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Wirtschaft von innen
10/04/2015

Casinos Austria: Der Poker der Oligarchen

Der Hintergrund der Milliardäre, die um den Glücksspielkonzern rittern.

von Andrea Hodoschek

Finanzminister Hans Jörg Schelling schätzt Oligarchen nicht sehr. Vor allem dann nicht, wenn sie sich in den teilstaatlichen heimischen Glücksspielkonzern Casinos Austria samt den Lotterien einkaufen. Und alle weiteren Entscheidungen über die künftige Eigentümerschaft vorerst blockieren. "Ein unfreundlicher Akt", ärgerte sich Schelling.

Wer sind die Milliardäre, die es auf den rot-weiß-roten Gaming-Konzern samt den Lotterien abgesehen haben und die gegen die niederösterreichische Novomatic in den Ring gestiegen sind?

Im Vordergrund stehen die beiden Tschechen Karel Komárek und Jiří Šmejc. Beide zählen zu den reichsten Männern ihres Heimatlandes und werden auf je 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

Zum Netzwerk gehört noch der Grieche Dimitris Melissanidis, Spitzname "Tiger".

Sowie Petr Kellner, der mit Abstand vermögendste Mann Tschechiens.

Allen ist gemeinsam, dass sie ihre Imperien in kurzer Zeit aufbauten. Sie beherrschen international verzweigte Firmenkonglomerate, von der Öl- und Gasindustrie über Versicherungen, Telekom, Bergbau, Medien, Banken bis zu Immobilien. Zuletzt stiegen sie ins Glücksspiel-Business ein.

Beginnen wir bei Karel Komárek. Als die staatliche tschechische Lotteriegesellschaft Sazka 2011 vor der Pleite stand – was man mit einer Lotterie erst einmal schaffen muss –, gewann Komárek mit seiner KKCG die Ausschreibung. Gemeinsam mit der Investmentgruppe PPF von Petr Kellner. Dieser stieg ein Jahr später wieder aus, heute gehört die Lotterie Komárek alleine.

Ursprünglich mithilfe seines Vaters, einem ehemaligen Außenhändler und Partner der Ruhrgas, begann Komárek Anfang der 1990er- Jahre mit dem Aufbau der KKCG, die sich als "eine der am schnellsten wachsenden Investmentgruppen" in Zentral- und Osteuropa definiert. Die Komáreks waren auch bei Privatisierungen dabei. Die KKCG hat mehr als 3000 Mitarbeiter, umfasst heute beispielsweise das größte Bohrunternehmen in Tschechien, ein Öl-Terminal in der russischen Samara-Region, Anteile an Bergbau- und Explorationslizenzen in Georgien und ist mit dem Energie-Giganten Gazprom im Geschäft. Den Wert der Unternehmen gibt KKCG mit 1,6 Milliarden Euro an. Die Holding ist steuerschonend in Zypern domiziliert.

In größeren Dimensionen bewegt sich Petr Kellner. Auch er legte den Grundstein mit Kupon-Privatisierungen. Nach eigenen Angaben hielt seine Investment-Gruppe PPF mit Stichtag Ende 2014 Assets im Wert von knapp 22 Milliarden Euro. Forbes reiht ihn mit acht Milliarden Dollar Privatvermögen weltweit auf Platz 160.

Beteiligungen von Tschechien über Russland bis Asien – an Banken, Immobilien, Versicherungen, Bergbau, Landwirtschaft, Telekom, Handel, Biotechnologie. Mit dem russischen Oligarchen Oleg Deripaska, Großaktionär des heimischen Baukonzerns Strabag, streitet sich die PPF um das Sagen beim Versicherungsriesen Ingosstrakh.

Filetstück der PPF ist die Home Credit Group, die weltweit größte Bank für Konsumkredite. Mit 57.600 Mitarbeitern und mehr als 161.000 Verkaufsstellen. Bis dato war Home Credit nur im Osten tätig, hat eine Lizenz für China und schaffte jetzt den Sprung in die USA.

