Wirtschaft
13.07.2017

Daimler gerät immer tiefer in den Abgas-Skandal

Der Daimler-Konzern will mit den Behörden kooperieren, sonst gibt es aber keinen Kommentar aus Stuttgart.

Der deutsche Autobauer Daimler soll viel stärker in die Abgas-Affäre bei Diesel-Fahrzeugen verstrickt sein als bisher bekannt. Wie Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR berichten, könnten bei mehr als einer Million Fahrzeuge Motoren eingebaut sein, bei denen die Abgasmessungen manipuliert wurden.

„Ganz neu ist das zwar nicht, aber es sieht so aus, als ob es jetzt dramatischer und drastischer wird“, sagte ein Händler.

Die Berichte gehen aus einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Stuttgart hervor, den die Medien einsahen. Eine Daimler-Sprecherin sagte, es handle sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart. "Wir kooperieren vollumfänglich mit den Behörden. Spekulationen kommentieren wir nicht."

Standorte durchsucht

Ende Mai hatte ein Großaufgebot von Polizei und Staatsanwaltschaft zahlreiche Daimler Standorte durchsucht, um Beweismaterial sicherzustellen. Der Verdacht der Ermittler: Betrug und strafbare Werbung "im Zusammenhang mit der Manipulation der Abgasnachbehandlung an Diesel-Pkw".

Süddeutsche, NDR und WDR berichten nun, Daimler solle von 2008 bis 2016 in Europa und den USA Fahrzeuge mit einem unzulässig hohen Schadstoffausstoß verkauft haben. Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen zwei Daimler-Beschäftigte wegen des Verdachts, Autokunden seien mit verbotener Werbung in die Irre geführt und betrogen worden. Es sei davon auszugehen, dass weitere Mitarbeiter des Konzerns an den mutmaßlichen Taten mitgewirkt hätten.

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich im vergangenen Jahr nach Messungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) mit Daimler auf die Nachrüstung von 247.000 Mercedes-Fahrzeugen verständigt.

An der Börse sorgte der Bericht für einen Kursverlust der Daimler-Aktien von 2,4 Prozent.