Conwert: Brisante Sammelklage gegen ehemalige Großaktionäre

Conwert
Der Prozessfinanzierer AdvoFin will ehemaligen Kleinaktionären der conwert zu Schadenersatz verhelfen. Es geht um bis zu 60 Millionen Euro.

Das börsennotierte Wiener Immobilienunternehmen conwert steht im Mittelpunkt einer neuen Sammelklage-Aktion. Der Wiener Prozessfinanzierer AdvoFin wird für ehemalige conwert-Aktionäre eine Schadenersatzklage einbringen. Geklagt werden die früheren conwert-Aktionäre Adler Real Estate und zwei Tochterfirmen, Cevdet Caner sowie die Investment-Gesellschaft Petrus Advisers. Laut AdvoFin-Chef Franz Kallinger geht es angeblich um bis zu 60 Millionen Euro Schaden.

Grundlage der brisanten Klage, die beim Handelsgericht Wien eingebracht wird, ist ein kürzlich ergangenes Urteil des Oberster Gerichtshofs (OGH). Dieser hat auf 46 Seiten die Rechtsansicht der Übernahmekommission vom November 2016 bestätigt, dass die damaligen conwert-Kernaktionäre Adler & Co. den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot legen hätten müssen. Die Kommission kam sinngemäß zum Schluss, dass es sich bei diesen (damaligen) Groß-Aktionären um eine gemeinsame Bietergruppe gehandelt habe, die zahlreiche Absprachen traf und eine Kontrollmehrheit bei der conwert erlangen wollte. Der große Übernahme-Coup gelang der "grauen Eminenz" bei Adler, dem Linzer Cevdet Caner, am Ende nicht. Doch das spielt laut OGH keine Rolle. Mit Stichtag 29. September 2015 rechnete die Übernahmekommission der Adler-Gruppe und Petrus Advisers um Klaus Umek insgesamt 31,36 Prozent der Conwert-Aktien zu.

"Eine Bietergruppe"

An dem Tag hätte diese "Bietergruppe" laut Übernahmekommission "erstmals ein Pflichtangebot" an die übrigen Aktionäre legen müssen. Am 22. November 2016 erließ die Kommission einen Bescheid, den der OGH als rechtlich völlig korrekt bestätigte. Adler & Co sind mit ihren Einsprüchen abgeblitzt.

"Alle Aktionäre, die im Zeitraum vom 29. September 2015 und 22. November 2016 ihre conwert-Aktien verkauft haben, haben einen Schaden erlitten", sagt AdvoFin-Chef Kallinger. Der Kurs der Aktie lag damals im Schnitt bei rund 13,50 Euro, Anfang Februar 2016 sogar bei 11,66 Euro.

"Wir haben aus den Finanzbericht der Adler errechnet, dass Adler selbst die conwert-Papiere zu einen Durchschnittspreis von 16,65 Euro je Aktie gekauft hat" sagt Anwalt Wendelin Ettmayer, von der Kanzlei Baker & McKenzie Diwok Hermann Petsche, der diese Sammelklage-Aktion für die AdvoFin rechtlich aufsetzt. "Sie hätten auch den übrigen Aktionären im Rahmen des Pflichtangebots die Übernahme ihrer Aktien zu diesem Preis anbieten müssen."

Adler-Sprecher Rolf-Dieter Grass sagt zum KURIER, dass sein Unternehmen nach wie vor etwaige rechtliche Schritte gegen das OGH-Urteil prüfe. Laut Aktenlage bestreitet der aus Linz stammende Immobilienzampano Cevdet Caner sowohl die Absprachen als auch die feindliche Übernahme und seine angeblich Rolle als "Shadow Director". Eine Stellungnahme von Klaus Umek von Petrus advisers traf bis Redaktionsschluss beim KURIER nicht ein.

Indes gehört conwert heute mehrheitlich dem deutschen Vonovia-Konzern. Vonovia betrifft die Sammelklage nicht.

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