Ex-Tennisverbands-Chef Leitgeb weist die Vorwürfe zurück, er habe die Immofinanz-Million rechtmäßig erhalten. Laut Anklage soll Summe vom Staat angeschöpft werden

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Causa Immofinanz
06/12/2015

Anklage gegen Ronnie Leitgeb

Staatsanwalt ortet Untreue-Tatbestand rund um Promi-Fitnesscenter in Monte Carlo - Vorwürfe werden bestritten.

von Kid Möchel

Die „Villa Esmara“ in der Luxusmetropole Monte Carlo sollte ein einzigartiges Trainingszentrum für Spitzensportler werden. Das Promi-Projekt des Ex-Tennisverbands-Präsidenten Ronnie Leitgeb und dem Finanzier Immofinanz war offenbar auf Sand gebaut – jetzt endet es vor dem Strafgericht.

Anklage bereits zugestellt

Am Mittwoch hat Staatsanwalt Volkert Sackmann Ex-Immofinanz-Boss Karl Petrikovics, dem früheren Tennis-Manager Leitgeb sowie drei Ex-Immofinanz-Mitarbeitern eine 33 Seiten starke Anklage zustellen lassen. Der Verdacht: Untreue. Der mutmaßliche Schaden: rund eine Million Euro. Den fünf Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft. Die Vorwürfe werden bestritten.

Aber der Reihe nach. Laut Anklage soll Ronnie Leitgeb Ende 2001 seine glänzende Idee vom internationalen Trainingscenter „Champ Fitness Monte-Carlo“ dem damaligen Immofinanz-Chef präsentiert haben. Die Immofinanz finanzierte daraufhin den Kauf der Villa und die Umbauten mit insgesamt 5,4 Millionen Euro. Mitte April 2003 wurde das Trainingscenter mit Pomp eröffnet.

13 Monate Miete bezahlt

Ein halbes Jahr hatte Leitgeb keine Miete zu zahlen. Ab Oktober 2003 musste seine Firma CMFC dann 36.000 Euro Netto-Miete im Monat berappen. Laut Anklage soll er sie aber nur 13 Monate lang gezahlt haben. Ab Mai 2005 blieben die Zahlungen aus. Der Betrieb des Sportcenters sei unrentabel, soll Leitgeb einem mitangeklagten Immofinanz-Mitarbeiter gesagt haben. Da betrug der Mietzinsrückstand schon 288.000 Euro. Rückwirkend wurde nicht nur die Miete gesenkt, sondern auch der Vertrag aufgelöst. Laut Anklage zahlten Leitgeb und seine Escarpo Stiftung 2006 rund 381.600 Euro Schadenersatz an die Immofinanz.

Käufersuche

Danach wurde Leitgeb die Villa zum Kauf angeboten. Doch er wollte sie nicht haben. So wurden zwei örtliche Makler mit der Käufersuche beauftragt, behauptet der Staatsanwalt. Dass auch Leitgeb angeblich eine (Verkaufs-)Provision zugesagt wurde, wurde sogar in der Immofinanz intern als „bemerkenswert“ eingestuft – in Anbetracht der Mietausfälle.

Französische Makler

Im Herbst 2006 wurde die Villa um 5,8 Millionen Euro an einen Schweden verkauft. Die französischen Makler kassierten 178.500 Euro brutto. Zugleich soll aber auch Leitgeb mehr als 400.000 Euro für das „Erstellen von Verkaufsunterlagen, Kontaktaufnahme mit internationalen Partnern und Durchführung von Besichtigungsterminen und Marketingmaßnahmen“ in Rechnung gestellt haben.

Was war die Leistung?

„Es ist fraglich, welche Leistungen Leitgeb im Zuge des Verkaufs erbracht haben könnte, da ausschließlich die französischen Makler den Käufer brachten“, heißt es in der Anklage. Zwei Tage nach dem Verkauf zahlte die Immofinanz Leitgeb 400.000 Euro. Auch die bereits geleisteten Schadenersatzzahlungen aus dem Mietvertrag forderte Leitgeb zurück. Unterm Strich soll die Immofinanz mehr als eine Million Euro an Leitgeb, seine Stiftung und seine Wiener Firma überwiesen haben – angeblich unrechtmäßig beziehungsweise ohne entsprechende Gegenleistung.

„Die Vorwürfe sind falsch. Die Villa war für Sportler nicht benützbar, es gab zahlreiche Mängel“, kontert Roland Kier, Strafverteidiger von Ronnie Leitgeb im Gespräch mit dem KURIER. „Mein Mandat hat einen zivilrechtlichen Vergleich mit der Immofinanz geschlossen, aus dem die Zahlungen resultieren.“ Nachsatz: „Mein Mandant hat schließlich auch den Käufer für die Villa gebracht.“

Auch Otto Dietrich, Verteidiger von Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics, weist die Vorwürfe zurück. Dietrich sagt zum KURIER: „Wir prüfen derzeit, ob wir einen Einspruch gegen die Anklage einbringen werden.“
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