Wirtschaft 05.12.2011

Chevrolet wird grüner

"Volt" für alle Fälle: Europa-Chef Wayne Brannon bringt sein Elektroauto Volt im Frühjahr nach Österreich. An Bord ist Technik aus Wien.

Chevrolet ist die viertgrößte Automarke der Welt. Heuer feiert das Tochter-Unternehmen von General Motors seinen 100. Geburtstag. Europa-Chef Wayne Brannon spricht im KURIER- Interview über drohende Absatzkrisen, das neue Elektroauto Volt und seinen Lieblings-Chevy.

KURIER: Herr Brannon, die deutschen Autohersteller eilten in den vergangenen Monaten von Rekord zu Rekord. Wie war die Situation bei Chevrolet?
Wayne Brannon:
Die Situation ist aktuell außergewöhnlich. Global haben wir bei Chevrolet in den ersten drei Quartalen 3,6 Millionen Fahrzeuge verkauft. 2011 könnte damit ein Rekordjahr werden. Vor allem in den Schwellenländern wie Brasilien oder Russland läuft es toll. Und auch in Österreich hatten wir ein Rekord-Wachstum von 21 Prozent in den ersten drei Quartalen.

In Europa mehren sich allerdings die Stimmen, die vor einer Wirtschaftsflaute warnen. Was sind Ihre Erwartungen für 2012?
Wir sehen eine zunehmende Unsicherheit bei den Konsumenten, vor allem in Ländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal. Dort erwarten wir etwas Abwärts-Druck. In Ländern wie Frankreich, Deutschland oder Österreich sind wir optimistisch, da wir viele neue Modelle am Start haben. Insgesamt rechnen wir damit, dass der Absatz in Europa mit 19 Millionen Stück recht konstant bleiben wird, global erwarten wir ein leichtes Plus.

Sind die Autobauer diesmal besser auf eine Krise vorbereitet als 2008?
Seit 2008 gab es bei allen Herstellern zahlreiche Anpassungen bei den Kapazitäten. Wir rechnen mit einem stagnierenden Wachstum und ich sehe für 2012 nicht mehr Rationalisierungsdruck als etwa in diesem Jahr. Abschwünge treffen große Marken stärker als kleine. Wir sehen genug Wachstumspotenzial und ich denke, dass wir in den nächsten fünf Jahren unseren Marktanteil in Europa (Anm: lt. Chevrolet 2,55 Prozent) nochmals verdoppeln können.

Chevrolet hat 2011 in Europa sieben neue Modelle auf den Markt gebracht. Was dürfen Kunden nächstes Jahr erwarten?
Die neu eingeführten Modelle Captiva und Orlando waren bisher schwerer verfügbar. Das sollte sich 2012 ändern. Gleichzeitig kommt bei unserem erfolgreichsten Modell Cruze gerade die Schrägheck-Version. In der gehobenen Mittelklasse bringen wir 2012 den neuen Malibu, zusätzlich werden wir bei der Genfer Motorshow eine neue Version eines existierenden Modells vorstellen.

Wird es Änderungen bei den Preisen geben?
Die Preise unterscheiden sich natürlich in den Märkten. Ich sehe für nächstes Jahr aber keine fundamentalen Preisänderungen, nur leichte Anpassungen.

Sprechen wir über Ihren prominentesten Neuwagen, das Elektroauto Volt. Wie reagieren die Käufer in Europa auf das Auto?

Der Volt (Anm.: Baugleich mit dem Opel Ampera) ist derzeit die beste Idee auf diesem Planeten im Bereich Elektroauto. Man kann 80 Kilometer rein elektrisch zurücklegen, durch die Reichweiten-Verlängerung sind weitere 500 Kilometer möglich. Dieser kleine Benzinmotor, der im Volt als Generator fungiert, wird übrigens in Wien-Aspern hergestellt. Man braucht kein Zweitauto für lange Strecken und muss keine Angst haben, mit leeren Batterien stehen zu bleiben.

Wann kommt das Auto nach Österreich und was kostet es?

Wir werden im zweiten Quartal 2012 in Österreich starten. Der Startpreis wird etwas günstiger sein und bei 41.950 Euro liegen.

Wo wird der Volt aktuell gebaut und sind neue Werke geplant?
Gebaut wird das Auto in Detroit. 2011 stellen wir 10.000 Stück her, 2012 sollen es 60.000 sein. Die Kapazität dort sollte vorerst ausreichen.

Chevrolet hat keine Fabrik in Europa. Zuletzt hörte man von Plänen für Kooperationen mit europäischen Herstellern. Gibt es hier Details?
Unser Management in Detroit hat angekündigt, dass man sich diverse Möglichkeiten ansieht, Chevrolets in Europa zu bauen. Das ist alles, was wir derzeit dazu sagen können, Details stehen noch nicht fest.

Ihre Marke feiert dieser Tage 100. Geburtstag. Was ist denn Ihr Lieblingsmodell in dieser langen Geschichte?
Das ist natürlich die Corvette. Sie war das Traumauto meiner Jugend. Ich hatte eine in den 1980ern, aktuell habe ich leider keine.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011