Kursstürze an den Börsen in Schanghai und Schenzehn haben rund 32 Milliarden Euro an Börsenwerte vernichtet.

© REUTERS/KIM KYUNG-HOON

Keine Aktienblase
07/08/2015

Börsencrash in China trifft reiche Oberschicht

Die Regierung in Peking will weiteren Kurssturz bremsen. Millionen Chinesen spekulieren auf Pump.

von Kid Möchel

Die Talfahrt von Chinas Börsen setzt sich fort. Am Mittwoch startete der Schanghai Composite Index, der wichtigste Handelsplatz auf dem Festland, um fast acht Prozent niedriger als der Schlusskurs am Vortag betrug. Auch die Börse Schenzhen hat fünf Prozent verloren. Fakt ist: Seit Anfang Juni ist die Börse Schanghais um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Fakt ist aber auch: Beide Indizes waren in den Monaten zuvor um 150 Prozent in die Höhe katapultiert worden.

Der aktuelle Absturz soll rund 32 Milliarden Euro Börsenwerte vernichtet haben. Die Aktien von fast 1300 Unternehmen wurden vom Handel ausgesetzt. Das sind 45 Prozent der gehandelten Papiere. Auch in Hongkong gab der Index Hang Seng um sechs Prozent nach. Detail am Rande: Ausländische Investoren haben ihr Kapital vor allem im MSCI China Index angelegt, der die größten umsatzstärksten chinesischen Unternehmen umfasst. Indes schwappte der aktuelle "Börsencrash" aber auch auf die Nachbarländern über. So gab auch der japanische Nikkei um drei Prozent nach.

Regionales Problem

Die Zentralbank Chinas und die Aufsichtsbehörden in Peking kündigten Maßnahmen an, um den Abwärtssog zu stoppen. "Das ist aber keine Blase, die die chinesische Wirtschaft betrifft, sondern es geht hier um die Börsen Schanghai und Schenzhen, die die reiche chinesische Mittel- und Oberschicht als Casino benutzt", sagt Friedrich Strasser, Vorstand der Wiener Bank Gutmann und Asien-Experte, zum KURIER. "An beiden Börsen sind 20 bis 30 Millionen chinesische Haushalte aktiv, die großteils auf Kredit spekulieren." Nachsatz: "Die Kursrückgänge treffen nicht die armen chinesischen Bauern." Auch werde China durch den Kurssturz nicht in Schieflage geraten. So müsse man wissen, dass sich chinesische Unter-nehmen weiterhin über Kredite und den Geldmittelfluss (Cash flow) finanzieren, aber kaum über die Börse. Aber aufgrund der Kursverluste fordern die chinesischen Banken von den privaten Spekulanten mehr Sicherheiten für die Kreditlinien. "Da die Privaten nicht mehr einzahlen wollen, verkaufen sie die Aktien", sagt Strasser. Peking will weiteren Groß-Verkäufen einen Riegel vorschieben. Anleger, die mehr als fünf Prozent der Aktien eines Unternehmen besitzen, müssen diese nun ein halbes Jahr halten.

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