Wirtschaft 05.12.2011

Dem Klimaschutz droht der Kollaps

© Bild: RTS/KAI PFAFFENBACH

Die Erwartungen an den Weltklimagipfel in Südafrika sind düster. Die Positionen der großen Staaten sind festgefahren.

Mit großen Schritten bewegt sich die Welt von der Klimakrise zur Klimakatastrophe. Am Montag beginnt in der südafrikanischen Stadt Durban der 17. Klimagipfel der Vereinten Nationen. Niemand spricht mehr von möglichen Erfolgen der bevorstehenden Konferenz, an der Vertreter von 193 Staaten teilnehmen werden. Schon vor dem Startschuss stellt sich die Frage, in welcher Größenordnung die Konferenz scheitern wird.

2-Grad-Ziel

Die Grundlage der Klimaverhandlungen ist das 2-Grad-Ziel: Die globale Erwärmung durch den Treibhauseffekt soll bis zum Ende des Jahrhunderts auf weniger als 2 °C begrenzt werden. Sollte das misslingen, drohen dem Weltklima unkontrollierbare Konsequenzen wie Dürren, Überflutungen und ein Anstieg des Meeresspiegels. Fakt ist, dass sich die Erde seit 1900 bereits um 0,7 °C erwärmt hat.

Das bestehende Kioto-Klimaabkommen läuft Ende 2012 aus, dabei haben sich ohnehin nur die Europäer zu wirklichen Reduktionen von Treibhausgasen verpflichtet.
Eigentlich hätte schon der Klimagipfel in Kopenhagen 2009 ein Nachfolge-Abkommen beschließen sollen, das bis 2020 gelten sollte. Tatsächlich gibt es bis heute nur unverbindliche Ziele.

Durban wird damit zum Scheideweg: Nach mehr als 20 Jahren Klimaschutz-Verhandlungen ist vor allem in Zeiten einer Weltwirtschaftskrise keines der Industrie- und Schwellenländer bereit, sich auf verbindliche Klimaziele zu verpflichten.

Festgefahren sind auch die Positionen der Verhandlungspartner: Die Europäische Union bleibt die einzig treibende Kraft der Klimaverhandlungen, für alle 27 EU-Staaten bestehen bereits verbindliche Klima- und Energieziele bis 2020.
China, mittlerweile größter Emittent von Treibhausgasen, lehnt nach wie vor konkrete Klimaziele ab, verspricht aber mehr Effizienz bei der Energieproduktion und beim Verbrauch.
In den USA ist von den vollmundigen Klimaschutz-Versprechen von Präsident Obama bei Amtsantritt nichts mehr übrig. Verpflichtende Ziele werden abgelehnt, immerhin investiert das Land enorm in erneuerbare Energien und in die Forschung.
Indien will erst dann Maßnahmen setzen, wenn auch die USA verpflichtende Ziele eingehen.
Japan und Kanada wollen CO2-Reduktionen nur akzeptieren, wenn sich alle anderen Industriestaaten dazu verpflichten. Und Russland sieht längst keinen Grund für Klimaschutzziele.

Kein Geld

Umweltschutz-Protest vor dem deutschen Kohlekraftwerk Staudinger am Main.
© Bild: RTS/KAI PFAFFENBACH

Geplatzt ist ein weiterer Deal der Klimaverhandlungen: Die reichen Industriestaaten haben sich 2009 verpflichtet, in einen Klima-Fonds einzuzahlen, damit sich auch ärmere Staaten grüne und damit CO2-arme Technologien leisten können. Versprochen wurden 30 Milliarden Dollar bis 2012. Doch de facto ist der Green Climate Fond leer. Staaten wie Indonesien oder Brasilien wollten damit die Abholzung ihrer Regenwälder eindämmen, jetzt fühlen sie sich dazu nicht mehr verpflichtet.

Chefverhandlerin der EU in Durban ist Klimakommissarin Connie Hedegaard. Sie macht kein Hehl daraus, dass der Gipfel wohl scheitern wird. Die UN-Staaten hätten sich zwar dem 2-Grad-Ziel verpflichtet, aber niemand sei bereit, die notwendigen Schritte zu setzen.

Desaster

Das wahrscheinlichste Ergebnis des Klimagipfels ist ein Versprechen aller Staaten, bis 2016 ein neues Klimaabkommen auszuverhandeln, das ab 2020 gelten soll. Für Wissenschaftler wäre solch ein Ergebnis ein Desaster. Ein rasanter Klimawandel wäre nicht mehr zu verhindern. Betroffen wären vor allem die ärmsten Staaten in Afrika und Asien.

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Erstellt am 05.12.2011