Der Hype am Wohnungsmarkt ist vorbei

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Foto: APA/HELMUT FOHRINGER Der Wohnungsmarkt in Wien war in den vergangenen Jahren stark im Umbruch. Auch viele neue Viertel, wie die Seestadt Aspern oder rund um den Hauptbahnhof, entstehen.

Experten erwarten aber keine Preisrückgänge. Vermarktung teurer Objekte schwierig, "Käufer aus dem Osten" weg.

Bei Eigentumswohnungen ist der Preis-Hype nach jahrelangem Anstieg vorbei, glaubt der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI). Preisrückgänge erwartet man jedoch keine. Die Käufer müssten sich mit weniger Rendite zufriedengeben und würden Objekte viel eingehender prüfen als früher. Speziell bei teuren Angeboten sei die Vermarktung schwieriger.

Schon 2014 habe sich der Preisanstieg im Wohnsegment in Österreich verflacht, und diese Entwicklung werde sich 2015 fortsetzen, sagte ÖVI-Maklersprecherin Sandra Bauernfeind: "Mit einem Rückgang rechnen wir aber keinesfalls." Der Markt werde sich wieder auf einem gesunden Preisniveau einpendeln. Bundesweit habe sich der Preisanstieg im Vorjahr in Österreich auf 2,5 Prozent abgeschwächt, in Wien auf 2,2 Prozent, hieß es unter Verweis auf Daten der Oesterreichischen Nationalbank für das 3. Quartal 2014 im Vergleich zum 3. Quartal 2013.

Miete

Bei Mietwohnungen sei - anders als oft behauptet - keine generelle Preissteigerung zu erkennen, betonte Bauernfeind. Der Wohnungsmarkt für Mietwohnungen zeige kaum Veränderungen. Die Angebotsmieten lägen im Schnitt zwischen 7 und 10 Euro/m2 (netto, ohne Betriebskosten) für gut ausgestatteten Wohnraum; bei Erstbezugswohnungen seien es 9 bis 12 Euro/m2 pro Monat.

2010 bis 2014: Rasanter Anstieg

In Wien seien von 2010 bis 2014 die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen um fast 60 Prozent geklettert, für neu errichtete um 25 Prozent, berichtete ÖVI-Vorstand Andreas Wollein. Die von 2008, dem Beginn der Finanzkrise, bis 2013 verzeichnete "bis dahin unbekannt hohe Preissteigerung" nehme mittlerweile wieder ab. Die hier erzielbaren Mieten hätten mit den Kaufpreisen freilich nicht Schritt gehalten. Dass die Preise weiter steigen sei eher unwahrscheinlich, ortet Wollein ein "vorläufiges Ende dieses Preisanstiegs".

Bilderstrecke: Teuerste Einkaufsstraßen

Mit einer monatlichen Miete von 370 Euro pro Quadratmeter rangiert der Kohlmarkt in Wien ... ... auf Platz 11 der teuersten Einkaufsstraßen der Welt. Auch Kärntner Straße (Bild) und Graben sind mit Mieten von 300 Euro/m2 ein teures Pflaster, ermittelte das Immobilienberatungsunternehmen Cushman & Wakefield. Weltweit den Spitzenplatz belegt die Upper Fifth Avenue in New York mit einer Monatsmiete von 2.485 Euro/m2. Sie verwies damit Hongkongs Causeway Bay (1.942 Euro/m2) auf den zweiten Platz. Unverändert auf Rang 3 lag die Champs Élysées, die ... ... Pariser Prachtmeile schlägt sich monatlich mit 1.104 Euro Miete pro Quadratmeter zu Buche. Mietpreissteigerungen um 25 Prozent haben die Pitt Street Mall (721 Euro) in Sydney von Platz 8 auf Platz 5 klettern lassen. Weltweit stiegen die Mieten in den Top-Einkaufslagen zwischen Oktober 2013 und September 2014 um durchschnittlich 2,4 Prozent. Die Mieten am Wiener Kohlmarkt blieben gegenüber 2013 unverändert hoch, jene in ... ... der Mariahilfer Straße sanken sogar um 10 Prozent auf 135 Euro/m2 im Monat, geht aus der Erhebung in 330 Einkaufsmetropolen in 65 Ländern hervor. Unter den teuersten Einzelhandelsstandorten in Österreich befinden sich auch die Landstraße in Linz mit Mieten von 130 Euro/m2, ... ... Salzburgs Getreidegasse mit 125 Euro/m2 sowie ... ... die Herrengasse in Graz und die Maria Theresienstraße in Innsbruck mit je 110 Euro monatlicher Miete. (Bild: Kaufhaus Tyrol in der Maria Theresienstraße) Teuerster deutschsprachiger Standort ist die Bahnhofsstraße in Zürich (621 Euro/m2 im Monat) - sie rangiert im weltweiten Ranking auf Platz 9. In Deutschland liegt die Münchner Kaufingerstraße (365 Euro/m2) an der Spitze. Die teuersten Einkaufsstraßen der Welt im Überblick

Geringere Renditen für Investoren

Investoren müssten sich nun mit deutlich geringeren Renditen begnügen. Für eine im 15. Bezirk für 3.700 Euro pro m2 erworbene Eigentumswohnung ließen sich bei 9 Euro/m2 Miete nur 3 Prozent Rendite brutto (vor Einkommensteuer und vor Instandhaltung) erzielen, das sei nicht besonders viel, meinte Wollein. Meist seien es 2 bis 4 Prozent. Wohnungen für 150.000 bis 300.000 Euro ließen sich "gut" verkaufen, "über 350.000 Euro wird die Luft aber dünn". Hier würden die Vermarktungszeiträume länger. In einzelnen Segmenten zeige sich deutlich, dass Preisvorstellungen von Verkäufern angesichts des hohen Marktpreisniveaus nicht mehr zu erzielen seien.

Russen-Ansturm vorbei

Russen beim Shoppen in Wien.… Foto: KURIER/Gilbert Novy Russen beim Shoppen in Wien. Viele Luxus-Immobilien wanderten in die Hände der zahlungskräftigen Kundschaft In Wiens Innenstadt im 1. Bezirk seien die "Käufer aus dem Osten" in den letzten Monaten und im Vorjahr ausgeblieben - wegen der Ukraine-Krise, so Wollein. Diese früher als Dritt- oder Viertwohnsitz begehrten Einheiten seien oft hunderte Quadratmeter groß, gab Maklerin Bauernfeind zu bedenken: Die Nachfrage nach Kleinwohnungen im 1. Bezirk sei dagegen weiter vorhanden. Kreditklemme herrsche keine, so Wollein: "Die Banken prüfen bei Wohnungskauf-Finanzierungen länger. Wir erkennen aber nicht, dass die Banken 'zudrehen'."

Zum Artikel "Tuchlauben zählt zu den teuersten Adressen der Welt"

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(APA / sho) Erstellt am
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