APA8888660 - 02082012 - WIEN - ÖSTERREICH: TAP 09-Chef Rudolf Haberleitner am Donnerstag, 02. August 2012, während eines Interviews mit der Austria Presse Agentur (APA) in Wien. Finanzinvestor TAP 09 um Rudolf Haberleitner sind die neuen Eigentümer von Schlecker-Österreich. APA-FOTO: HERBERT NEUBAUER

© APA/HERBERT NEUBAUER

Betrugsfall
07/01/2013

dayli-Chef in Udine um eine Million „erleichtert“

Der Drogeriekette geht das Geld aus. Boss Haberleitner fiel auf einen Betrüger herein.

von Jürgen Pachner, Simone Hoepke

Wie dem KURIER aus Polizeikreisen bestätigt wird, wurde dayli-Chef Rudolf Haberleitner vergangene Woche in Udine von Betrügern um eine Million Euro geprellt. Die Geschichte klingt unglaublich. Haberleitner soll dem Vernehmen nach mit einer Million Euro nach Udine gelockt worden sein. In dem Glauben, dort den Spross einer reichen italienischen Handelsfamilie aus Bergamo zu treffen.

Der vermeintliche Millionärssohn gab demnach an, 20 Millionen Euro – dayli sucht seit Monaten händeringend nach einem Geldgeber – investieren zu wollen. Allerdings nur gegen Vorlage von einer Million Euro für die Finanzierung des Deals. Tatsächlich saß Haberleitner in der vereinbarten italienischen Bar aber nicht einem spendablen Investor sondern einem Betrüger gegenüber, der ihm gemeinsam mit einem Komplizen um die Million gebracht hat. Die italienischen und österreichischen Behörden ermitteln.

Auf die Frage, ob er der Betrogene war, antwortet Haberleitner gegenüber den OÖ-Nachrichten: „Die Rede ist von einem 69-jährigen Unternehmer, ich bin 68.“ Am Montag wollte Haberleitner im KURIER-Gespräch überhaupt keine Stellungnahme mehr abgeben. „Ich sage überhaupt nichts. Und selbst wenn ich betroffen wäre, könnte ich nichts sagen, weil es Polizeisache wäre.“

Offene Gehälter

Auch ob er die fälligen Juni-Gehälter samt Urlaubsgeld für knapp 3500 Mitarbeiter bezahlt hat, wollte er am Montag nicht verraten. Am 1. Juli war das Geld jedenfalls nicht am Konto, erklären Mitarbeiter. Für Karl Proyer von der Gewerkschaft GPA-djp ist dayli längst zum Reizwort geworden. „Ganz Österreich bekommt mit, wie bei dayli mit den Mitarbeitern umgegangen wird. Es ist unglaublich“, ärgert er sich. Bei der Gewerkschaft würden die Telefone heiß laufen. So hätte das dayli-Management am Samstag Mitarbeiter an ihrem freien Tag in die Firma bestellt, um sie zu kündigen. „Niemand muss in seiner Freizeit seine Kündigung abholen gehen“, stellt Proyer klar. Der Hintergrund: Eine schriftliche Kündigung zum Monatsletzten ging sich nicht mehr aus.

Laut Betriebsrat sind die Mitarbeiter jener Filialen, die bereits geschlossen wurden (etwa die Hälfte der 103 Standorte, die auf der Schließungsliste stehen), derzeit vom Dienst freigestellt. Eine ungewöhnliche Vorgehensweise, findet auch ein AMS-Vertreter. „Normalerweise schaut das Management, dass die Schließungen und Kündigungen zeitlich zusammenfallen, also mit der Schließung auch keine Löhne mehr anfallen.“ Über die Vorgehensweise ist sich offensichtlich nicht einmal mehr das Management selbst einig. Die beiden Geschäftsführer Andreas Bachleitner und Hanno Riegler haben bereits vergangene Woche nach heftigen Auseinandersetzungen ihre Geschäftsführer-Funktionen zurückgelegt, wird aus dem Unternehmensumfeld bestätigt. Neben Haberleitner ist nun noch Peter Krammer Geschäftsführer.

Drohende Insolvenz

Bis zum Montagabend wurde kein Insolvenzantrag gestellt. In Italien sollen indessen 100 der 288 Filialen geschlossen werden. Für 218 der 1500 Mitarbeiter in Italien wurde in Rom die Kurzarbeit als soziale Stützungsmaßnahme bewilligt. Den österreichischen dayli-Beschäftigten ließ Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) am Montag ausrichten: „Wir stehen zur Verfügung.“

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