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Bundesimmobiliengesellschaft
06/12/2013

Vom Immo-Boom beflügelt

Die BIG kaufte ein City-Hotel, baut Türme und setzt auf betreutes Wohnen.

von Martina Salomon

Das einstige Amt ist am Weg zum wettbewerbsfähigen Immobilienunternehmen: Erst vor wenigen Tagen hat die Bundesimmobiliengesellschaft gemeinsam mit einem Partner das Accor-Hotel am Heumarkt hinter dem Konzerthaus gekauft. Es könnte saniert, aufgestockt oder in einigen Jahren gänzlich neu gebaut und mit Wohnungen ergänzt werden. Die BIG bereinigt ihr Portfolio, weitere neue Standorte (u. a. in Innsbruck und Salzburg) werden geprüft. Unwirtschaftliches wird abgestoßen (so soll das ehemalige Finanzamt Ullmannstraße im 15. Wiener Bezirk verkauft werden).

Im Vorjahr wurde die Austria Real Estate ARE als BIG-Tochtergesellschaft gegründet, die klar marktwirtschaftlich ausgerichtet ist. BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss will den Käufern u. a. hochwertiges „betreutes Wohnen“ anbieten. „Das Hamerling“ ist ein Vorzeigemodell dafür. Das ehemalige Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen ist zweitgrößtes Gebäude im achten Bezirk und wird eine Seniorenresidenz samt Klinik und Ärztezentrum beherbergen. Zwei Drittel des Gebäudes werden in frei finanzierte Wohnungen umgewandelt. Ihre Bewohner werden nach Bedarf das Service der Altenbetreuung – von Essensanlieferung bis zum Notfallknopf für den Gesundheitsdienst – in Anspruch nehmen können. Die Nachfrage danach ist groß.

KURIER: Profitiert die BIG vom Immobilienboom?

Hans-Peter Weiss: Ja, aber den Großteil unseres Geschäfts machen wir mit dem Bund – das betrifft Schulen, Unis, Justizanstalten.

Viele Büros stehen leer. Warum ist es so schwer, diese in Wohnungen umzuwandeln?

Moderne Büros sind dafür nicht geeignet – im Gegensatz zu unseren älteren Objekten. Ein Beispiel, das uns sehr am Herzen liegt, ist „Das Hamerling“, ein früheres Amt in Wien 8. Wir haben gerade erst den Baubescheid erhalten, doch 47 der 48 Eigentumswohnungen sind schon vorreserviert. In der Wiener Boltzmanngasse wurde ein Polizeigebäude in Wohnungen verwandelt – kürzlich ist die letzte vermietet worden.

Es gibt brachliegende Objekte, etwa das Arsenal in Wien. Wie schaut dessen Zukunft aus?

Uns gehört dort nur ein Teil. Gemeinsam mit der TU und der Stadt Wien erarbeiten wir dafür gerade ein Entwicklungskonzept. Interessant ist für uns auch das nahe liegende Eurogate-Gelände beim Zentralbahnhof.

Absurd, dass das nicht an die U-Bahn angeschlossen wurde.

Zweifellos schade. Das ist übrigens auch der Grund, warum es dort widmungstechnisch noch hakt.

Manche städtische Projekte wie TownTown in Wien-Erdberg sind gesichtslose Büro-Gettos geworden. Lässt sich so etwas noch revidieren?

Davor steht das Hauptzollamt: Diesen riesigen Komplex werden wir bis 2018 mit einem Partner durch drei Türme ersetzen. Auf zwei Drittel der Fläche sollen Wohnungen entstehen – mit einem gemeinsamen Sockel, in den die Infrastruktur einzieht.

Die BIG wurde kritisiert, dass die Wirtschaftsuni zu klein geraten ist. Der Rektor hat schon eine Liegenschaft neben dem neuen WU-Campus reserviert.

Die BIG setzt die Projekte um, die bei ihr bestellt werden. Wenn Sie bei einem Schneider einen Maßanzug bestellen, der Ihnen später zu klein ist, ist auch nicht der Schneider schuld. Aber das stimmt hier auch grundsätzlich nicht: Man muss nicht sämtliche Erstsemestrigenvorlesungen in den Hörsälen unterbringen. Dahinter liegt die Messe mit genügend Raum. Ein superintelligentes Konzept! In der TU zum Beispiel erzählt man, dass sich die Erstsemestrigenzahlen nach zwei Monaten halbieren. Es ist doch völlig unwirtschaftlich, für sechs Wochen Mega-Hörsäle zu bauen.

Ihr Vorgänger hat ein sehr teures Objekt von der Signa-Holding in der Innenstadt für den Verfassungsgerichtshof gemietet. War das nötig?

Der Nutzer definiert die Anforderungen. Wir haben mehrere Standorte im Auftrag des VfGH geprüft – und dieser passte am besten.

Der VfGH hätte in die Himmelpfortgasse gepasst, wo nur Teile des Finanzressorts nach der Renovierung zurückzogen.

Das war zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Für das Gebäude ist die Burghauptmannschaft zuständig ...

... die der Rechnungshof kritisiert hat. Wäre es vernünftig, sie mit der BIG zu fusionieren?

Es macht Sinn, dass die Burghauptmannschaft für historische Objekte, die teils nicht wirtschaftlich zu betreiben sind, zuständig bleibt.

Gehen Sie an die Börse?

Das steht momentan nicht zur Debatte. Das Unternehmen soll sich jetzt am Markt beweisen.

Mehr Privatmieter
Hans-Peter Weiss

Der 42-jährige Boku-Absolvent ist seit 2011 einer von zwei BIG-Geschäftsführern. Davor arbeitete er bei den Bundesforsten und der Esterházy Betriebe GmbH.

BIG und ARE

Die BIG hat vor zehn Jahren die Liegenschaften von der Republik gekauft und durch Begebung von Anleihen finanziert. Sie ist damit als Staatsunternehmen selbst Eigentümerin und hat keine Bundes-Haftung. Im Vorjahr gründete sie die Tochter-Firma ARE, in die 600 Objekte ausgegliedert wurden. Diese muss marktwirtschaftlich arbeiten und den Anteil der Privatmieter erhöhen.

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