Peking im Smog: Forscher attestieren, dass die Stadt wegen ihrer hohen Schadstoffbelastung für Menschen "fast unbewohnbar" ist – die Umweltschutzbranche wächst.

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China
03/09/2014

Wein, Tafelspitz und Trinkwasser

Österreicher tischen kulinarisch auf. Smog kurbelt das Geschäft mit Umwelttechnologie an.

von Simone Hoepke

Der rasante wirtschaftliche Aufschwung Chinas hat Schattenseiten – etwa den Smog. Forscher attestierten der Hauptstadt Peking kürzlich sogar, dass sie wegen ihrer hohen Schadstoffbelastung für Menschen "fast unbewohnbar" ist.

Die Bevölkerung geht auf die Barrikaden, internationale Konzerne haben Probleme, ihre Posten in Peking mit Managern aus dem Ausland zu besetzen. China verspricht Milliardeninvestitionen in Emissionsreduzierung und Energieeffizienz, die Umweltschutzbranche solle jährlich um 15 Prozent wachsen.

Derzeit ist China stark auf ausländische Technologien und ausländisches Know-how angewiesen. Aus Österreich ist in China unter anderem die M-U-T Maschinen-Umwelttechnik-Transportanlagen GmbH in der Abwasser- und Trinkwasseraufbereitung sowie Umwelttechnik tätig. "In geförderten Branchen bleiben die Markteintrittshürden in China zum Teil jedoch recht hoch und der Markt und seine Regulierungen sind schwer zu durchblicken", sagt Oskar Andesner, Wirtschaftsdelegierter in Peking.

Er sieht für österreichische Firmen in China aber Potenzial – über alle Branchen hinweg. Zumindest für jene, die schnell sind. "Wenn man in China einen leeren Raum nicht nützt, füllt ihn sofort jemand anders aus. Egal ob es sich um ein Geschäftsfeld oder einen Platz im Bus handelt", spitzt es Andesner zu.

"Schmankerln"

In Peking eröffnet in den nächsten Monaten übrigens das erste österreichische Speiselokal: Ein Joint-Venture des Kärntners Walter Lampersberger mit seinem chinesischen Partner Qu Hao Xin. "Es wird Tafelspitz, Semmelknödeln, Spätzle und Hirschragout geben", erklärt Qu in perfektem Deutsch. Der 35-Jährige ist in Österreich aufgewachsen. Seine Eltern hatten ein China-Restaurant in Hermagor, mittlerweile besitzen sie eine Lokalkette in China. Schnitzel und Bier gibt es in Peking übrigens jetzt schon. Etwa im Paulaner Bräu. "Rund 1000 Liter Bier brauen wir täglich", verrät Braumeister Wolfgang Sesser, ein Oberösterreicher.

Auch Wein hat hier mitunter eine rot-weiß-rote Handschrift. So hat Gernot Langes-Swarovski seit 1999 in Changli, 270 Kilometer östlich von Peking, ein Weingut. Rund 30 Millionen US-Dollar hat das Familienmitglied der Kristalldynastie in das Anwesen, das 2000 Hektar umfasst, investiert. Produziert wird in Bio-Qualität.

Weniger Billigproduktion, aber mehr Geschäft vor Ort

Aufgrund steigender Lohn- und damit Produktionskosten verliert China für reine Lohnfertigungen im Lowtech-Bereich an Wettbewerbsfähigkeit. So zieht die Karawane jener Kleidermacher, die die Auftragserteilung allen voran vom Preis abhängig machen, in noch billigere Produktionsländer wie Bangladesch weiter. Als Standort wird China für jene Unternehmen interessant, die auch im Land der Mitte verkaufen wollen. Absatzchancen sieht die Außenwirtschaft Österreich vor allem in den Sektoren Infrastruktur, Hochtechnologie, Maschinen- und Anlagenbau, Energie, Umweltschutz und Dienstleistungen.

Um ins Geschäft zu kommen, sind allerdings gute Kontakte vor Ort notwendig. "Die Geschäfte sind bestens gelaufen, bis ich mich von meinem chinesischen Partner getrennt habe. Daraufhin habe ich zwei Jahre keinen einzigen Auftrag mehr bekommen", erklärt ein deutscher Unternehmer, der im Bereich Umwelttechnologie tätig ist.

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