Wirtschaft
18.05.2017

Bundesländer-Wachstum: Kräftige Brise aus dem Westen

Stärkstes Wachstum in Vorarlberg und Tirol – auch das Burgenland hält mit. Rote Laterne für NÖ und Wien.

Erfreulich: Die Regierungskrise und das Neuwahlgeplänkel können der guten Wirtschaftsstimmung nichts anhaben. "Die konjunkturelle Lage wird von den vorgezogenen Wahlen relativ wenig beeinflusst", sagte Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria, am Mittwoch. Er habe nicht das Gefühl, dass die Bevölkerung eine tiefe Krise empfindet. Zudem wäre der Wahltermin 2018 mit Österreichs EU-Ratspräsidentschaft kollidiert – das sei nun erfreulicherweise nicht mehr der Fall.

Die Wirtschaft segelt zur Zeit mit Rückenwind. Der bläst aber regional durchaus unterschiedlich stark.

Woher kommen die Unterschiede? Ist die Wirtschaftspolitik der Länder wirklich so unterschiedlich?

Da warnen die Experten vor Überinterpretationen, denn vieles hat Struktur-Gründe. So stammt in Industriehochburgen wie Vorarlberg und Oberösterreich ein Drittel der Wirtschaftsleistung aus dem Produktionssektor. In Wien sind es hingegen nur 10 und in Salzburg 17 Prozent. Dafür spielen Dienstleistungen wie Handel und Tourismus in der Bundeshauptstadt (84 Prozent) und der Mozartstadt (73 Prozent) tragende Rollen. Die Länder profitieren also unterschiedlich – je nachdem, was im Aufwind ist.

In welchen Bundesländern erwarten die Bank-Austria-Experten 2017 das stärkste Wachstum?

Eindeutig im Westen: Vorarlberg und Tirol wird jeweils ein Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent zugetraut (siehe Grafik). Knapp dahinter soll Oberösterreich mit 2,1 Prozent Plus folgen. Das exportstärkste Bundesland profitiert besonders vom Wiedererstarken der Industrie – insbesondere von Schwergewichtern wie Elektroindustrie, Maschinenbau, Fahrzeuge, Stahl und Metallwaren wird eine kräftige Dynamik erwartet. Die Konsumeffekte der Steuerreform laufen aus, dafür verbessern sich die Aussichten am Bau weiter. Das hilft vor allem in Tirol, der Steiermark und Kärnten.

Und wie hat 2016 ausgesehen?

Das Jahr zeigte ein für Österreich unübliches Muster. Die Exporte legten eine Bremsspur hin, das Industriejahr war je nach Branche solide bis durchwachsen. Dafür boomte der Tourismus: Dienstleistungen waren für 70 Prozent des Wachstums verantwortlich. Der Konsum profitierte von der Steuerreform – und der Wohnbau lieferte erstmals seit der Krise einen positiven Beitrag. Das spülte recht unterschiedliche Länder an die Spitze: Vorarlberg führt das Ranking mit dem Burgenland an, das von schwächerem Niveau aus kräftig zulegen konnte.

Wer sind die Schlusslichter im Ranking – und warum?

Die gute Nachricht: Auch in den schwächsten Ländern soll sich die Konjunktur 2017 beschleunigen. Die rote Laterne bleibt aber wie 2016 in Wien und Niederösterreich. Ein Grund: Das Wachstum der Dienstleistungen schwächt sich ab. In Niederösterreich war zudem die Ölverarbeitung für das sehr schwache Jahr 2016 mitverantwortlich (OMV-Raffinerie in Schwechat).

Sinkt jetzt die Arbeitslosigkeit?

Ja, 2017 soll sie überall zurückgehen. Schon 2016 ist sie stabil geblieben oder gesunken, außer in Niederösterreich und Wien, weil dort das Wachstum schwächer war. Und weil mehr Menschen auf den Jobmarkt drängten, erklärte Ökonom Robert Schwarz – gerade in Wien und Burgenland. Österreichweit sei die Arbeitslosenquote von 2011 bis 2016 um 2,4 Prozentpunkte gestiegen, wovon 0,3 Prozentpunkte auf das Konto verstärkter Migration gingen.

Wer muss sich fürchten, falls Exporte in die USA (Trump) oder Großbritannien (Brexit) schwächeln?

Wichtig sind die USA für Salzburg, wo 11 Prozent der Exporte über den Großen Teich gehen (der Löwenanteil dank Red Bull). Auch für Kärnten spielen die USA eine Rolle (9,3 Prozent). Die Exporte auf die britische Insel fallen weniger ins Gewicht – am stärksten in der Steiermark mit 4,6 Prozent Anteil.