© Reuters/MICHAELA REHLE

Kaufhaus-Deal
09/17/2013

Bei Karstadt geht Angst vor Stellenabbau um

Experten begrüßen den Teilverkauf an den Tiroler Investor Benko. Die Mitarbeiter fürchten aber um ihre Jobs.

Bei den deutschen Karstadt-Beschäftigten geht wieder die Angst um. Der Teilverkauf der Luxus-Warenhäuser und der Sporthäuser an den Tiroler Investor Rene Benko weckt Ängste vor einem Arbeitsplatzabbau. Die deutsche Gewerkschaft ver.di fordert deshalb einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag.

Gewerkschaft fordert Ende der Ungewissheit

Der überraschende Teilverkauf des Warenhauskonzerns Karstadt an die österreichische Signa-Gruppe sorgt für Alarmstimmung bei den Beschäftigten. "Diese Übertragung bedeutet faktisch die Zerschlagung des Unternehmens", sagte der Karstadt-Aufsichtsrat und Verhandlungsführer der Gewerkschaft ver.di, Arno Peukes. Investor Nicolas Berggruen habe sein Wort gebrochen, Karstadt als Ganzes zu erhalten.

Peukes kritisierte, bisher fehle noch jede Transparenz, was die neuen Pläne für das Unternehmen und die Mitarbeiter bedeute und ob dadurch Arbeitsplätze in Gefahr seien. Ziel von ver.di sei es deshalb nun, bei den anstehenden Kollektivvertragsgesprächen einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag durchzusetzen. Die Beschäftigten bei Karstadt lebten jetzt seit zehn Jahren in ständiger Unsicherheit, klagte Peukes. "Das Wesentliche ist jetzt, dass die klare Botschaft kommt: Eure Arbeitsplätze bleiben erhalten", verlangte er.

Experten begrüßen Deal

Bei Handelsexperten stieß der überraschende Coup Berggruens dagehen auf Zustimmung. Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sagte, er sehe in dem Teilverkauf der Luxuskaufhäuser und der Sporthäuser sogar die "letzte Chance für Karstadt". Die nun angekündigten Investitionen in Höhe von 300 Mio. Euro halte er für "das Minimum, was man braucht, um die Warenhäuser wieder auf die Spur zu bringen". Allerdings sei ungewiss, ob der Betrag wirklich ausreiche.

Auch der Handelsexperte Manfred Hunkemöller vom Kölner Institut für Handelsforschung sprach von einer "sinnvollen Maßnahme", wenn das Geld in die verbleibenden Karstadt-Häuser investiert werde. Jörg Funder von der Fachhochschule Worms sprach im Westdeutschen Rundfunk von einem "schlauen Deal". Die Warenhäuser bekämen dadurch die Möglichkeit, sich neu auszurichten. Doch gebe es bei dem Geschäft "noch sehr viel mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen".

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