Der Mittelstand haut auf den Tisch

Interview mit der Plattform für Leistung und Eigen…
Foto: Kurier/Juerg Christandl Interview mit der Plattform für Leistung und Eigentum. Andreas Pangl, Michaela Reitterer und Günter Stummvoll

Wirtschaftsvertreter fordern ein neues Arbeitszeitgesetz

Das Arbeitszeitgesetz geht vom schwer schuftenden Hochofenarbeiter aus dem vorigen Jahrhundert aus. Doch Österreich sei jetzt "im Zeitalter der Dienstleistung" angekommen, daher sei eine Reform unumgänglich, finden drei Wirtschaftsvertreter der "Aktionsplattform für Leistung und Eigentum". (www.der-mittelstand.at).

Der KURIER traf die Chefin der Hoteliersvereinigung, Michaela Reitterer, Raiffeisen-Generalsekretär Andreas Pangl und den Sprecher der Plattform, Günther Stummvoll. Sie richten einen "Weckruf an die Politik" und fühlen sich durch das Wettbewerbsranking des Schweizer Instituts für Management-Entwicklung (IMD) bestätigt. Österreich landete darin in Sachen Arbeitszeit und Flexibilität nur auf den hinteren Rängen.

Alle drei wollen "weg von der heimischen Verbots- und Strafmentalität". Die EU-Arbeitszeitrichtlinie sei da viel liberaler. Diese regle vernünftigerweise nur Ruhepausen, und sonst gar nichts. In Schweden und Finnland gelte so ein Modell längst.

"Kriminelle" Feste

Selbst das heimische Beamtenrecht sei liberaler als jenes für ASVG-Angestellte. Der Staatsdiener darf (inklusive halbstündiger Pause) nämlich 13 Stunden und damit länger als zum Beispiel ein Hotelangestellter arbeiten. Laut Arbeitszeitgesetz stünde die Gastronomie eigentlich bei vielen Hochzeitsfeiern mit einem Fuß im Kriminal. Denn nach Erreichen der Stundenanzahl, auch wenn es nach Mitternacht wäre, müsste man theoretisch neue Mitarbeiter anfordern, meint Reitterer.

Gewerkschafter argwöhnen allerdings, dass die Wirtschaft einfach weniger Überstundenzuschläge zahlen will. Darum gehe es gar nicht, wehrt die Hotelfachfrau ab. An der Höchstarbeitszeit wolle niemand rütteln. Und auch Pangl sagt: Nacht- und andere Zuschläge würden nicht wegfallen. Seiner Erfahrung nach würden Mitarbeiter zum Beispiel gern Arbeitszeit blocken – etwa, wenn sie Pendler sind –, um dann als Ausgleich mehr zusammenhängende Freizeit zu konsumieren. Auch neue Arbeitsformen, wie zum Beispiel Home-Office, werden durch das Arbeitsrecht nicht berücksichtigt. Ein flexibleres Gesetz würde es außerdem möglich machen, dass Tourismusbetriebe ihre Mitarbeiter in der toten Saison nicht mehr arbeitslos melden. "Macht doch einen Praxistest bei Händlern oder Friseuren", schlägt auch Reitterer vor.

Nicht nur Frustration

Bei der Dienstplangestaltung sei man oft auf das Wohlwollen der Gewerkschaft angewiesen, sagt sie. Im begründeten Ausnahmefall und wenn ansonsten ein wirtschaftlicher Nachteil droht, darf man die gesetzliche Arbeitszeit nämlich überschreiten. Das muss aber von Betriebsrat oder einem Arbeitsmediziner abgesegnet werden. Reitterer hat sogar Verständnis für den einseitigen Blick der Arbeiterkammer auf die Betriebe, da sich dort ja in erster Linie frustrierte Arbeitnehmer melden und keiner, der sagt: "Ich hab’ einen Super-Chef." In Wirklichkeit würden Arbeitgeber und Angestellte sehr oft an einem Strang ziehen. Im besten Fall werde gearbeitet, wenn die Arbeit anfalle – und man mache es sich einvernehmlich aus. Was übrigens die beste Wirtschaftsförderung wäre.

Zusätzlich zu flexiblerer Arbeitszeit müsse aber auch das Kinderbetreuungsangebot ausgebaut werden, fordern die drei. Ein Drittel der heimischen Bevölkerung arbeite auch an Wochenenden, sagt Reitterer, Kindergärten hätten jedoch nur fünf Tage die Woche offen, und in Tirol sperre sogar jeder zweite um 14 Uhr zu.

Die Regierung müsse die Reform selbst in die Hand nehmen, weil, wie Stummvoll meint: "Die Sozialpartner sind keine Problemlöser, da kommt immer nur der kleinste gemeinsame Nenner raus. Weil sich die Wirtschaftskammer als Standortpartnerschaft und die Arbeiterkammer als Verteilungspartnerschaft sieht."

UMFRAGE: Jeder Zweite ist mit der Arbeit und seinem Chef  zufrieden

Die Österreicher sind mit ihrem Job weitgehend zufrieden. 60 Prozent gaben in einer Umfrage des Marktforschungsinstituts  Imas an, dass sie ihre Arbeit „voll und ganz“ befriedige, bei einem knappen Drittel (31 Prozent) trifft das „nur zum Teil“ zu. Lediglich drei Prozent der 500 Befragten befriedigt ihr Job „überhaupt nicht“. Überdurchschnittlich positiv sehen ihren Job Menschen mit höherer Bildung und Bewohner des ländlichen Raumes.
Mit ihrer beruflichen Situation sind 52 Prozent „sehr zufrieden“, 42 Prozent sind „einigermaßen zufrieden.
Einen Anteil an der relativ hohen Job-Zufriedenheit dürften die Chefs haben. Immerhin 52 Prozent gestehen ihnen „gute Fachkenntnisse“ zu, 44 Prozent halten sie für gerecht. Launenhaft ist demnach nur jede(r) zehnte Chef(in).

(kurier) Erstellt am
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