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Nachgefragt
04/09/2014

"Baumärkte sehen Online als Bedrohung statt als Chance"

Immer mehr Heimwerkermärkte kämpfen mit Schwierigkeiten. Sven Suberg im Interview über Online-Handel & Co.

von Hermann Sileitsch-Parzer

bauMax ist nicht das einzige Handelsunternehmen, das mit Schwierigkeiten kämpft (mehr dazu). Woher kommen die Probleme der Bau- und Heimwerkermärkte – und welche Erfolgschancen hat bauMax mit seinem neu angekündigten Webshop? Der KURIER hat darüber mit Sven Suberg, Gründer und Chef von Suberg Strategy Consultants in München, gesprochen. Die Managementberatungsfirma setzt sich seit etlichen Jahren intensiv mit dieser Handelsbranche auseinander.

KURIER: Herr Suberg, Sie haben schon vor eineinhalb Jahren in einer Branchenanalyse zum Heimwerker-Markt „Goodbye, DIY“ (Do-it-yourself) geschrieben. Was stimmt Sie so pessimistisch?

Sven Suberg: Die Situation für die Heimwerkermärkte ist schwierig und spitzt sich weiter zu. Das hat zwei Gründe: Wegen der vielen Neueröffnungen und Erweiterungen in den letzten Jahren sinkt der Umsatz pro Quadratmeter. Und die Branche hat den Onlinehandel verschlafen. Sieben Prozent des Umsatzes werden schon über Amazon und Co. erzielt. Dieses Geschäft fehlt dem stationären Handel, somit rechnen sich die hohen Mieten für die oft mehrere tausend Quadratmeter großen Märkte nicht mehr.

Gibt es nicht ohnehin nach der Praktiker-Insolvenz zumindest eine gewisse Marktbereinigung?

Praktiker hin oder her, wir werden ein weiteres Flächensterben und Umwidmen von Märkten sehen. Zugleich werden sich die Hersteller stärker engagieren, um unabhängiger von den Baumärkten zu werden. Unternehmen wie Kärcher und Al-Ko sind bereits mit eigenen Online-Shops aktiv. Starke Marken können sich das leisten. Fast alle Baumarkt-Lieferanten bauen parallel ihr Geschäft mit Amazon, ebay und spezialisierten Online-Händlern aus.

Gilt dieser Ausblick eins-zu-eins auch für Osteuropa?

In Deutschland und Österreich ist die Dichte sehr hoch, dort werden wir eher eine Bereinigung sehen. Je weiter man nach Osten kommt, umso dünner wird die Versorgungslage. In Russland gibt es noch ein fast sprunghaftes Wachstum, weil der Vertriebstyp Baumarkt dort noch nicht stark etabliert ist. Aber auch zum Beispiel in Italien gibt es noch sehr wenige Baumärkte, dort übernehmen diese Funktion eher klassische Eisenwarenhändler.

bauMax hat angekündigt, dass noch vor dem Sommer ein neuer Webshop starten soll. Kann das die Umsätze pushen?

Für einen Einstieg in den Online-Handel ist der Zug fast schon abgefahren. Ich glaube nicht, dass bauMax die Kraft und den nötigen Werbedruck für einen starken Internet-Shop aufbringen kann.

Zum Vergleich: GartenXXL (ein Internet-Fachmarkt, Anm.) ist in Deutschland vor zwei Jahren gestartet und beginnt jetzt, hohe Millionenbeträge in TV-Werbung und Marketing zu investieren – und das, obwohl der Eigentümer Tengelmann mit den OBI-Märkten zusätzlich über eine gut etablierte stationäre Handelsschiene verfügt. Offenbar traut man dem „Pure Player“ (reinen Online-Händler, Anm.) mehr Potenzial zu.

Dass heißt, bauMax ist bereits zu spät dran?

Wenn stationäre Händler jetzt erst starten, würde ich die Chancen eher gering erachten. Bauhaus hat auch erst jetzt mit einem Online-Shop gestartet. OBI hat zwar ein Internet-Sortiment, dieses ist aber deutlich kleiner als jenes im Baumarkt. Das Problem ist: Der stationäre Handel begreift Online immer noch primär als Bedrohung, nicht als Chance.

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