Oberösterreichischer Landmaschinentechniker Biso Schrattenecker ist in die INsolvenz geschlittert

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Insolvenzen
07/06/2015

55-Millionen-Pleite in Oberösterreich

Beim Landtechnikunternehmen BISO Schrattenecker GmbH wackeln 340 Jobs, davon 84 in Österreich.

von Kid Möchel

Die Firma BISO Schrattenecker GmbH mit Sitz in Ort im Innkreis hat am Landesgericht Ried einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. Das bestätigen Gerhard Weinhofer vom Creditreform und Petra Wögerbauer vom KSV1870 dem KURIER. 84 Mitarbeiter sind in Österreich von der Insolvenz betroffen; die BISO Schrattenecker-Gruppe hat insgesamt aber 340 Mitarbeiter. Von der Insolvnez betroffen sich auch 375 Gläubiger.

Das Familienunternehmen wurde 1878 gegründet und beschäftigt sich mit Landtechnik. Die Firma stellt Erntegeräte, insbesondere Schneidewerkzeuge für Mähdrescher her und hat mit erheblichen finanziellen Mitteln neue Schneidewerkzeuge entwickelt. Zugleich handelt der Betrieb mit neuen und gebrauchten Landmaschinen, vor allem Mähdreschern und Traktoren. Vor allem landwirtschaftliche Maschinen der Marke New Holland werden vertrieben.

Rumänien und Slowakei

Das oberösterreichische Unternehmen ist die Mutter von vier Gesellschaften, wovon eine in Rumänien und drei in der Slowakei domiziliert sind. Eine der slowakischen Gesellschaften hat wiederrum zwei Töchter, und zwar in der Slowakei und in der Tschechischen Republik. Dazu kommen zwei österreichische Niederlassungen in Eggerding und in Raasdorf.

Die Eigenprodukte werden am Standort in Ort und am Sitz einer Tochtergesellschaft in Novaky/Slowakei produziert, und auch im Ausland vertrieben. "Hauptabsatzgebiet für die Eigenprodukte ist Europa mit einer starken Ausrichtung auf die CEE-Staaten", heißt es im Antrag aus der Feder der renommierten Rieder Anwaltskanzlei Puttinger Vogl.

Streit mit dem Geschäftspartner

Die Ursachen der Insolvenz liegen in einem Streit mit dem Geschäftspartner und einem Lieferstopp der benötigten Maschinen. "Die nunmehr eingetretene Zahlungsunfähigkeit hängt unmittelbar mit der Geschäftsbeziehung zur Firmengruppe 'Case New Holland' zusammen", wird im Antrag behauptet. "Im Jahre 2011 wurden mit der Case New Holland-Gruppe, konkret vom Konzernmutter CNH Global NV, zwei Vereinbarungen geschlossen. Einerseits wurde eine Liefervereinbarung geschlossen, zum anderen ein gemeinsames Entwicklungskonzept vereinbart." Nachsatz: "In der Liefervereinbarung hat sich Case New Holland verpflichtet, die in Europa zu vertreibenden Maschinen zu liefern, wobei auch vereinbart wurde, dass die bereits in der Vergangenheit erzielten durchschnittlichen Umsätze für den Zeitraum 2008 bis 2011 um 50 Prozent gesteigert werden sollten."

Im gemeinsamen Entwicklungskonzept habe sich Case New Holland im Wesentlichen verpflichtet, heißt es weiter, sich an den Entwicklungskosten im Umfang von 70 Prozent zu beteiligen, "wofür ihr auch Anteile an dem entwickelten geistigen Eigentum einzuräumen sind".

Zahlungsverzögerungen

"Bei der Zahlung von Entwicklungskosten kam es nach kurzer Zeit zu Meinungsverschiedenheiten bzw. Zahlungsverzögerungen durch Case New Holland", wird im Antrag weiter behauptet. "Schließlich wurde die Kompensation der von Case New Holland zu zahlenden Entwicklungskosten mit den Zahlungen für die bezogenen Maschinen - auf Basis der Liefervereinbarung - akzeptiert." Diese Verrechnungen erfolgten konzernübergreifend, es wurden also Forderungen aus verschiedenen Gesellschaften der jeweiligen Konzerne miteinander verrechnet.

