Mobilie statt Immobilie: Cotainer aus Vollholz zum Wohnen

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Wirtschaft BusinessOesterreich
12/06/2016

Frau mit Hof sucht Bauer

Eine Kärntner Hofbesitzerin sucht Menschen, die sich bei ihr ansiedeln wollen - in Holzcontainern.

Die Sache ist die: Viele Städter träumen von einem Bauernhof, irgendwo in der Einsamkeit, auf dem sie ihre eigenen Kartoffel anbauen und ihr Gemüse ziehen können. Die Realisierung dieses Traums scheitert im Wesentlichen an drei Dingen: Dem nicht vorhandenen Bauernhof. Dem mangelnden Wissen, wie man Gemüse und Kartoffel anbaut. Und den Kosten, die der Kauf eines eigenen Hofes mit sich bringen würde – von dem Gefühl, dort auf Lebzeit angebunden zu sein, ganz zu schweigen.

Baukastensystem

Eine Lösung könnte Maria Kurath sein. Die Bäuerin will ihren Hof in Kärnten beleben – und das auf recht unkonventionelle Weise. Unter dem Titel "Mobiles Wohnen und Arbeiten am Kräuterhof" sucht Kurath Menschen, die sich am Gelände ansiedeln wollen. Nicht bei ihr im Gästezimmer, sondern in einer Mobilie. Dabei handelt es sich um einen knapp 20 Quadratmeter große Vollholz-Container, der mit allen nötigen Anschlüssen ausgestattet und nach dem Baukastensystem um weitere Module erweiterbar ist. Der Prototyp mit Bad und Küche steht bereits am Hof in Waisenberg, bis zu acht weitere könnten folgen.

Für Freigeister hat die kleine Hütte den Vorteil, dass sie mobil ist. Soll es woanders hingehen, kommt das Teil einfach mit. Deswegen nennt es sich auch Mobilie, nicht Immobilie.

Maria Kurath sucht Menschen, die sich in die Landwirtschaft einbringen und zumindest fallweise auf dem Hof leben wollen. Bauern müssen sie nicht zwangsläufig sein. Viel wichtiger ist ihre Persönlichkeit und ihre Einstellung zur Natur. "Ich bin ganz offen für Ideen, gespannt welche Menschen sich bewerben", sagt Kurath. Raum zur Entfaltung gibt es genug. Zum Hof gehören 15 Hektar Wald und 15 Hektar Nutzfläche, die derzeit verpachtet sind. Kurath hat sich auf ihren Kräutergarten spezialisiert. Sie hat eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin gemacht. Jetzt probiert sie vieles aus – vom Destillieren ätherischer Öle bis zur Produktion von Tinkturen und Cremen und kennt sich beim Thema Räuchern aus. "Ich könnte auch Kräuterführungen machen, aber das ist nicht meins. Ich experimentiere lieber im stillen Kämmerchen, da bin ich ganz ich selbst."

Kurath lacht viel und man merkt ihr an, dass sie nicht mehr viel aus der Ruhe bringen kann. Den Bauernhof wollte sie nie hergeben. Gemeinsam mit ihrer Tochter, die mittlerweile wieder auf den Hof zurück gekehrt ist, hat sie nach Lösungen gesucht und ist bei einer Informationsveranstaltung von Greencare durch Zufall auf die Gesellschaft für Beziehungsethik aufmerksam geworden.

Belebung von Höfen "Wir wollen Kleinbauernhöfen eine Zukunft geben, denen es an Vermarktungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten fehlt", erklärt Robert Rogner von der Gesellschaft für Beziehungsethik. Durch das Wohnprojekt mit Mobilien soll wieder eine Art Familienstruktur am Hof entstehen und altes Wissen aus der Landwirtschaft weitergegeben werden. Rogner: "Ich denke, es ist ein interessantes Projekt für Städter, die einen ruhigen Zweitwohnsitz suchen und bei der Arbeit in der Landwirtschaft helfen wollen." Im Idealfall sollte auf diese Weise auch ein Nachfolger für den Hof gefunden werden, etwa in Form einer Vereinslösung. Der Hof von Maria Kurath ist der erste, der bei der Initiative mitmacht. So einfach sei es gar nicht, Hof-Besitzer zu finden, die für solche Projekte aufgeschlossen sind, räumt Rogner ein. Auch nicht jeder Hof würde zum Projekt passen.

Information zum Kräuterhof sowie Bewerbungsunterlagen unter www.greencare-oe.at. Bis 7. Jänner 2017 kann man sich noch bewerben.

Simone hoepke

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