Wirtschaft 29.01.2015

Negativzinsen: Dänemark kämpft um Euro-Anbindung

Nachdem die SNB die Euro-Kopplung aufgegeben hat, wird darauf spekuliert, dass es die dänische Notenbank ihr gleichtun könnte. © Bild: REUTERS/HANDOUT

Dritte Zinssenkung binnen zehn Tagen: Spekulationen um Aufgabe von Kopplung an Euro nach Schweizer Vorbild.

Die dänische Notenbank stemmt sich mit aller Macht gegen die neue Geldschwemme aus dem Euroraum. Wegen starker Kapitalzuflüsse droht nämlich die Landeswährung Krone zu stark zu werden.

Das führt zu Spekulationen, die Dänen könnten wie die Schweizerische Nationalbank SNB gezwungen sein, die Anbindung an den Euro aufgeben. Weil die Krone die Schwankungsbandbreite zu durchbrechen droht, muss die Notenbank massiv intervenieren. Am Donnerstag reduzierte sie einen ihrer Leitzinsen noch einmal - schon zum dritten Mal in nur zehn Tagen.

Der Zins auf Einlagen bei der Notenbank sinkt ab 30. Jänner um weitere 0,15 Prozentpunkte auf nun minus 0,5 Prozent. Das bedeutet, dass Banken und institutionelle Investoren, die Geld bei der dänischen Notenbank parken wollen, eine Strafgebühr zahlen müssen. Der Schritt folgt auf zwei Reduzierungen am 19. und 22. Jänner. "Das sieht allmählich nach einem Glaubwürdigkeitsproblem aus", kommentierte Jan von Gerich, Chefstratege der Nordea Bank, via Twitter.

Gegen Aufwertungsdruck

Seit die Europäische Zentralbank (EZB) vor einer Woche ihre neue Geldschwemme verkündet hat, hat der Euro zu vielen Währungen stark an Wert verloren. Die Krone steht seither unter Aufwertungsdruck. Mit ihrem negativen Leitzins versucht die dänische Notenbank, Anlagen in Dänemark unattraktiver zu machen. Damit will sie die Krone schwächen. Die Währung Dänemarks ist an den Euro gebunden. Sie darf nur in einer Bandbreite von 2,25 Prozent nach oben und unten zum Zentralkurs von 7,46 Kronen je Euro schwanken.

"Die dänische Krone ist dauerhaft an den Euro gebunden"

Nachdem die SNB die Bindung des Franken an den Euro Mitte Jänner aufgegeben hatte, wird darauf spekuliert, dass es die dänische Notenbank ihr gleichtun könnte. Die Ökonomen vom Analysehaus Capital Economics wollen diesen Schritt zwar nicht ganz ausschließen. Allerdings sei die Lage in Dänemark nicht mit der Situation in der Schweiz gleichzusetzen, heißt es in einer Studie. "Das Kursziel des Franken war immer als übergangsweise Maßnahme gedacht, die dänische Krone ist aber dauerhaft an den Euro gebunden", schreibt Expertin Jessica Hinds.

Unfreiwillige Pionierrolle

Die dänische Notenbank hatte bereits zwischen Juli 2012 und April 2014 die Einlagenzinsen in den negativen Bereich gesenkt. Die Erfahrungen waren nicht nur positiv, schreibt Geldpolitik-Experte Ansgar Belke, Professor an der Universität Duisburg-Essen, in einem aktuellen Beitrag für das Ifo-Institut in München. Statt die Kreditvergabe zu erhöhen oder die Negativzinsen an die Sparer weiterzuverrechnen hätten die dänischen Banken nämlich ihre höheren Kosten auf die Kreditzinsen für Unternehmen aufgeschlagen.

Das ist genau das Gegenteil dessen, was sich die EZB von ihrem negativen Einlagenzinssatz verspricht: Statt mehr (und billigeren) Darlehen würde es noch weniger (und teurere) Kredite geben. Ausgeschlossen sei diese Reaktion auch im Euroraum nicht, kommentiert Belke.

Erstellt am 29.01.2015