Trotz Abschluss eines Vergleichs („Settlement Agreement“) im Dezember 2013 kam es zu neuerlichen Meinungsverschiedenheiten, auch über die Auslegung dieser Vereinbarung. "Case New Holland reagierte darauf mit einem Lieferstopp, zumal die Meinungsverschiedenheiten nur das Entwicklungskonzept betrafen", heißt es im Antrag. "Als Folge gingen die Umsätze trotz bestehender Auftragslage massiv zurück."

Lieferstopp

In den Jahren 2008 bis 2011 hat BISO Schrattenecker alleine in Österreich mehr als zehn Millionen Euro Umsatz mit Maschinen der Marke „New Holland“ erwirtschaftet. 2013/2014 sollte ein Umsatz von mehr als 15 Millionen Euro erzielt werden. "Doch aufgrund des Lieferstopps wurden nur rund sieben Millionen Euro umgesetzt. Biso scheiterte laut eigenen Angaben "schlichtweg an der Verfügbarkeit der Produkte". "Dieser Lieferstopp wurde im Jahr 2015 wiederholt", heißt es auf Seite fünf des Sanierungsantrages. Der Umsatz 2014/15 brach dementsprechend ein.

Die Schulden

Die Schulden werden mit 55,6 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 37,90 Millionen Euro auf fünf Banken; mit 32,4 Millionen Euro steht Biso bei der Hausbank in der Kreide. Der Hausbank wurden unter anderem die Betriebsliegenschaften mit rund 8,11 Millionen Euro verpfändet. Bei den Lieferanten steht Biso mit rund 4,93 Millionen Euro in der Kreide, bei verbundenen Unternehmen mit 5,95 Millionen Euro und knapp 6,80 Millionen Euro entfallen auf "sonstige Verbindlichkeiten.

Das Vermögen

Das Vermögen des Landmachinentechnik-Betriebes hat einen Buchwert in Höhe von 49,67 Millionen Euro, der Verkehrswert beträgt aber nur 19 Millionen Euro. Unterm Strich beträgt das freie Vermögen lediglich 9,86 Millionen Euro.

Die Zukunft

"Die Sanierung soll dadurch erzielt werden, dass der Vertrieb von Fremdprodukten eingestellt wird", heißt es im Sanierungsantrag. Die Beendigung des Vertragsverhältnisses mit Case New Holland steht an erster Stelle der kurzfristigen Restrukturierungsmaßnahmen. BISO Schrattenecker will sich künftig auf die Eigenprodukte konzentrieren. Umsatzvolumen: rund zwöf Millionen Euro pro Jahr.

In der Österreich-Zentrale in Ort soll eine stark reduzierte Produktion mit nur rund 20 Mitarbeitern verbleiben, die modernisierte Produktionsgesellschaft in der Slowakei soll für den künftigen Anstieg der Erzeugung gerüstet sein. Auch die Vertriebsgesellschaft in Rumänien soll erhalten bleiben. Aber von den sieben rumänischen Niederlassungen sollen nur drei oder vier weiter genutzt werden. Die Vertriebsfirmen in der Slowakei und Tschechien werden aufgelassen.

Die Finanzierung der Gläubigerquote (20 Prozent) soll aus dem laufenden Betrieb erfolgen. Der Erntemonat Juli spiele entsprechende Umsätze ein. "Allein mit den bereits bestehenden Aufträgen ist die Fortführungsrechnung positiv", heißt es im Antrag weiter. Und: Durch die slowakische Tochterfirma werde die Liquiditätslücke überbrückt. "Eine Zahlung eines Großkunden in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro sollte in wenigen Tagen erfolgen", heißt es weiter.

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