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Wirtschaft BusinessOesterreich
01/10/2017

Österreichische Firmen geben dem Weltmarkt Würze

Österreichs Gewürzhändler machen rund 80 Prozent ihrer Geschäfte jenseits der Landesgrenzen.

von Simone Hoepke

Weltweit ist der Gewürzhandel ein Milliardengeschäft. Die Nachfrage nach Pfeffer, Vanille oder Oregano steigt, auch weil sich die Essgewohnheiten in den Produzentenländern ändern und damit rund um den Erdball mehr Würze auf die Teller kommt. Damit steigen für eine Reihe von Rohstoffen nachhaltig die Preise – von Pfeffer bis zur Vanille.

Auch wenn die meisten Gewürze in fernen Ländern angebaut werden, mischen ein paar Unternehmen aus Österreich am Markt mit – und zwar weit über die Landesgrenzen hinaus. Bei Konsumenten am bekanntesten ist wohl der niederösterreichische Familienbetrieb Kotányi. Das Unternehmen mit Sitz in Wolkersdorf macht 90 Prozent seines Geschäfts im Lebensmitteleinzelhandel und strebt heuer einen Umsatz von 150 Millionen Euro an, wobei traditionell ein Fünftel des Geschäfts aus Russland kommt – daran hat auch das Embargo auf Lebensmittel aus der EU nichts geändert.

"Der Rubel hat sich wieder etwas erholt und unsere Gewürze gibt es jetzt neu bei einer Handelskette mit Tausenden Geschäften in Russland", sagt Firmenchef Erwin Kotányi, der auch Obmann des österreichischen Gewürzverbandes ist. Seine Gewürzmühlen liefert der Niederösterreicher bis Chile und Brasilien, ein Zukunftsmarkt ist China, das sich verstärkt für europäische – speziell italienische – Küche interessiert.

Wiberg ging an Israelis

Seine Mitbewerber sind landläufig oft nicht so bekannt, da sie im B2B-Geschäft tätig sind, also die Industrie oder Gastronomie beliefern. So wie das in Salzburg ansässige Unternehmen Wiberg, das sich 2016 endgültig aus dem Lebensmitteleinzelhandel verabschiedet hat. "Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenzen, also auf die Industrie und Gastronomie", sagt eine Sprecherin. 78 Prozent des Umsatzes macht Wiberg mit Gewürzmischungen für die Fleischwarenindustrie und kleinere Fleischhauer.

Wiberg liefert in knapp 80 Länder der Welt, die Exportquote der Firma mit Sitz in Salzburg und Produktion in Freilassing liegt jenseits der 80 Prozent. Seit Ende vergangenen Jahres ist Wiberg in Besitz des israelischen Frutarom-Konzerns, einem der weltweit größten Hersteller von Geschmacksstoffen und Düften. An den in den vergangenen Jahren modernisierten und ausgebauten Standorten wollen die Israelis festhalten. Dem Vernehmen nach denken sie auch an einen Ausbau.

Es geht um die Wurst

Das oberösterreichische Familienunternehmen Almi, gegründet 1931, hat sich auf die Belieferung von Fleisch- und Wurstproduzenten spezialisiert. Ob Wurst und Schinken von Wiesbauer oder Radatz – für die Würze ist Almi zuständig. Auch in vielen Fertigprodukten stecken Gewürze von Almi. "Wir sind sehr ostlastig, machen einen Großteil des Geschäfts in Russland", sagt Alexander Mittermayr, der den Familienbetrieb in dritter Generation führt. Er hat die Exportquote seit den 1990er Jahren stetig ausgebaut – zuletzt kamen 90 Prozent des Unternehmensumsatzes (85 Millionen Euro) aus dem Export.

Auch ausländische Firmen verarbeiten in Österreich Gewürze: Etwa das deutsche Unternehmen Hela (Hermann Laue GesmbH) im Kärntner Gmünd. Hela beliefert Gastronomen und Fleischverarbeiter.

Pfeffer

Wenn es um Pfeffer geht, sind alle Augen auf Vietnam gerichtet. Mit weit mehr als 120.000 Tonnen im Jahr liefert das Land rund 60 Prozent des weltweiten Bedarfs. Und dieser steigt, vor allem in Asien, wo jedes Jahr Millionen Menschen in die Mittelschicht aufsteigen. Damit steigt der Fleischkonsum in Ländern wie China rapide an und auch die Zahl jener, die beim Kochen zur Pfeffermühle greifen.

Ähnlich ist die Situation in Indien, das mittlerweile mehr oder weniger die gesamte Ernte im eigenen Land aufbraucht und als Exportland ausfällt. Dennoch ist es nach wie vor die indische Pfefferbörse, die die Entwicklung am Weltmarkt vorgibt. Dort zeigten die Preiskurven über Jahre hinweg steil nach oben. Nicht nur wegen der gestiegenen Nachfrage, vor allem wegen schlechter Prognosen für Ernten in Indien und Sri Lanka und wegen der Spekulanten – angeblich vor allem aus dem arabischen Raum – die den Markt mehr oder weniger leer kauften.

