Wirtschaft
29.11.2016

Der Aufsteiger des Jahres: Österreich!

Ganze 11 Plätze wettgemacht: Österreich klettert beim IMD World Talent Report von Rang 19 auf 8.

Es ist eine Zeit lang her, dass das IMD in Lausanne für Österreich positive Nachrichten parat hatte. Die Business-Hochschule ist bekannt für ihre Rankings der Wettbewerbsfähigkeit. Und da konnte Österreich in den vergangenen Jahren selten glänzen, Stichwort: abgesandelt.

Umso überraschender das Ergebnis, das an diesem Dienstagmorgen veröffentlicht wird. Im IMD World Talent Ranking 2016 (gesamter Bericht: hier) kann sich Österreich nicht nur verbessern, es ist mit 11 (!) wettgemachten Plätzen sogar der Aufsteiger des Jahres (zusammen mit Brasilien, das sich von von 57 auf 45 verbesserte).

Österreich war schon auf Platz 3

Was sagt das aus? Nach Angaben des IMD beurteilt das Ranking die Fähigkeit von 61 Ländern, berufliche Talente für die Unternehmen des Landes auszubilden, anzuziehen und zu binden. Auf Platz eins liegt - fast schon traditionell - die Schweiz, gefolgt von den "Nordlichtern" Dänemark, Belgien, Schweden und Niederlande.

Mit dem kometenhaften Aufstieg hat Österreich nun auch Länder wie Deutschland klar hinter sich gelassen. Im langfristigen Vergleich ist das allerdings nicht so überraschend: Österreich war im Jahr 2007 auch schon auf Platz 3, ist dann aber in den Jahren nach der Krise kontinuierlich abgestürzt bis auf den Tiefpunkt im Vorjahr (Platz 19). Deutschlands Verschlechterung beruht auf einem Mix aus einer „gefühlt“ schlechteren Lebensqualität, einem Rückgang beim Geschäftsklima (wodurch sich die Attraktivität auf Talente verringert) und geringeren Ausgaben für Fort- und Weiterbildung im privaten Sektor.

Gutes Fachpersonal

Zu Österreichs Absturz in den Vorjahren hatten viele Einzelfaktoren beigetragen: schwache Ergebnisse in den PISA-Lerntests ebenso wie standortfeindliche Gesetze. Ebenso lässt sich die jetzige Verbesserung nicht mit einzelnen Faktoren erklären. Verbessern konnte sich Österreich vor allem in der Kategorie "Readiness" (von 29 auf 18), wo Kriterien einfließen wie die Attraktivität für ausländische Studenten, internationale Erfahrung der Manager, Verfügbarkeit von Fachkräften, das Bildungssystem insgesamt, aber auch konkret die PISA-Ergebnisse der 15-Jährigen.

Aufwärts ging es auch in der Kategorie "Appeal" (Attraktivität), und zwar von 22 auf 17. Hier spielen die Lebensqualität, die Lebenshaltungskosten, die Arbeitsmotivation, Einkommenssteuern (61. und damit letzter Platz!) oder die Managerbezahlung eine Rolle.

Gute Voraussetzungen

Traditionell besonders gut schneidet Österreich in Sachen "Investment und Development" (Investitionen und Entwicklung) ab, auch wenn es heuer eine leichte Verschlechterung von Platz 3 auf 4 gab. Hier fließen ein die Bildungsausgaben, das Lehrlingssystem, die Beschäftigungsquote der Frauen oder das Gesundheitssystem.

Fazit: Wo die Überregulierung und Bürokratie nicht (oder weniger) ins Gewicht fallen, kann Österreich bei Wettbewerbsranking sogar richtig gut abschneiden. Das Land hat beste Voraussetzungen, um hochqualifizierte Arbeitskräfte ins Land zu holen und auch zu halten - in Europa schneiden nur die Skandinavier besser ab.

Wettbewerbsfähiges Europa

„Talentierte Menschen sind eine ganz wesentliche Säule für die Wettbewerbsfähigkeit in Europa", sagt Professor Arturo Bris, Direktor des IMD World Competitiveness Center: “Es stimmt zwar, dass in der Region generell weiter viele Probleme bestehen, einschließlich des schwachen Wirtschaftswachstums, nachlassender Dynamik und negativer Erwartungen." Das gute Ausbildungssystem und hohe Engagement bei der Förderung von Talenten - vom Kleinkind bis ins hohe Alter - dürfte aber langfristig Europas Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

Der ungleiche Kampf um die besten Köpfe

Hurra, Österreich ist im globalen Wettbewerb um talentierte Fachkräfte der „Aufsteiger des Jahres“. Im aktuellen Ranking der renommierten Business School IMD hat sich das Land gleich um elf Plätze auf Rang 8 (von 61) verbessert. Nur die Skandinavier schneiden noch besser in Europa ab. Österreich hat also beste Voraussetzungen, qualifizierte Arbeitskräfte ins Land zu holen.

Gut so. Was bei diesen Rankings aber unter den Tisch fällt: Die Wanderbewegungen der Fachkräfte sind höchst ungleich. Reichere Länder können mühelos Fachkräfte anwerben, ohne für deren Ausbildungskosten aufzukommen. Mit fatalen Folgen für die (ärmeren) Herkunftsländer. Im Gesundheits- und Sozialbereich zeigt sich die se Ungleichheit bereits dramatisch. Deutschland und Österreich füllen ihre Mediziner- und Pflegelücken mit osteuropäischen Fachkräften. In deren Heimatländer herrscht dramatische Personalnot in den Spitälern und Heimen.

Letztlich wird durch die Fachkräfte-Wanderung weder die Lohnungleichheit noch die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den EU-Ländern geringer. Länder mit hoher Fachkräfte-Abwanderung haben es schwer, ihr Sozial- und Pensionssystem aufrecht zu erhalten. Und: Weil ausländische Fachkräfte oft billiger sind als inländische kommt es zu Verdrängungseffekten in den Zuwandererländer. Hier regt sich - wie das Beispiel Großbritannien zeigt – zunehmend Widerstand.

- Anita Staudacher