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RTR
12/16/2015

Behörde droht Mobilfunker Lycamobile abzudrehen

Wird die Rufnummern-Mitnahme nicht ermöglicht, kommt mit 1. Februar 2016 das Aus für beliebten Migranten-Tarif.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Ungewöhnlich scharfe Geschütze fährt der Telekom-Regulator RTR auf: Er droht, dem Mobilfunkanbieter Lycamobile Austria am 1. Februar 2016 die Genehmigung zu entziehen. Damit müsste der Mobilfunkbetrieb in Österreich eingestellt werden.

Der Grund: Lycamobile hat es bis dato nicht geschafft, ihren Kunden die Rufnummern-Mitnahme in alle anderen österreichischen Handynetze zu ermöglichen. Das ist aber gesetzlich vorgeschrieben, auch für Anbieter, die – so wie Lycamobile – nur die Telefonie über Wertkarten anbieten. Jetzt bleibt noch Zeit bis Ende Jänner, um das Aus abzuwenden. "Den Endkunden der Lycamobile raten wir, ihre Guthaben bis zum ersten Februar 2016 aufzubrauchen und den Anbieter zu wechseln", kommentiert RTR-Geschäftsführer Johannes Gungl.

Ethno-Kunden

Das Geschäftsmodell beruht darauf, Gespräche ins Ausland günstig anzubieten – das macht Lycamobile besonders unter Migranten beliebt. Der Standard-Tarif in die Türkei etwa kostet 0,03 Cent pro Minute, in Sonderfällen sogar nur 0,01 Cent – zuzüglich 12 Cent Verbindungsentgelt.

Österreich-Start war im November 2013, die Telefonate laufen über das A1-Netz. SIM-Karten und Ladebons gibt es unter anderem bei Trafiken, Tankstellen oder Kebap-Buden (laut Eigenangaben sollen es "280.000 Läden in Österreich" sein). Lycamobile hat einige Zehntausend Kunden, sagen Insider. Die Zahl ist laut RTR "nicht unerheblich". Der Marktanteil bei den Gesprächsminuten in Österreich ist 0,7 Prozent.

Laut RTR-Bescheid hat Lycamobile angegeben, dass ihre Kunden ohnehin "wenig Wechselbereitschaft" zeigten. Ob Lycamobile plant, bis Ende Jänner die Auflagen zu erfüllen oder den Betrieb einzustellen, ließ sich am Mittwoch nicht ermitteln. Am Firmensitz der Lycamobile Austria Limited in Dublin war trotz mehrfacher KURIER-Anfragen niemand zu sprechen. "Es besteht Hoffnung", heißt es indes bei der RTR. Immerhin: Zu A1, UPC und Drei klappt es schon.

Hochwasser ist schuld

Die Begründung, warum die Nummern-Portierung in Österreich nicht zeitgerecht geschafft wurde, klingt freilich abenteuerlich: Schuld sei die Hochwasserkatastrophe in Indien von Anfang Dezember 2015. Die Mobilfunktechnik sei nämlich zur indischen Firma Plintron ausgelagert, wo es Unterbrechungen der Support-Systeme gegeben habe. Die RTR lehnte die geforderte Nachfrist aber ab: Das Hochwasser sei "nicht ursächlich dafür", dass eine für 16. November gesetzte Deadline nicht eingehalten wurde.

Lycamobile wurde 2006 vom srilankischen Geschäftsmann Subaskaran Allirajah gegründet und zählt nach Eigenangaben 14 Millionen Kunden in 19 Ländern in Europa, Australien und den USA.

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