Wirtschaft
29.01.2012

Conwert: Abverkauf in Wien

In Deutschland hofft Conwert auf günstige Zukäufe. In Österreich wird hingegen abverkauft – bis zu 500 Millionen Euro.

Der börsenotierte heimische Zinshausprofi Conwert nutzt die explodierten Preise in Wien zu einem kräftigen Wohnungsabverkauf. Mit diesem Geld in der Kriegskasse will Conwert in Deutschland auf Schnäppchenjagd gehen,  erklärt Conwert-Verwaltungsratschef Johannes Meran dem KURIER. KURIER: Herr Meran, die Wiener stöhnen unter den steigenden Wohnungspreisen. Geht die Entwicklung 2012 derart rasant weiter?Johannes Meran: Ich glaube, dass die Preise für Wiener Eigentumswohnungen weiter steigen werden. Preissteigerungen von fünf bis zehn Prozent sind gut möglich. Wir sehen kein Zeichen, das in die gegenteilige Richtung geht.Conwert nützt die Gelegenheit zum Verkauf im großen Stil. Wie viele Wohnungen wollen Sie heuer in Wien verkaufen?Je nach Marktentwicklung könnten wir auch 2012 wieder rund  500 Millionen Euro aus dem Gesamtportfolio verkaufen. Aus unserem Wiener Portfolio wird ein signifikanter Anteil beigesteuert werden.  Wir sehen einen ganz klaren Verkäufermarkt, weil die Preise so hoch sind.

In der Branche gibt es Gerüchte, Conwert wolle sich vom renditeschwachen Wiener Markt ganz zurückziehen. Ist das mittelfristig denkbar?Das ist für uns nicht denkbar, denn Wien ist unser Heimmarkt. Hier haben wir die größte Expertise. Unser Ziel kann aber nicht sein, dass wir in Wien passiv ein Bestandsportfolio managen. Bei vier Prozent Rendite haben Sie zwei Prozent Bewirtschaftungskosten, das geht sich bei 60 Prozent Fremdfinanzierung nicht mehr aus. Geld verdienen wir nur, indem wir Häuser kaufen, sanieren und die Wohnungen einzeln abverkaufen. Das ist seit jeher unsere Kernkompetenz und das wollen wir auch weiterhin tun.Wie schwer soll das Wien-Portfolio nach all den Verkäufen am Ende sein?Wir haben derzeit ein Portfolio in Wien von rund einer Milliarde Euro und wollen langfristig ein Kernportfolio von rund 500 Millionen Euro halten. Wo wollen Sie wachsen?Betrachtet man die Immobilienanzahl, ist unser Hauptmarkt schon lange Deutschland, vor allem Berlin, Dresden und Leipzig. In Berlin boomt der Markt, es kommt viel Geld in die Stadt, aus Angst vor der Krise. Feststeht: Wir wollen in Deutschland weiter wachsen.Fassen Sie auch neue Städte ins Auge? Wir sehen uns aktuell mehrere kleinere Städte an. Zudem gibt es einige große deutsche Immobilienfirmen, die 2012 Milliarden refinanzieren müssen. Das wird schwierig, weil die Kosten dafür aktuell kräftig nach oben gehen. Ich glaube daher, dass  in Deutschland viel auf den Markt kommen wird. 2012 wird wohl Schnäppchenzeit, und wir sind der ideale Immo-Partner für das Geld von Pensionskassen, Versicherern oder Private-Equity-Firmen.

Wie steht es um Ihre Immobilienfinanzierung? Merken Sie auch, dass die Banken wieder vorsichtiger werden? Es geht uns bisher gut. Unsere Hausbanken sind die österreichischen Großbanken. Das nächste Halbjahr wird sicher schwierig, aber wir sind in einer recht bequemen Lage: Von zwei Milliarden Euro Fremdkapital haben wir nur 300 Millionen Euro auf der Holding-Ebene, der Rest ist alles hypothekarisch besichert, Haus für Haus, mit Tilgungsplan. Da sehe ich keine Probleme. Für neue Projekte wird es aber sicher für alle schwieriger.Wann sind die 300 Mio. Euro zu refinanzieren?Wir haben eine Wandelanleihe, die Ende des Jahres eventuell zu refinanzieren ist. Da geht es um 170 Millionen Euro, die bei unserem konservativen Risikoprofil auch in einem Krisenmarkt zu stemmen sind. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir uns zur Not auch komplett selbst finanzieren können mit Geld aus den Hausverkäufen. Mit  Problemen kämpft etwa die deutsche Eurohypo, die auch zu Ihren Geldgebern zählt. Diese will sich aus Österreich zurückziehen. Gibt es schon einen Ersatz?Bei uns ist die Eurohypo bereits abgelöst. Die Commerzbank-Tochter war bei uns kein großer Finanzierungspartner. Mit der Eco haben Sie ein Osteuropa-Unternehmen im Portfolio, das Sie abverkaufen wollen. Wie läuft das? Das Osteuropa-Engagement der Eco ist Gott sei Dank  überschaubar mit einer Handvoll an Liegenschaften. Das Problem 2011 bei der Eco waren  Themen wie die Neuverhandlung bei kurzen Mietverträgen, die wir zuerst erledigen mussten, bevor wir in den kommenden Jahren die Liegenschaften einzeln verwerten werden. Wir haben bereits 2011 einiges verkauft und sind zuversichtlich, dass es so weitergeht.

Wann wird die Eco von der Börse genommen?Das ist nicht unser Fokus, und ich denke, dass es nicht vor 2014 so weit sein wird.

Conwert: Wiener Zinshaus-Kaiser Die börsenotierte Immo-Firma Conwert verwaltet ein Portfolio von 3,0 Milliarden Euro. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Zinshäusern. Nach der Mehrheitsübernahme durch Petrus Advisers baut Ex-Investmentbanker Johannes Meran  das Unternehmen kräftig um.