Frisch geerntete Bio-Bohnen

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Wirtschaft
09/08/2016

Der Bio-Bauer: Im Felde unbesiegt

Im Handel steigt der Bio-Anteil von Jahr zu Jahr. Die Gastronomie hat allerdings Nachholbedarf.

"Bio-Lokale werden aus tiefster Überzeugung aufgemacht und nicht, weil man sich mehr Kunden erhofft." Christoph Liebscher weiß, wovon er spricht. Sonst wäre er wohl nicht der Chef des Bio-Gasthauses "Gustl kocht" in Wien-Landstraße.

Liebscher gehört zu einer Minderheit. Laut Schätzungen gibt es derzeit österreichweit lediglich rund 400 Lokale mit vollständiger oder teilweiser Zertifizierung für Bio-Produkte.

Dafür gibt es gute Gründe. Bio-Produkte sind in der Herstellung teurer als konventionelle Lebensmittel.

Minus 20 Prozent

Zwar fallen die Kosten für einige Pflanzenschutzmittel weg und es gibt höhere Förderungen, aber der Ertrag am Feld ist um rund 20 Prozent niedriger. Das hat natürlich Auswirkungen auf den Preis.

Liebscher nennt noch weitere Ursachen, warum es als Bio-Gastronom eines gewissen Sendungsbewusstseins bedarf. Die Produkte sollen ja auch alle in der Region gekauft werden. Das ist möglich, bedeutet aber einen beträchtlichen Mehraufwand. Dazu kommen die Kosten für die Zertifizierung als Bio-Betrieb, rechnet Liebscher vor. "Ich mache das nicht aus kaufmännischen Überlegungen."

Die Gastronomen-Branche kommt offenbar zu einer ähnlichen Schlussfolgerung. Österreichweit stammen lediglich zwei Prozent der im Gastronomie-Großhandel gekauften Lebensmittel aus der Bio-Landwirtschaft.

Zumal es ja nicht so ist, dass die Konsumenten im Lokal regelmäßig nachfragen, ob in der Küche auch Bio-Produkte verwendet wurden. "Es gibt wenige Lokale, die durchwegs Bio führen. Das zarte Pflänzchen beginnt aber zu wachsen", freut sich Michael Blass, Geschäftsführer der Agrarmarkt Austria Marketing.

Denn Bio erleichtert das Marketing im Lebensmittelbereich. Eine kleinstrukturierte Landwirtschaft mit teilweise schwierigen Lagen kann beim Preisvergleich mit Großbetrieben im Flachland nicht mithalten. Die norddeutschen Milchbauern produzieren nun mal billiger als etwa ein Bergbauer in Tirol. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Preisunterschiede lassen sich nur durch Qualitätsunterschiede begründen. Bio gilt als Qualitätsunterschied.

Illusion

Man möge sich bei der Einschätzung des Kaufverhaltens der Konsumenten aber keinen Illusionen hingeben. Der mündige Konsument ist eine Fiktion. Gekauft wird am liebsten das billigere Produkt. Im Prinzip gilt der Grundsatz: Ja zu bio, solange es nicht zu sehr ins Geld geht.

Das zeigen auch die Daten aus dem Lebensmitteleinzelhandel. 2013 wurden hierzulande für Bioprodukte 395 Millionen Euro ausgegeben. Im vergangenen Jahr waren es bereits 425 Millionen Euro. Derzeit kauft jeder österreichische Haushalte jährlich Bioprodukte im Wert von 120 Euro. Das entspricht einer Steigerung von acht Prozent.

Scheint also alles gut zu sein. Allerdings ist der Bio-Anteil bei den jeweiligen Produktgruppen sehr unterschiedlich. Bei Trinkmilch und Eiern sind es 18 bis 19 Prozent. Bei Fruchtjoghurt, Frischgemüse, Frischobst und Kartoffeln sind zwischen 10 und 15 Prozent Bioprodukte. Bei teureren Lebensmitteln wie Fleisch, Geflügel, Wurst und Schinken sind es weniger als fünf Prozent.

Was Gutes tun

Das passt nicht zu den von den Konsumenten angegebenen Motiven für den Kauf von Bio-Lebensmitteln. "Hochwertige und gesundheitsfördernde Ernährung", ist laut Beatrix Brauner, Studienleiterin von Sensor Marktforschung, der am häufigsten genannte Grund. Ego-Motive wie "Ich will mir was Gutes tun" seien bei den Käufern von Bio-Produkten besonders stark.

Es ist daher bemerkenswert, dass es etwa bei Geflügel den meisten Gästen offenbar egal ist, ob und wie viel Antibiotika bei der Tierzucht eingesetzt wurde. Hohe Dosen an Medikamenten werden immer wieder bei der Putenzucht in Osteuropa verwendet. Wenn es um den Preis des Putenschnitzels im Gasthaus geht, spielt das Gesundheitsargument dann kaum ein Rolle.

Dabei würde es gerade dort passen. Es gibt nämlich keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Bioprodukte generell gesünder sind als Lebensmittel aus konventioneller Landwirtschaft. Auch wenn ein beträchtlicher Teil der Konsumenten davon fest überzeugt ist.