Versorger meist um Hunderte Euro pro Jahr. Wie können sie sich das leisten? "Die Daten, die sie von den Stromkunden bekommen, sind Goldes wert", sagt ein Energieexperte, der lieber nicht genannt werden will. Oftmals wollen die Energieanbieter nicht nur Strom oder Gas an die Kunden verkaufen, sondern später mal auch Versicherungen oder Girokonten. Kein Wunder, dass längst nicht nur Energiehändler Strom anbieten, sondern inzwischen auch die heimische Post, Supermärkte, Hartlauer und auch die Online-Tochter der Bawag, die easybank. Sie hat sich sogar an einem Stromanbieter, der easy green energy, beteiligt. Die Kontoinhaber werden dann auch angeschrieben und über das Strom-Billigangebot informiert.

In Deutschland geht die HypoVereinsbank noch einen Schritt weiter: Sie kooperiert mit 40 Energielieferanten und bietet Kunden mit hoher Stromrechnung – bei deren Zustimmung – gleich den Versorgerwechsel an, schreibt die Tageszeitung Die Welt. Dazu kooperiert die Bank mit dem Fintech MoneyMap, das die Kundenkonten screent. Ändert der Versorger zum Beispiel den Strompreis, erkennt das das MoneyMap-System automatisch und sucht billigere Offerte. Der Kunde braucht nur noch kurz zustimmen.

Teures Oberösterreich

Die mit Abstand wechselwilligsten Stromkunden waren im Vorjahr die Oberösterreicher. 46.231 Stromverbraucher oder 6,6 Prozent aller privaten Stromkunden in dem Bundesland haben sich einen neuen Lieferanten gesucht. Bis zu 344 Euro im Jahr ersparen sie sich laut E-Control damit. In keinem anderen Bundesland ist der Abstand zwischen dem Preis des Lokalversorgers und dem billigsten Anbieter so groß. "Der Preis ist für 80 Prozent der Stromkunden der Hauptgrund für den Umstieg", sagt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch.

Auch die traditionellen steirischen Energieversorger verlieren vergleichsweise viele Kunden: 31.317 Steirer, das sind 5,5 Prozent der privaten Stromabnehmer, haben ihrem traditionellen Anbieter ade gesagt. In absoluten Zahlen haben mit 49.872 zwar die meisten Kunden in Wien gewechselt, anteilsmäßig sind es aber nur 4,1 Prozent.

Der größte Teil sind Steuern und Abgaben

Elektrische Energie könnte heutzutage nur wenig teurer als 1996 sein: Denn der Netto-Preisanstieg seither beläuft sich auf nur 17 Prozent, das sind 0,85 Prozent Teuerung pro Jahr. Damit wäre der Strompreis deutlich weniger angestiegen als die Verbraucherpreise, die sich um 42 Prozent erhöhten.

Dass Strom dennoch um einiges mehr kostet als damals, liegt an der öffentlichen Hand und den Grünstromförderung. Die Steuern und Abgaben sowie die Ökostromförderung, mit denen der Strompreis belastet wird, sind in den vergangenen 20 Jahren um 141 Prozent gestiegen – sprich: sie machen heute fast eineinhalb mal so viel wie damals aus. Für Ökostrom zahlten Österreichs Haushalte im Vorjahr 120 Euro.

40,1 Prozent des Brutto-Strompreises entfallen laut E-Control bereits auf Steuern und Abgaben. 32,2 Prozent des gesamten Strompreises entfallen auf die "reine Energie". Nur in diesem Bereich gibt es Wettbewerb. Wenn ein Kunde den Lieferanten wechselt, kann er nur bei diesen 32,2 Prozent des Gesamtstrompreises sparen. Die anderen Anteil des Strompreises sind fix. Neben den Steuern und Abgaben ist da noch der Netztarif, der 27,7 Prozent des gesamten Strompreises ausmacht. Dieser Tarif ist je nach Netzgebiet (Landes-, Kommunal- oder privater Regionalversorger) unterschiedlich und wird von der E-Control festgelegt.