Wirtschaft
27.09.2017

BAWAG geht noch heuer an die Wiener Börse

Alt-Eigentümer geben Aktien ab.

Nun ist offiziell, was schon lange in den Medien spekuliert worden war. Die BAWAG geht in Wien an die Börse. Die beiden Großeigentümer Cerberus und Golden Tree wollen ihre Investition versilbern, es werden alte Aktien angeboten. Potenziellen Investoren verspricht die Bank eine jährliche Dividendenausschüttung von der Hälfte des Nettogewinns, die Bank will bis 2020 eine Mrd. Euro investieren.

Ziel ist Wachstum, die BAWAG konzentriert sich dabei auf den deutschsprachigen Raum (Deutschland/Schweiz/Österreich). In diesen Ländern habe es in den vergangenen zwei Jahren fünf Zukäufe gegeben, zuletzt wurde die Südwestbank mit Sitz in Stuttgart erworben. Derzeit habe die BAWAG über 2,2 Mio. Kunden, die Direktbank-Tochter Easybank soll als Plattform für den Ausbau des Retailgeschäfts in Westeuropa, vor allem in der DACH-Region dienen.

In den kommenden Jahren strebt die BAWAG Group eine Steigerung ihres Ergebnisses vor Steuern um durchschnittlich 5 Prozent an. Ziel sei eine Cost/Income Ratio von unter 40 Prozent. Die Kernkapitalquote (CET1) soll bei mindestens 12 Prozent bleiben. Die BAWAG hat eine Bilanzsumme von 40 Milliarden Euro.

Insidern zufolge will die viertgrößte Bank Österreichs einen Anteil von 20 bis 30 Prozent auf den Markt werfen. Das Geldhaus, an dem der US-Fonds Golden Tree Asset Management weitere 40 Prozent hält, könnte dabei mit bis zu fünf Milliarden Euro bewertet werden.

Abgesehen von den sich verändernden Eigentümern führten die Geschäfte der BAWAG zu zahlreichen Prozessen und Verurteilungen und einem eigenen Untersuchungsausschuss. Hauptauslöser dafür waren intransparente und sehr verlustreiche Geschäfte der Bank in der Karibik.

Eine Chronologie

1922: Gründung der "Arbeiterbank" durch den damaligen Staatskanzler Karl Renner. Sie verwaltet die Gelder der Gewerkschaften und Konsumgenossenschaften.

1934: Im Ständestaat wird die Arbeiterbank zwangsliquidiert.

1947: Nach dem Zweiten Weltkrieg Neugründung durch den Gewerkschaftsbund ÖGB

1963: Namensänderung in "Bank für Arbeit und Wirtschaft" (BAWAG)

1994: Die Bank muss umstrittene Karibikgeschäfte auf Behörden-Druck stoppen

1995: Der neue Generaldirektor Helmut Elsner nimmt die riskanten "Karibikgeschäfte" wieder auf. Die Bank ist auch Hauptfinancier des bankrotten Konsum.

1996: Die Bayerische Landesbank ( BayernLB) steigt ein, kauft das "Konsum"-Paket an der BAWAG.

1998: Joint Venture mit dem US-Broker Refco. Ein Jahr später BAWAG-Einstieg mit 10 Prozent bei Refco.

2000: Die BAWAG kauft die P.S.K. für 1,28 Mrd. Euro. Wolfgang Flöttl, Sohn des früheren BAWAG-Chefs, verspekuliert viele hundert Mio. Euro. Die Bank kann nur dank ÖGB-Garantie bilanzieren.

2004: Der ÖGB kauft den BAWAG-Anteil von der BayernLB zurück, wird Alleineigentümer. BAWAG und ÖGB-Stiftungen steigen bei Refco vollständig aus.

2005: Die Krise bricht auf. Im Oktober Fusion von BAWAG und P.S.K. Am 10.10. überweist die BAWAG einen Blitz-Kredit an Refco/ Phillip Bennett. Bennett wird entlassen, sogar vorübergehend verhaftet. 13.10. Refco stoppt Geschäfte wegen Liquiditätsmangels. 16.10. Die BAWAG bangt um 425 Mio. Euro Kredit an Refco/Bennett. 18.10. Die New Yorker Börse streicht Refco vom Kurszettel. Die Refco-Gruppe ist insolvent.

2006: 1. Jänner: Ewald Nowotny wird BAWAG-Chef. März: Offshore-Firmen und Karibik-Spekulationen werden bekannt, die Bank gesteht hohe Verluste aus dem Jahr 2000 ein. Vier BAWAG-Vorstände und ÖGB-Chef Verzetnitsch müssen zurücktreten. Der ÖGB beschließt den Verkauf. April: Refco-Gläubiger stellen Milliardenforderungen an die BAWAG, BAWAG-Konten in den USA werden eingefroren, es kommt zu massiven Geldabflüssen aus der Bank. Mai: Bund, Banken und Versicherungen fangen BAWAG mit Bundesgarantie und Zusage für Kapitalspritze auf. Juni: Ein milliardenschwerer Vergleich mit Refco-Opfern bringt der Bank Rechtssicherheit 14. Dezember: US-Fonds Cerberus erhält den Zuschlag für den Kauf der BAWAG Verhandlungen gehen aber bis zum 30.12. weiter.

2007 15. Mai: Closing, die BAWAG gehört zu etwa 90 Prozent dem US-Fonds Cerberus. Der Kaufpreis liegt bei 2,6 Mrd. Euro, dazu bekommt die Bank 600 Mio. Euro Kapitalspritze.

2009: Im Zuge der Finanzkrise bekommt die BAWAG wie viele andere Banken auch eine Staatshilfe: 550 Mio. Euro Partizipationskapital (mit 9,3 Prozent Zins) und eine 400 Mio. Euro schwere Garantie. Zusätzlich hat Eigentümer Cerberus 205 Mio. Euro Kapital eingeschossen und die Bank selber 80 Mio. Euro aufgenommen.

2012: In Zuge einer Kapitalerhöhung steigt der Fonds Golden Tree mit rund 40 Prozent bei der BAWAG ein

2014 März: BAWAG zahlt nach einer weiteren Kapitalerhöhung das letzte Staatskapital zurück

2017 27. September: BAWAG gibt bekannt, noch im Laufe des Jahres den Börsengang in Wien anzustreben.