Wirtschaft 05.12.2011

Börsen dürfen vorerst aufatmen

Anlegern steht eine turbulente Woche bevor: Aktien, Euro, Gold oder Franken so gut wie alle Werte dürften reagieren.

Die Pleite der damals fünftgrößten US-Investmentbank Lehman Brothers schickte 2008 die Börsen weltweit auf Talfahrt, Finanz- und Wirtschaftskrise folgten. Ähnliche Horror-Szenarien wurden jetzt im langen Streit um die Anhebung der US-Schuldenobergrenze entworfen.

Die Märkte werden daher am heutigen Montag die in Washington erzielte Einigung zweifelsohne mit Erleichterung aufnehmen. Wobei klar ist, dass mittelfristig größere Reformen gelingen müssen, um das jetzt genannte Einsparungsvolumen von 2,8 Billionen Dollar zu realisieren. Auch hier dürfte es nochmals zu heftigen politischen Auseinandersetzungen kommen. Dennoch werden die Ratingagenturen vorerst nichts an der besten Bonitätsbewertung - das berühmte "Triple A" - für die USA ändern, soviel ist absehbar.

Sinkt Goldpreis?

Börse Frankfurt: Die Aktienkurse dürften europaweit raufgehen
© Bild: ap

Klar ist auch, dass in der heute startenden Handelswoche so gut wie alle maßgeblichen Werte deutlich auf die Nachrichten aus den USA sowie die weitere Entwicklung in der europäischen Schuldenkrise reagieren werden. Es könnte also eine turbulente Woche werden. Beispielsweise dürften die als "sichere Häfen" geltenden Preise für Gold oder den Schweizer Franken nachgeben, während Aktienkurse und der Dollar nach oben schnellen. Zuletzt hatte ja der Euro gegenüber dem Dollar zugelegt, weil aus den USA enttäuschende Konjunkturdaten gemeldet worden waren.

Eine exakte Prognose ist momentan aber schwierig, weil relativ rasch wieder die EU-Schuldenkrise in den Fokus der Anleger geraten kann und dann wieder negative Nachrichten das Geschehen dominieren könnten: Erst war es nur Griechenland, später kamen Irland und Portugal hinzu. Nun droht offenbar der Euro-Zwerg Zypern zum Problemfall zu werden, aber auch die ganz großen Volkswirtschaften Italien und Spanien werden bereits sehr skeptisch beäugt. Und selbst in Frankreich gab es einen regelrechten Schuldenalarm - ausgerechnet durch den Internationalen Währungsfonds, dessen neue Chefin, Christine Lagarde, bis vor Kurzem Frankreichs Finanzministerin war.

Die Europäische Zentralbank hat daher am Donnerstag bei ihrer nächsten Direktoriumssitzung die Schuldenkrise ganz oben auf der Tagesordnung, die Zinsfrage stellt sich derzeit nicht, weil die Konjunktur eher schon wieder abreißt als richtig anspringt.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011