Zielpunkt verursachte 2015 mit 237 Millionen Euro Schulden die größte Pleite.

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Insolvenzen
01/11/2016

Der Pleitegeier kreist heuer öfter

Handelsfirmen sind Spitzenreiter bei Pleiten, das Sorgenkind ist die Baubranche.

von Kid Möchel

Die Unternehmenspleiten sind im Jahr 2015 um 4,8 Prozent auf 5265 Fälle zurückgegangen. Unterm Strich mussten 22 Firmenchefs pro Werktag den Weg zum Konkursrichter antreten, das hat der Gläubigerschutzverband Creditreform errechnet. In Tirol sind die Firmenpleiten sogar um 25,2 Prozent gesunken, in Vorarlberg um 17,4 Prozent. Nur Wien verzeichnet ein Plus von 1,8 Prozent. Die Ausreißer in Tirol und Vorarlberg sind vor allem darauf zurückzuführen, so der AKV, dass die öffentlichen Gläubiger, wie die Gebietskrankenkassen, im zweiten Halbjahr weniger Anträge gestellt haben und der Tourismus doch stabiler ist als andere Bereiche.

Obwohl Kleinpleiten die Statistik prägen, haben drei Groß-Insolvenzen einiges durcheinandergewirbelt: Trauriger Spitzenreiter ist die Lebensmittel-Handelskette Zielpunkt, die unter einer Schuldenlast von 237 Millionen Euro zusammengebrochen ist. 2700 Jobs sind betroffen. Mit Abstand folgen die Pleiten die Linzer Ring-Bäckerei-Gruppe (464 Mitarbeiter, 39 Millionen Euro Schulden) und des steirischen Fleischwaren-Erzeugers Schirnhofer (269 Mitarbeiter, 29 Millionen Euro Forderungen).

Reserven verbraucht

Der Ausblick für das Jahr 2016 ist aber alles andere als rosig. "Seit Oktober sind die Firmenpleiten überproportional gestiegen, daher rechnen wir damit, dass sie auch in den ersten Monaten des heurigen Jahres weiter zulegen", sagt Franz Blantz vom Gläubigerschutzverband AKV. "Viele Unternehmen haben mittlerweile ihre letzten Reserven verbraucht, und die erhofften Aufträge konnten und können nicht an Land gezogen werden."

Auffällig ist auch, dass der Handel (977 Fälle) die Baubranche (943 Fälle) und die Gastronomie (739 Fälle) im Insolvenz-Ranking überholt hat. Laut Blantz schwächelt der Konsum. Große Sorgen macht den Gläubigerschützern aber die Baubranche, die schon seit vergangenem Sommer 2015 kränkelt.

"Am Bau zeigt sich, dass ausländische Mitbewerber den inländischen Betrieben stark zusetzen", sagt der AKV-Experte. "Das betrifft vor allem das Baunebengewerbe."

Plus bei Privatpleiten

Indes sind die Privatkonkurse um 5,44 Prozent auf 9980 Fälle gestiegen; das sind 40 Fälle pro Werktag. "Die steigende Arbeitslosigkeit ist dafür ausschlaggebend", sagt Gerhard Weinhofer von Creditreform. Die 10.000er-Latte werde heuer überschritten werden. Das sieht man bei AKV ähnlich. "Ursache ist aber sehr oft, dass das Konsumverhalten dem Einkommen nicht angepasst wird", sagt Blantz.

Insgesamt 962 Millionen Euro Schulden haben die Privatpleitiers im Vorjahr angehäuft. Davon entfallen 612 Millionen Euro auf Personen im Alter von 40 bis 59 Jahren. Drei Viertel dieser Schulden haben Männer dieser Altersgruppe. Blantz: "Es handelt sich dabei großteils um gescheiterte Unternehmer und ehemalige Geschäftsführer, die auch privat für Firmenschulden haften."