Casinos-Konzern: Vieles ist möglich

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Foto: /Sazka Group Sazka-Chef Robert Chvatal

Tschechische Sazka Group will mehr Anteile, Expansionspläne für die Lotterien.

"Die Menschen gehen immer weniger in die Trafiken und schauen sich am Abend im TV die Lotto-Ziehung an", konstatiert Robert Chvatal, Boss der Sazka-Gruppe. Der tschechische Lotterien-Konzern hat in und mit Österreich ehrgeizige Expansionspläne.

Sazka hat sich mit insgesamt 34 Prozent in die teilstaatlichen Casinos Austria (Casag) eingekauft und hält außerdem direkt 11,56 Prozent an den Lotterien, der Cash-Cow des Casinos-Konzern.

Chvatal glaubt nicht, dass der Lotto-Markt in Österreich bereits gesättigt ist: "Wir wollen in Österreich mit Lotto weiter wachsen und müssen innovative Produkte auf den Markt bringen." Der Trend gehe eindeutig in Richtung Digitalisierung. Beim Online-Gaming macht er den Lotterien "ein großes Kompliment". Während Online-Lotto in Tschechien erst gestartet ist, habe Österreich schon lange Erfahrung damit.

Sazka würde gerne weitere Anteile an der Casag-Gruppe übernehmen, gibt Chvatal offen zu. Zweitgrößter Aktionär nach Sazka ist mit rund einem Drittel die Staatsholding ÖBIB. Einen namhaften Anteil hält noch die Grazer Wechselseitige, daneben gibt es eine Reihe von kleinen Aktionären. Chvatal betonte, dass Sazka und die österreichische Novomatic überhaupt die ersten industriellen Miteigentümer bei den Casinos seien.

Der Staat sollte allerdings grundsätzlich als Aktionär an Bord bleiben, argumentiert Chvatal. Glücksspiel sei eine sensible Industrie und der Staat habe die Rolle des Regulators.

Die Gaming-Gruppe der beiden tschechischen Milliardäre Karel Komárek und Jiří Šmejc zählt jetzt bereits zu den größten Lotterien-Betreibern in Europa, will aber die Nummer eins werden. Österreich sei ein wichtiger Baustein dazu. Man sehe sich als langfristige strategische Investoren, sagt Stepan Dlouhý, Chief Investment Officer von Sazka.

International

In den Niederlanden wurden vor den Wahlen Privatisierungspläne gewälzt. In Großbritannien könnte ebenfalls in den nächsten drei Jahren eine Lotterien-Konzession ausgeschrieben werden und auch in Italien soll noch heuer eine weitere Lizenz vergeben werden. Dort hält die Sazka Group bereits 32,5 Prozent an Lottoitalia, der größten nationalen Lotterie in Europa.

Casinos-Vorstand

Noch wollen sich die Sazka-Manager nicht über den künftigen Vorstand bei den Casinos Austria äußern. Es könnte noch bis zum ersten Quartal 2018 dauern, bis der Einstieg bei der Casag abgeschlossen ist. Der Antrag bei Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) wird demnächst eingereicht. Das OK der Kartellhüter dürfte kein gröberes Problem werden. Wesentlich langwieriger sind die internationalen Behördengenehmigungen.

Chvatal betont, dass Sazka bislang die besten Erfahrungen gemacht habe, wenn die Vorstandsetage mit lokalen plus internationalen Managern besetzt sei. Die Verträge der Casinos-Vorstände Karl Stoss und Dietmar Hoscher laufen mit Jahresende ab. Bettina Glatz-Kremsner hat einen Vertrag bis 2019, die Managerin ist unumstritten. Die Tschechen setzen auf den Casag-Aufsichtsrat. Denn selbst können sie erst nach dem Closing des Deals in das Gremium einziehen.

Novomatic

Das deutsche Bundeskartellamt gab Novomatic jetzt grünes Licht für die Übernahme der deutschen Casino Royal Gruppe mit rund 1000 Mitarbeitern und 102 Millionen Euro Umsatz. Damit beschäftigt Novomatic in Deutschland bereits knapp 5000 Mitarbeiter.

Die Sazka-Group

Die Gruppe wurde von den tschechischen Milliardären Karel Komárek und Jiří Šmejc gegründet und ist einer der größten Lotterien-Betreiber in Europa. 2011 übernahm Sazka die staatliche Lotterie in Tschechien, die knapp vor der Pleite stand.  Ein Jahr später stieg Sazka zu einem Drittel bei der griechischen Opap ein. Opap notiert an der Börse in Athen und ist weltweit einer der größten Anbieter von Lotto und Sportwetten. An Lottoitalia, der größten nationalen Lotterie in Europa, ist Sazka mit 32,5 Prozent beteiligt. Im Vorjahr spielte die Sazka-Group einen konsolidierten Umsatz von vier Milliarden und ein Ebitda von 262 Millionen Euro ein.  

Robert Chvatal (49) steht
seit 2014 als Chief Executive Officer an der Spitze von Sazka. Er war während seines Marketingstudiums in Prag bei Procter & Gamble tätig, dann bei Coty/Margaret Astor. 1997 wechselte er in die Mobilfunkbranche. Von 2007 bis 2012 war er in Österreich Chef von T-Mobile Austria.

(kurier) Erstellt am
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