Wirtschaft 05.12.2011

Das 1-Liter-Auto von VW im Fahrbericht

Ein Diesel und E-Motor sorgen im XL1 für einen Verbrauchsrekord. Der Motor-KURIER fuhr das "Kein-Liter-Auto" schon mal Probe.

Ferdinand Piëch hat sich ein 1-Liter-Auto in den Kopf gesetzt - und der Mann bekommt für gewöhnlich, was er haben will. Die dritte Stufe des Projektes wurde jetzt in Qatar der Welt präsentiert.

12967249813.jpg
© Bild: Werk

Erste Auffälligkeit: Die Passagiere sind jetzt nebeneinander untergebracht, leicht versetzt. Zweite Auffälligkeit: Die Karosserie im "Delphindesign" wurde gnadenlos dem Diktat einer perfekten Aerodynamik unterworfen. Resultat: Ein Cw-Wert von 0,186. Ein VW Golf hat 0,312.

Der XL1 ist 3,89 m lang und nur 1,16 m hoch. Ein- und Aussteigen geht trotzdem sehr einfach, weil die Flügeltüren einen Teil des Daches bilden und daher jeweils eine große Öffnung freigeben. Konsequent hat VW Gewichtsreduktion betrieben, der u.a. der Bremskraftverstärker und eine Servolenkung zum Opfer gefallen sind. Die meisten Teile der Karosserie sind aus Karbonfaser-verstärktem Kunststoff, das Monocoque entspricht in der Festigkeit dem eines Formel-1-Wagens.

795 kg bringt der XL1 jetzt auf die Waage. Hinten angetrieben wird er von einem 0,8-l-Zweizylinderdiesel (TDI) mit 48 PS Leistung. Dazu kommen ein Elektro-Motor (27 PS), ein Doppelkupplungsgetriebe sowie eine Lithium-Ionen-Batterie, die 60 kg wiegt. Sie lässt sich in einer Stunde komplett an der Steckdose aufladen, bei 360 Volt sogar in 30 Minuten.

35 km sind rein elektrisch möglich. Und weil dieser Weganteil als emissionsfrei gilt, ergibt sich der Fabelwert beim Verbrauch von 0,9 l Diesel pro 100 km (CO2: 24 g/km). In der Praxis regelt ein Steuergerät das Energiemanagement und auch das Zusammenspiel von Diesel- und E-Motor.

11,9 Sekunden vergehen bis Tempo 100. Die Spitze ist mit 160 km/h limitiert.

Spaß

12967249814.jpg
© Bild: Werk

VW erlaubte nach der Premiere einige Testkilometer auf öffentlichen Straßen in Doha. Noch ist es ein Prototyp, der Dieselmotor knurrt dem Fahrer grimmig ins Genick, und das Zuschalten des Verbrennungsmotors geht alles andere als ruckfrei oder unhörbar vor sich. Da ist noch Feinarbeit gefragt. Aber das Fahrwerk zeigt sich schon sehr erwachsen und viel weniger poltrig als befürchtet. Insgesamt stellt sich sehr schnell eine Art Go-Kart-Gefühl ein, das richtig Spaß macht.

Die Bremsen sind gewöhnungsbedürftig, ebenso die zwei Monitore in den Türen, die Bilder von zwei Außenkameras liefern (aus aerodynamischen Gründen gibt es keine Außenspiegel). Beides ist aber kein Problem.

Hinter dem Motor gibt es ein sehr tiefes Fach, das als Kofferraum dient. An Bord ist eine Klimaanlage, ABS und ESP sind auch vorhanden. Und selbstredend können später über ein Display allerlei Fahrzeugparameter, Navigation und diverse elektronische Anzeigen und Programme eingespielt werden.

Ab 2013 ist eine Kleinserie geplant. Wie viele Autos das sind, darüber wurde eisern geschwiegen.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011