Die Produktion soll von 700 Millionen auf 1,1 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich gesteigert werden

© APA/EPA/ABEDIN TAHERKENAREH

Investoren-Konferenz
07/23/2015

Der Iran dreht den Gashahn auf

Nach Aufhebung der Sanktionen Öl- und Gasprojekte im Wert von 168 Mrd. Euro geplant.

von Franz Jandrasits

Nach dem Atom-Deal drängt die gesamte industrielle Welt in den neuen Riesen-Markt Iran. Das demonstrierte auch der rege Zustrom von mehr als 350 Industrie- und Beratungsunternehmen zur ersten internationalen Business-Konferenz Donnerstag und Freitag in Wien. Trotz größter Menschenrechts-Bedenken lockten dort offizielle Vertreter der Islamischen Republik Iran am Donnerstag ausländische Investoren mit lukrativen Geschäftschancen.

168 Milliarden Euro

Der stellvertretende Ölminister Hossein Samaninia präsentierte die ehrgeizigen Pläne für die Öl- und Gasindustrie: Bis 2020 sollen mit ausländischen Investoren 50 Öl- und Gasprojekte im Wert von etwa 185 Milliarden Dollar (168 Mrd. Euro) abgeschlossen werden. Der Iran verfügt nach eigenen Angaben über die größten Gasreserven weltweit. Die Gasproduktion soll bis Ende 2017 von derzeit 700 Millionen Kubikmetern auf 1,1 Milliarden m³ steigen. Die Ölproduktion soll auf eine Million Fass (159 l) pro Tag ausgeweitet werden. Als zusätzliches Zuckerl bot Samaninia mittel- und langfristig Gaslieferungen nach Europa an. Diese würden Europas Abhängigkeit von russischem Gas verringern.

Ausländische Investoren sollen für die Modernisierung und den Ausbau anderer Industrien – Schwerpunkte sind die Auto- und Zulieferindustrie, Minen, Petrochemie – auch durch ein umfangreiches Programm für Privatisierungen angelockt werden. Dabei werde es, versprach Handelsminister Mohammad Reza Nemarzadeh, keine Beschränkungen geben, auch 100-prozentige Übernahmen seien erlaubt. Die Gewinne sollen außerdem uneingeschränkt ins Stammland des Investors transferiert werden dürfen. Für Rechtssicherheit soll auch der vom Iran nach der Aufhebung der Sanktionen geplante Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO beitragen.

Als zusätzlicher Ansporn bietet sich der Iran als Drehscheibe für den Handel europäischer Unternehmen in der Region Mittlerer Osten an, in der 300 bis 400 Millionen Menschen leben.

Allerdings will der Iran seine Rolle als Handelspartner neu definieren. Nemazadeh: "Wir sind nicht länger an einseitigen Importen von Maschinen und technischen Produkten aus der EU interessiert." Auch Zusammenarbeit bei Entwicklung, Maschinenbau und Design wünschen sich die Iraner.

Chancen und Risiko

Die Wirtschaftskammer (WKO), die die Konferenz organisiert hat, ist für die österreichischen Exporte optimistisch. Chef Christoph Leitl hofft mittelfristig auf eine Milliarde Euro Handelsvolumen in fünf Jahren. 2014 exportierte Österreich Waren im Wert von 213 Mio. Euro, der Import machte magere 19,3 Millionen aus (siehe Grafik). Dabei würde die Tatsache, dass Österreich trotz Einhaltung der Sanktionen die wirtschaftlichen Kontakte aufrechterhalten habe, helfen.

Mit der Aufhebung der Sanktionen Anfang 2016 können sich heimische Exporteure wieder gegen Forderungsausfälle schützen. Die Versicherung der Oesterreichischen Kontrollbank bietet dann wieder Kreditversicherungen an.

Das erste EU-Staatsoberhaupt im Iran seit 2004

Arbeitsbesuch Von 7. bis 9. September wird Bundespräsident Heinz Fischer dem Iran einen Arbeitsbesuch abstatten. Fischer wird damit das erste Staatsoberhaupt eines EU-Landes seit 2004 sein, das den Iran besucht. Auch Fischers Vorgänger Thomas Klestil hatte sich in Sachen Iran schon als „Eisbrecher“ betätigt. Im September 1999 hatte er als erstes Staatsoberhaupt eines EU-Landes seit der Islamischen Revolution 1979 den Iran besucht. Im Jänner 2004 war er dann zu einem Staatsbesuch nach Teheran gekommen.

Delegation Fischers Begleitung: Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Außenminister Sebastian Kurz, Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl sowie eine hochrangige Delegation aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft.

Iran-Konferenz Heute, Freitag, dem zweiten Tag der zweitägigen Konferenz in der Wirtschaftskammer, geht es vor allem um Energiethemen. Wie in anderen Ländern auch, bereiten sich österreichische Unternehmen darauf vor, im Iran tätig zu werden.

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