APA12233094 - 09042013 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT WI - dayli-CEO Rudolf Haberleitner am Dienstag, 09. April 2013, anl. der PK "Sonntagsöffnung - dayli-Management komplett - Neue Shops - Start in Deutschland" in Wien. In Österreich betreibt Haberleitner rund 900 ehemalige Schlecker-Filialen unter der Marke dayli. APA-FOTO: HERBERT NEUBAUER

© APA/HERBERT NEUBAUER

Streit ums Geld
07/04/2013

dayli: Anzeige gegen Haberleitner

Ein Wiener fühlt sich um sein Geld betrogen, das er in Haberleitners MCS Fashion GmbH investiert hat.

von Simone Hoepke

Rudolf Haberleitner beschäftigt nach der Pleite seiner Schlecker-Nachfolgegesellschaft dayli nicht nur Masseverwalter. Diese Woche hat der Wiener Rechtsanwalt Helmut Krenn eine Anzeige gegen Haberleitner bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht. Diese liegt dem KURIER vor. Darin heißt es, Haberleitner habe den Wiener Friedrich W. dazu bewogen, ihm seine „gesamten Ersparnisse anzuvertrauen“.

100.000 Euro

Genau genommen beteiligte sich W. demnach im Mai 2005 mit 70.000 Euro an Haberleitners MCS Fashion Gmbh mit Sitz im 1. Wiener Gemeindebezirk. Dazu kam ein Darlehen in Höhe von 30.000 Euro. Für die Einlage versprach Haberleitner laut Anzeige eine Gewinnbeteiligung in Höhe von 5,5 Prozent des Jahresgewinns, für das Darlehen eine Verzinsung von drei Prozent. Der Anzeige zufolge leistete Haberleitner jedoch keine Zahlungen. Er „verstand es, mich immer wieder hinzuhalten“, fühlt sich W. um sein Geld betrogen. Schließlich riss dem Wiener der Geduldsfaden. Er klagte, bekam Recht und trotzdem kein Geld.

Stattdessen wurde ihm vom Anwalt der MCS Fashion GmbH Franz Guggenberger (auch Aufsichtsratschef bei der Schlecker-Nachfolgegesellschaft dayli) erklärt, dass die MCS zahlungsunfähig sein. „Jedenfalls ergibt sich aus den vorgelegten Bilanzen der MCS Fashion GmbH, dass diese Firma in den Jahren (jedenfalls ab Abschluss des Vertrages 2005) 2004 bis 2010 Bilanzverluste schrieb, was dem Anzeiger damals nicht bekannt war bzw. dem Anzeiger vom Angezeigten verheimlicht wurde, um diesen dazu zu bewegen, die stille Einlage zu gewähren und das Darlehen zuzuzählen“, heißt es in der Anzeige. Haberleitner war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Laut Firmenbuch vertritt Haberleitner die MCS Fashion GmbH seit dem Jahr 1996 selbstständig. Zuvor lief die Firma auf den Namen MCS Unternehmensbeteiligungen GmbH und AMAF (Asphaltmischanlage Fladnitztal GmbH).

Konzeptlosigkeitauf allen Ebenen

Als größten Nahversorger Europas hat er sich schon gesehen. Tatsächlich hat dayli-Chef Rudolf Haberleitner einen enormen Bauchfleck hingelegt. Gestern musste dayli Insolvenz anmelden. Das Bauchladen-Konzept, vom Packerl Milch über Elektrogeräte bis zum Shampoo alles ins Regal zu quetschen und zugleich auch noch Bistro und Postpartner zu spielen, konnte nicht aufgehen. Da kann sich Herr Haberleitner auch nicht auf die Gewerkschaft ausreden, die Sturm gegen seine Sonntagsöffnung gelaufen ist.

Mitschuld an der neuen Pleite ist allerdings auch, dass Nahversorger in Österreich praktisch chancenlos sind. Wohl werden mit öffentlichen Mitteln Stadtkerne saniert und herausgeputzt. Auf den täglichen Bedarf hat die Politik dabei allerdings praktisch vergessen. Neue Shopping-Flächen entstanden auf der Grünen Wiese an den Stadträndern. Dort quartieren sich naturgemäß großflächige Supermärkte ein, die mit ihren Aktionen den Greißlern keine Chance lassen. Ergebnis dieser Entwicklung: Drei große Player dominieren mit Übermacht den Markt, kleine Nahversorger sterben aus. Damit ist es zur Regel geworden, für den täglichen Einkauf ins Auto steigen zu müssen. Mit sämtlichen Konsequenzen, etwa die Belastung durch den Verkehr.

Ein nachhaltiges Polit-Konzept für eine sinnvolle Raumordnung und Städteplanung schaut wahrlich anders aus. Wer denkt an die alternde Bevölkerung? Und wer an die Familien mit Kleinkindern? Es braucht dringend neue Pläne für Österreichs Stadtkerne. Dann hätten Schlecker-Nachfolger vielleicht doch eine Überlebenschance. Zudem: Die Bevölkerung müsste nicht die Stadtkerne verlassen. Die Zersiedelung hat Österreich erst unlängst OECD-Kritik eingebracht.

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