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Wirtschaft
12/05/2011

Den Griechen bricht die Wirtschaft weg

Die Rezession im verschuldeten Mittelmeerland dürfte alle Befürchtungen übertreffen. Ein BIP-Minus von 5 Prozent wird erwartet.

Die Lage in Griechenland spitzt sich weiter zu. Die Regierung in Athen erwartet einen noch stärkeren Wirtschaftseinbruch als bisher angenommen. "Die Prognose war im Mai minus 3,8 Prozent. Jetzt übertreffen wir die (minus) fünf Prozent", sagte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos am Samstag. Damit würden auch die Prognosen der EU übertroffen.

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou kündigte einen "Titanenkampf" gegen einen drohenden Bankrott seines Landes an. Er sei entschlossen, alles zu tun, damit Griechenland ein Euroland bleibe, sagte Papandreou in Thessaloniki. Griechenland werde auch die notwendigen Reformen durchsetzen, koste es ihn politisch, was es wolle. "Wir haben uns entschieden, die Schlacht zu schlagen, um ein Desaster für das Land und sein Volk zu verhindern und im Euro zu bleiben", sagte der Sozialist.

Geld wird abgezogen und nicht investiert

Hintergrund der neuen Vorhersagen seien die Sparpolitik der Regierung, aber auch psychologische Gründe, erläuterte Venizelos. Viele Menschen zögen ihr Geld von den Banken ab und investierten es nicht. Investitionen seien aber dringend notwendig. "Wir brauchen jetzt einen Sprung nach vorne. Es ist ein nationales Ziel", sagte Venizelos.

Unterdessen protestierten erneut tausende Griechen gegen das Sparpaket der Regierung. "Wir haben nichts, wir zahlen nichts, wir verkaufen nichts, wir haben keine Angst", lautete eine der Parolen bei einer Großkundgebung in Thessaloniki. Dort kam es auch zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Beamten setzten Tränengas und Schlagstöcke ein. Vermummte und Autonome mischten sich unter friedlichen Demonstranten und warfen Steine, Feuerwerkskörper und andere Gegenstände. Einem Polizeisprecher zufolge wurden 60 Personen festgenommen.

Griechenland muss kräftig sparen und bangt um weitere Milliarden-Hilfsgelder von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) forderte Griechenland erneut eindringlich auf, die Zusagen für die Finanzhilfen einzuhalten. "Es ist völlig klar: Griechenland muss die eingegangenen Verpflichtungen erfüllen", stellte Schäuble am Samstag in Marseille am Rande des G8-Finanzministertreffens klar.

Deutschland spielt griechisches Pleiteszenario durch

Unterdessen wappnet sich der deutsche Finanzminister laut Spiegel für den Fall einer Pleite Griechenlands. Wie das Magazin meldete, spielen Schäubles Beamte sämtliche Szenarien durch, die sich im Falle eines Zahlungsausfalls des Landes ergeben könnten. Laut Spiegel gibt es im Finanzministerium grundsätzlich zwei Varianten einer möglichen Griechenland-Pleite. Bei der ersten bleibe das Land in der Währungsunion, bei der anderen gebe es den Euro als Zahlungsmittel auf und führe die Drachme wieder ein. Eine Schlüsselrolle in den Überlegungen komme dem europäischen Rettungsschirm EFSF zu.

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