APA12968334-2 - 29052013 - ST. ANDRÄ WÖRDERN - ÖSTERREICH: ZU APA 406 WI - Eine dayli-Filiale in St Andrä-Wördern aufgenommen am Mittwoch, 29. Mai 2013 . Die Drogeriekette dayli wird rund 180 der 885 Filialen in Österreich schließen. 560 Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Job. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Betriebsversammlung
07/17/2013

dayli-Mitarbeiterin: "Ich will endlich wieder Normalität"

Am Mittwoch haben österreichweit Betriebsversammlungen begonnen.

Bei der insolventen Drogeriemarktkette dayli finden ab Mittwoch österreichweit Betriebsversammlungen statt. Zur Informationsveranstaltung der Arbeiterkammer und Gewerkschaft im vierten Wiener Gemeindebezirk hatten sich am Mittwoch mehr als 100 dayli-Mitarbeiterinnen eingefunden. Den Angestellten war die Anspannung und Aufregung der vergangenen Wochen und Monate ins Gesicht geschrieben: "Ich will endlich wieder Normalität", sagt eine langjährige Mitarbeiterin zur APA vor Beginn der Betriebsversammlung. Seit Mai habe es keine Warenlieferungen und keine Gehälter mehr gegeben.

Wenn in zwei Wochen dayli wahrscheinlich Geschichte sei, werde sie sich einen neuen Job suchen, etwa bei Spar oder Rewe (u.a. Billa, Merkur, Penny). "Ich werde mir eine Firma suchen, wo es normal zugeht." Seit 21 Jahren habe sie bei Schlecker und jetzt bei dayli gearbeitet. "Schade, dass es so geendet hat." Kritik hagelt es für Ex-Eigentümer Rudolf Haberleitner: "Der hat so viel gesagt und nichts umgesetzt."

"Es ist nicht okay, so mit uns umzugehen."

dayli-Insolvenzverwalter Rudolf Mitterlehner hatte vergangenen Freitag die Teilschließung der Schlecker-Nachfolgegesellschaft veranlasst. 19 von 43 Filialen werden vorerst in Wien geschlossen. Österreichweit werden 355 von 877 Standorten diese Woche gesperrt. Dadurch verlieren 1.261 von 3.468 Beschäftigten ihren Job. Damit es trotz Teilschließung noch weitergeht, muss der neue dayli-Eigentümer Martin Zieger bis Ende Juli rund 40 Mio. Euro von Investoren auftreiben.

Zwei andere dayli-Mitarbeiterinnen berichten über ihre prekäre finanzielle Situation. Ihnen würde es dennoch besser gehen als ihren alleinerziehenden Kolleginnen, weil das Gehalt ihrer Männer sie durchbringt. "Es ist einfach nicht okay, so mit uns umzugehen." Seit Ende Mai haben die dayli-Mitarbeiterinnen kein Gehalt bekommen. Das Juni-Gehalt und Urlaubsgeld blieb das Unternehmen schuldig und meldete Anfang Juli Insolvenz an. Die ausständigen Gehälter werden voraussichtlich erst im September vom Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) ausgezahlt. Medienberichte über eine kostenlose Erhöhung der Bank-Kontorahmen für dayli-Beschäftigte konnten die beiden Mitarbeiterinnen nicht bestätigen.

Am Mittwoch finden dayli-Betriebsversammlungen neben Wien noch in Wiener Neustadt, Ried im Innkreis, Bischofshofen, Reutte, Dornbirn und Hittisau statt. Auch am Donnerstag und Freitag sowie in der kommenden Woche sind noch weitere Versammlungen geplant.

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