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Briefkastenfirmen
05/12/2016

Datenleck: Kraut und Rüben in Panama Papers

Nicht alle Briefkastenfirmen dienen der Steuervermeidung – oft gibt es auch gute und legale Gründe.

von Hermann Sileitsch-Parzer, Kid Möchel

"Waaaas?" Wolfgang Stix ist fassungslos. Soeben hat er vom KURIER erfahren, dass die Steueroasen-Datenbank zu den Panama Papers und Offshore-Leaks seinen Namen ausspuckt. Und den seiner Firma dazu: Styx Naturkosmetik in Ober-Grafendorf gilt als niederösterreichischer Musterbetrieb. Mit Kräutern, Cremen und Seifen hat Stix in 30 Jahren ein kleines Imperium aufgebaut, samt Schoko-Manufaktur, Erlebniswelt, Gasthausbrauerei. 70 Mitarbeiter, 21 Millionen Euro Umsatz. Mit dem Staatswappen ausgezeichnet, von Landesvater Erwin Pröll für Exporterfolge in 40 Ländern gefeiert.

Da grenzt ein Konnex zu Briefkastenfirmen schon an Rufschädigung. Stix lässt sich die Einträge vorführen: Die Datenbank spuckt eine Austria Styx International Co. Ltd. in Samoa aus, die noch aktiv sein soll. Stix gesteht lachend: "Ja, das bin doch ich." Seine Erklärung: "Wir haben für das China-Geschäft einen Partner, Simon Yang. Als Taiwanese durfte er aber in China keine Firma gründen, deshalb mussten wir uns dieser Offshore-Company bedienen." Steuerliche Gründe hat das nicht? "Überhaupt nicht, dorthin fließt kein Geld. Das ist eine reine Firmenkonstruktion." Klingt überzeugend. Wer was zu verbergen hätte, würde wohl nicht den echten Firmennamen wählen. Stix: "Aber spannend. Arg, wie schnell man unter Verdacht gerät."

Am Montagabend hat das Journalisten-Konsortium ICIJ Teile der Panama Papers und Offshore-Leaks ins Internet gestellt (offshoreleaks.icij.org). Dort finden sich 76 Firmen und 115 Adressen aus Österreich. Zwar mit dem Hinweis, das bedeute nicht automatisch illegale Aktivitäten. Angepatzt ist man rasch, die Chance zur Rechtfertigung erhält nicht jeder.

Kräuter und Gewürze

Auch Omega (Food) Technology mit Sitz im Leopoldsdorf bei Wien hat eine Panama-Connection. Ihre Mutterfirma ist im Gebäude der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama City angesiedelt. Das ist sogar im österreichischen Firmenbuch offengelegt. "Die Omega wurde am Beginn dieses Jahrtausends in Panama gegründet, die Niederlassung in Österreich erst später", sagt Erich Zirm, der Omega-Vertreter in Österreich, zum KURIER. "Das ist eine absolut korrekte Konstruktion." Omega verkaufe Kräuter und Gewürzmischungen insbesondere in Südamerika.

Die Panama Papers führen auch zu einer Pallantis Investment & Consulting Ltd., die dem Wiener Bernd Guttmann, einem Berater und Coach für Start-ups, zugerechnet wird. Die Gesellschaft ist auf den British Virgin Islands angesiedelt. "Ich habe diese Datei auch durchgeschaut. Gerade unter meiner Adresse sind noch anderen Firmen registriert, die ich nicht kenne. Das sind definitiv Fehler", sagt Guttmann zum KURIER. "Die Pallantis gehört zu mir, dort liegt mein erspartes versteuertes Geld. Das ist sauber und legal." Nachsatz: "Mit Panama und Mossack Fonseca habe ich keine Verbindung. Ich habe herausgefunden, dass auch der Server des Firmenregisters auf den British Virgin Islands gehackt wurde."

Indes arbeitet auch die heimische Finanz seit 2013 in der "Soko Offshore" die diversen geleakten Briefkastenfirmen-Netzwerke nach steuerrechtlichen Gesichtspunkten auf.

"Wir gehen allen Hinweisen nach", sagt Johannes Pasquali, Sprecher des Finanzministeriums, zum KURIER. Dem Vernehmen nach sollen die Erfolge des Fiskus eher spärlich sein. Es finden sich nur wenige Spuren nach Österreich. Die Recherchen seien mühsam, weil das Datenmaterial großteils schlecht sei. Apropos Offshore-Leaks: "Die Daten der Briten waren absolut unbrauchbar, auch die der Deutschen, die sie 2015 angekauft haben, waren veraltet", sagt ein Finanz-Insider. "Dass irgendwelche Russen Gelder über Österreich in die Karibik verschieben, löst hier noch keine Steuerpflicht aus."