Wirtschaft
16.01.2018

"Bei NIKI drängt die Zeit"

Airport-Chefs fordern rasche Lösung. Passagier-Rekord und weiteres Wachstum.

Die Flughafen Wien AG meldet für 2017 einen Passagier-Rekord. Doch das Debakel um NIKI trübt die Wachstumseuphorie. Die beiden Flughafen-Chefs Günther Ofner und Julian Jäger sorgen sich sehr um die weitere Zukunft der Airline.

"Die Zeit drängt, bald gibt es keine Assets mehr. Jedes Mal, wenn es nach einer sicheren Lösung für NIKI aussieht, gibt es ein neues Gerichtsurteil und alles wird über den Haufen geworfen", warnte Jäger bei der Präsentation der Verkehrsergebnisse des Flughafens Wien. Die beiden Insolvenzverwalter in Deutschland und Österreich hätten eine große Verantwortung und müssten "dringend eine pragmatische Lösung finden". Denn womöglich dauere es Jahre, bis der Europäische Gerichtshof in letzter Instanz die rechtlichen Insolvenzfragen geklärt habe.

Die Assets der Air-Berlin-Tochter seien "die Slots und die Mitarbeiter. Beides wird nicht ewig verfügbar sein". Bereits 500 der insgesamt 1000 NIKI-Mitarbeiter haben verbindliche Job-Angebote der AUA.

Die Passagier-Prognose für Wien "könnte noch besser aussehen, wenn diese ärgerliche Groteske um NIKI beendet würde. NIKI war der gesündeste Teil von Air Berlin und hat Gewinne gemacht", kritisiert Ofner. Möglicherweise sei bereits die Entscheidung der EU-Kommission (gegen die Lufthansa) nicht die beste gewesen, "aber was seitdem passiert ist, schädigt den Wirtschaftsstandort".

Mit allen bisher bekannten Interessenten gebe es gute Kontakte. Mit dem NIKI-Gründer Niki Lauda habe man in der Vergangenheit "exzellent zusammengearbeitet". Mit der Lufthansa-Tochter Eurowings kooperiere man gut und mit Vueling habe es bereits gute Gespräche gegeben. Die Spanier wollen sieben bis acht Flugzeuge in Wien stationieren, setzen sowohl auf touristischen als auch auf geschäftlichen Verkehr und wollen Wien als ihre Basis für Osteuropa etablieren.

Neue Destinationen

Nach dem Passagierrekord im Vorjahr mit 24,4 Millionen Fluggästen rechnet die börsenotierte Flughafen AG für heuer mit weiteren drei Prozent Plus. Die Airlines setzen größere Flugzeuge ein und die Auslastung der Maschinen verbesserte sich.

Für 2018 hofft der Flughafen stark auf die lukrative Langstrecke. Bereits jetzt haben die Fluglinien elf neue Destinationen ab Wien angekündigt. Es könnten aber noch mehr werden. Die AUA startet nach Kapstadt und nimmt Tokio wieder in ihr Flugprogramm auf. Expansionspläne haben auch die ungarische Wizz Air, die britische Billig-Airline easyJet, die taiwanesische EVA Air sowie Ethiopian Airlines.

Mehr Dividende

Die Aktionäre können sich für 2017 auf eine höhere Dividende freuen, deren Ausmaß die Vorstände aber noch nicht beziffern wollen. Im Vorjahr schüttete der Flughafen 0,625 Euro je Aktie aus.

Der Nettogewinn für 2017 wird über der Prognose von 120 Millionen Euro liegen. Für 2018 stellt das Management mehr als 132 Millionen Euro in Aussicht. Heuer werden am Airport 175 Millionen Euro investiert. Die Verschuldung soll von 350 auf 300 Millionen Euro abgebaut werden. Bis 2023 sind Sanierung und Erweiterung der Terminals abgeschlossen.

Die Zahl der Unternehmen im Umfeld des Flughafens wächst weiter. DHL wird heuer ein Logistik-Zentrum mit 500 neuen Arbeitsplätzen eröffnen. In Summe entstehen in der Airport-City 1000 Jobs.

Ofner und Jäger kritisieren die Verkehrssituation heftig. Die Bahntrasse nach Bratislava müsse wesentlich rascher realisiert werden als wie geplant erst 2026. Dringend notwendig sei auch der Lobautunnel. Das Verwaltungsgericht wird heuer über die dritte Piste entscheiden, doch die Projektgegner werden vor die Höchstgerichte gehen.

FairPlane-Chef: „NIKI ist eine österreichische Fluglinie“

Andreas Sernetz, Chef von FairPlane, wehrt sich gegen den Vorwurf, mit dem Insolvenzantrag in Österreich NIKI zu zerstören: „Wir sind die Aufdecker und machen NIKI nicht kaputt.“ Zwei Gerichte in Korneuburg und in Berlin hätten unabhängig voneinander das gleiche Urteil gefällt. NIKI sei eine österreichische Fluglinie und der Konkurs „muss in Österreich abgehandelt werden“.

Vueling brauche drei Monate, um NIKI in Stellung zu bringen. Das sei ausreichend Zeit, um innerhalb dieser Frist den Konkurs in Österreich abzuwickeln. Bei einem Insolvenzverfahren in Deutschland würde für die österreichischen Gläubiger weniger Masse übrig bleiben, argumentierte Sernetz im Interview mit KURIER-Herausgeber Helmut Brandstätter.

Sernetz kritisierte, dass der deutsche Insolvenzverwalter Lucas Flöther versucht habe, starken Druck auszuüben. Flöther werde in Deutschland daran gemessen, wie viel von dem Regierungskredit über 150 Millionen Euro an die Air-Berlin-Gruppe wieder zurückfließe. Im neuerlichen Rennen um die Übernahme von NIKI gibt Sernetz Vueling die besseren Chancen.

Die Ticketpreise dürften 2018, schätzt Sernetz, nochmals steigen. Er ortet gute Chancen für Ryanair und easyJet, die den deutschsprachigen Raum noch nicht erobert hätten, sich jetzt zu etablieren. TV-Talk unter www.kurier.at