Wirtschaft 30.12.2011

Dänemark: Anleger zahlen, um Geld zu leihen

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Staatsanleihen: Das Misstrauen an den Märkten ist hoch, so manchem Anleger geht Qualität vor Rendite.

Die Staatsschuldenkrise hat die Finanzmärkte im abgelaufenen Jahr fest im Griff gehalten. Nicht zuletzt deshalb konnten Anleger im abgelaufenen Börsejahr 2011 mit den als sicher geltenden US-amerikanischen, britischen und deutschen Staatsanleihen am besten verdienen. Mit österreichischen zehnjährigen Anleihen konnten immerhin noch 5 Prozent verdient werden, dagegen verlor man mit heimischen Aktien im Schnitt 35 Prozent.

Hatte man dagegen auf die falschen Staaten gesetzt, musste man - wie im Falle von Griechenland - Verluste von über 60 Prozent verdauen. Und Italien muss für Anleihen (10 Jahre Laufzeit) derzeit rund sieben Prozent Zinsen bieten. Kurios wirkt dagegen die Situation in Dänemark.

Erste Auktion mit negativen Zinsen

Denn angesichts der Unsicherheit wegen der Schuldenkrise zahlen Investoren Dänemark faktisch eine Prämie, um dem Staat Geld leihen zu können. Die dänische Zentralbank platzierte am Donnerstag Geldmarktpapiere von drei-, sechs- und neunmonatiger Laufzeit im Wert von 2,32 Mrd. dänischen Kronen (312 Mio. Euro). Die Rendite für die Investoren lag bei zwei der drei Emissionen unter null Prozent, faktisch zahlen die Anleger also ein Prämie.

"Es war die erste Auktion mit negativen Zinsen, die wir bisher hatten", sagte der für das Schuldenmanagement in der Zentralbank zuständige Ove Jensen. Die Anleger schauten auf Qualität, Zinsen seien nicht so wichtig. "Wichtig ist, dass man sein Geld zurückbekommt", sagte Jensen.

Die negative Rendite bei den dänischen Papieren war allerdings gering: Bei den dreimonatigen Titeln lag sie bei 0,21 Prozent im Minus, bei den sechsmonatigen Papieren bei minus 0,07 Prozent. Mit der neunmonatigen Anleihen können Investoren eine Mini-Rendite von plus 0,03 Prozent einstreichen.

Banken misstrauen einander

Das Misstrauen am Finanzmarkt ist derzeit enorm hoch. Nach Weihnachten hatten die Banken an zwei Tagen in Folge so viel Geld wie noch nie zuvor bei der Europäischen Zentralbank geparkt, anstatt es für viel höhere Zinsen an andere Institute zu verleihen. So stieg das Volumen in der sogenannten Einlagefazilität den zweiten Tag infolge auf ein Rekordvolumen, zuletzt auf 452 Mrd. Euro. Wie aus EZB-Daten vom Donnerstag hervorgeht, sank das Volumen danach leicht auf 436,6 Mrd. Euro.

Erstellt am 30.12.2011