3000 TonnenJetzt ebbt die Teuerungswelle wieder ab. Zuletzt wurde Pfeffer am Weltmarkt um zehn bis fünfzehn Prozent billiger gehandelt als zu Spitzenzeiten. Österreich importiert Branchenschätzungen zufolge bis zu 3000 Tonnen im Jahr.

Vanille

Wer größere Mengen an Vanille braucht, sollte sie eher bald kaufen. Erwin Kotányi, Chef des gleichnamigen Gewürz-Verarbeiters, will die Preise Anfang nächsten Jahres empfindlich in die Höhe schrauben. „Ich gehe von einer Verdoppelung der Preise aus“, sagt er. Da es zu wenig Vanille am Markt gibt, dreht sich die Preisspirale nach oben – zuletzt um 500 Prozent binnen zwei Jahren. Schuld sind zwei Fehlernten in Folge. In Madagaskar, jenem Land, das für 85 Prozent der Welternte verantwortlich ist.

Das Heimatland der Vanille, Mexiko, exportiert längst keine Schoten mehr. Außerhalb Mexikos ist der Anbau mühsam – weil die Blüten per Hand bestäubt werden müssen (in Mexiko hat diesen Job traditionell eine nur dort vorkommende Kolibri-Art übernommen). Dass die Erntemengen zurückgehen, liegt aber auch daran, dass viele Bauern in Madagaskar auf den Anbau anderer Pflanzen umgestiegen sind, als die Preise zwischen 2003 und 2013 auf historische Tiefststände gesunken waren.

Entspannung gibt es dagegen bei Nelken, von denen allein in Indonesien zwischen 80.000 und 90.000 Tonnen im Jahr geerntet werden. Hauptsächlich für den eigenen Bedarf, genau genommen für die indonesische Zigarettenindustrie, die Nelkenöl in großen Mengen für ihre Rauchwaren braucht. Fällt eine Ernte schwach aus, kaufen die Indonesier in Madagaskar ein, jenem Land, das sonst Europa in großem Stil beliefert. Wird das Angebot knapp, steigt der Preis. Derzeit ist das nicht der Fall. Der Preis für die mehr als hundert Tonnen Nelken, die Österreich benötigt, liegt derzeit etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Auch der Nachschub an Anis ist nicht ausgeblieben. Österreich führt jährlich rund 30 Tonnen ein, allen voran aus Syrien, das trotz des Krieges weiterhin geliefert hat. Die Türkei, ebenfalls ein wichtiges Anis-Anbauland, kann von der Qualität her schwer mit Syrien mithalten, sagen Experten. Der Großteil des türkischen Anis landet übrigens nicht als Gewürz auf den Markt – sondern in Form des türkischen Nationalgetränks: Raki.

Zimt – Österreich importiert im Jahr rund 600 Tonnen, vor allem aus Indonesien – hat sich im Vorjahr um 50 Prozent verteuert. Auch hier handelt es sich um eine Art Aufholjagd. Die Preise waren so lange am Boden, bis die Bauern auf andere Pflanzen umgestiegen sind. Das Angebot wurde knapp, die Preise zogen wieder an – binnen fünf Jahren um 250 Prozent, rechnet Kotányi vor.

Entwarnung bei der Preisfront gibt es bei Piment – die Ernten in den Hauptanbauländern Mexiko und Honduras waren stabil. Österreich importiert auch heuer wieder rund hundert Tonnen.

Knoblauch

Weltweit sind die Anbauflächen für Knoblauch im vergangenen Jahr um zehn Prozent ausgeweitet worden, von einem Überangebot kann dennoch nicht die Rede sein. Schuld daran war der harte Winter 2015/’16 in China. Er hat – je nach Region – zwanzig bis 40 Prozent der Ernte zunichte gemacht. Das hat Folgen. China drückt in normalen Jahren bis zu fünf Millionen Tonnen Knoblauch in den Weltmarkt und hat damit global gesehen einen Marktanteil von 70 bis 80 Prozent.

Diese Dominanz hat sich China über Jahrzehnten mit Billigpreisen erobert und erhalten, sowohl im Frische-Bereich als auch bei der Lieferung von Granulaten, die in vielen Gewürzmischungen stecken. Diese Granulate werden meist in chinesischen Fabriken produziert, sprich: Der Knoblauch wird dort geschält, gewaschen und getrocknet. Das alles kostet immer mehr Geld, weil die chinesischen Behörden die Umwelt- und Hygiene-Auflagen verschärfen. Mit den Kosten steigen die Preise. Das wissen auch die Spekulanten.

Freie Mengen von getrocknetem Knoblauch kaufen sie binnen kürzester Zeit auf. Auch, weil sich herumgesprochen hat, dass auch in den USA – ein weiteres wichtiges Anbauland, wenn auch hauptsächlich für die Staaten selbst – die Ernte um ein Drittel geringer ausgefallen ist als erwartet. Kotányi: „Die Knoblauch-Preise sind in den vergangenen fünf Monaten um das Dreifache gestiegen.“ Ob das auch die Konsumenten an den Supermarktkassen zu spüren bekommen, bleibt abzuwarten. Da Knoblauch in vielen Gewürzmischungen vorkommt, werden Verarbeiter die Kostensteigerungen wohl abfangen können.