Womit wir zu Jiří Šmejc kommen, im Hauptberuf CEO und beteiligt an der Home Credit Group, die er für Freund Kellner aufbaute. Am Donnerstag gab Šmejc eine strategische Partnerschaft mit dem US-Mobilfunkanbieter Sprint bekannt und schwärmte von einem neuen Markt mit einem Potenzial von 320 Millionen Kunden. US-Behörden durchleuchten übrigens Ost-Milliardäre, die sich im Land etablieren wollen, sehr genau.

Šmejc ist seit mehr als 20 Jahren an der Seite von Kellner. Mit der Gründung der Emma Capital zog er sein eigenes Investmentvehikel auf. Da schließt sich der Kreis zu den Casinos Austria. Emma Capital teilt sich mit Komáreks KKCG die speziell für den Deal in Österreich gegründete Austrian Gaming Holding, die den 11-prozentigen Anteil der Vienna Insurance Group an den Casinos Austria übernommen hat.

Die Emma Delta wiederum kaufte im Oktober 2013 dem finanzklammen griechischen Staat ein Drittel an der OPAP ab, einem der größten börsenotierten Wettanbieter Europas.

Von hier führt die Spur zu Dimitris Mellisanidis. Der Reeder und Ölmagnat ist neben Šmejc als Miteigentümer bei Emma Delta an Bord. Seine Aegean Petroleum Network ist die zweitgrößte Ölgesellschaft Griechenlands. Melissanidis gilt als der weltweit größte unabhängige Lieferant von Kraftstoffen. Der erbitterte Gegner der linken Syriza-Partei ist in seiner Heimat der Justiz bekannt, doch bisher kam es nie zu einer Anklage.

Wenn seine Geschäfte gestört werden, kann der "Tiger" Melissanidis sehr aggressiv werden. Als das unabhängige griechische Magazin Unfollow im Vorjahr berichtete, dass die Aegean in einen großen Öl- und Steuer-Skandal verwickelt sei, beließ es Melissanidis nicht bei einer Klage. Er rief den Reporter, der die Enthüllungsstory verfasst hatte, in der Redaktion an und drohte dem Journalisten, ihn samt seiner Familie im Schlaf in die Luft zu sprengen. Chefredakteur Augustine Zenakos schilderte den Vorfall detailliert in einem Interview mit der Süddeutschen.

Wie es sich für richtige Oligarchen gehört, hält sich der in einem armen Stadtteil von Athen geborene Melissanidis einen Fußballverein. Ihm gehört der Traditionsklub AEK Athen.

Ausgesprochenes Pech hatte der Chef der griechischen Privatisierungsbehörde, Stelios Stavridis. Er musste zurücktreten, nachdem bekannt geworden war, dass er wenige Stunden nach Abschluss des OPAP-Deals mit dem Learjet von Melissanidis in den Urlaub flog.

Den Poker um die Casinos Austria koordinierte der österreichische Unternehmer Peter Goldscheider. Seine Investmentfirma Epic war allerdings bei der Übernahme des ersten Anteils nicht mehr dabei. Goldscheider hat sich offenbar auf die Reservebank zurückgezogen. Angesichts der noch zu erwartenden Schlammschlacht kein ungeschickter Schachzug.Der Nachfolger einer berühmten Keramik-Dynastie arbeitete bereits mit Komárek wie auch mit Šmejc zusammen. Den letzten großen Deal zog er mit Rinat Achmetow durch, der Nummer eins der ukrainischen Oligarchen. Goldscheider verkaufte ihm 2013 um mehr als eine Milliarde Euro die ehemals staatliche UkrTelekom. Apropos Oligarchen. Novomatic-Gründer Johann F. Graf kann vermögenstechnisch locker mithalten. Der Selfmade-Industrielle wird von Forbes auf 6,6 Milliarden Dollar geschätzt. Immerhin Platz zwei in Österreich und Rang 208 weltweit. Am Montag treffen sich alle Eigentümer der Casinos-Austria-Gruppe zur außerordentlichen Hauptversammlung. Könnte ziemlich spannend werden.