Wirtschaft
26.04.2017

China auf riesiger Einkaufstour in Europa

Exportchancen: Österreicher setzen auf Skiboom und große Seidenstraßen-Konferenz Mitte Mai.

300 Millionen wintersportbegeisterte Chinesen soll es in Peking und Umgebung geben. Martin Glatz, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Peking, hält das aber für fraglich: "Da ist jeder mitgezählt, der jemals einen Schneemann gebaut hat."

Dass Skifahren in China zu einem Breitensport wird, glaubt der Wirtschaftsprofi nicht: Tagesskipässe kosten nämlich fast 80 Euro – für eher winzige Skigebiete. Dass China die Winterspiele 2022 austrägt, hat das Interesse aber zumindest geweckt. Und Österreich sei in einer guten Position, auszuhelfen – mit Know-how vom Skigebiet über den Tourismus bis zur Ausbildung von Rennläufern. So besuchen heuer erstmals mehr als 100 Geschäftsleute aus China dieBranchenmesse in Innsbruck. Und so gut wie jede Skifirma habe mehrere Übernahmeangebote vorliegen.

Kleines Exportplus

Apropos Einkaufstour: Da gab es 2016 einen Erdrutsch. Erstmals steckten Chinas Unternehmen mehr Geld in Beteiligungen und Projekte im Ausland als ausländische Firmen im Reich der Mitte. Und: Chinesen haben vier Mal so viel in der EU investiert wie umgekehrt. Dass die EU nun einen "Screening Mechanismus" anstrebt, um zu verhindern, dass strategisch wichtige EU-Firmen an staatlich gelenkte chinesische Firmen gehen, hält Glatz für legitim.

Geschäftschancen verspricht sich Österreich auch bei der neuen Seidenstraße, einem Infrastruktur- und Investitionsprojekt, das China enger mit Europa vernetzen soll. 16 osteuropäische Länder sind direkt eingebunden, Österreich hat Beobachterstatus. Am 14. und 15. Mai findet in Peking eine große Seidenstraßen-Konferenz statt, an der Verkehrsminister Jörg Leichtfried teilnehmen wird. Erwartet werden Regierungsvertreter aus 28 Ländern. Das Projekt solle eine neue Globalisierungsära einleiten und sei offen für den Rest der Welt, heißt es in Vorab-Dokumenten. Es sei klar, dass China das als Spektakel inszeniere, so Glatz. Trotzdem sei es wichtig, präsent zu sein. Im abgelaufenen Jahr sind die rot-weiß-roten Exporte nach China nur um 0,3 Prozent gestiegen. Das liege im Trend anderer EU-Länder, deren Zahlen ebenfalls stagnierten.