Wirtschaft
18.04.2012

Citigroup: Aufstand der Aktionäre

Dem Vorstand der US-Bank Citigroup wurde die hohe Vergütung verwehrt. Grund ist der schwache Aktienkurs.

Heiß her ging es am Dienstag Vormittag (Ortszeit) in der texanischen Metropole Dallas. Auf der Hauptversammlung der US-Bank Citigroup erregte ein Punkt die Gemüter: Die vorgesehene hohe Ausschüttung an die Vorstände rund um Chef Vikram Pandit. "Aberwitzig" und "zu tief angesetzte Performance-Ziele" zur Erreichung der Bonuszahlungen kritisierte ein Teil der rund 150 anwesenden Aktionärsvertreter. Die Folge: Sie verweigerten mit einer Mehrheit von 55 Prozent ihre Zustimmung zu einer Jahresgage inklusive Bonus für Pandit von 15 Millionen Dollar (11,3 Mio. Euro). Darüber hinaus wären ihm für die nächsten Jahre weitere 40 Millionen Dollar in Aussicht gestellt gewesen.

Die Aktionäre sind empört, dass das Management abcasht, während der Kurs der Aktie im Vorjahr um 44 Prozent abgestürzt ist. Zum Verhängnis wurde Pandit auch, dass die US-Bankenaufsicht eine Dividendenerhöhung bzw. ein Aktienrückkaufprogramm untersagt hat. Das Institut habe dafür zu wenig Eigenkapital, lautete die Begründung.

Aufsichtsratschef Richard Parsons gab sich zerknirscht. "Das ist eine ernste Angelegenheit. Wir müssen mehr mit unseren Aktionären sprechen und sicherstellen, dass wir ihre Bedenken verstehen." Rechtlich bindend ist das Votum nicht. "Wir haben für Pandit nicht zu viel Gage vorgesehen", gab sich Parsons einerseits uneinsichtig. Andererseits versprach er Änderungen am Vergütungsplan.

Börsenotierte US-Konzerne müssen seit dem Vorjahr ihre Aktionäre zur Höhe der Vorstandsgagen befragen. Von 3000 Unternehmen haben 2011 nur 41 dafür keine Mehrheit erhalten, heuer waren es überhaupt erst drei. "In vielen Fällen davon sind die Vorstandsgehälter stärker gestiegen als der Ertrag für die Investoren", sagt eine US-Analystin. "Die Anleger sind zunehmend unzufrieden mit überbezahlten Vorständen, während für sie nichts herausschaut." Allerdings hat Pandit im Jahr 2009 nur 129.000 Dollar und 2010 nur einen symbolischen Dollar verdient.

In Österreich ist Erste-Group-Chef Andreas Treichl Spitzenverdiener unter den Börse-Konzernen. 2011 erhielt er 2,2 Mio. Euro brutto. OMV-Chef Gerhard Roiss verdiente 1,84 Mio. Euro, Telekom-Chef Hannes Ametsreiter 1,03 Millionen. In Deutschland dürfte auf der Hauptversammlung von VW die 20-Millionen-Euro-Gage von Chef Martin Winterkorn thematisiert werden.