Ein Bewässerungs-Gerät von der Firma Bauer das auf einem Feld steht.

© /Bauer

Serie
10/01/2016

Bauer-Gruppe: Tröpfchenweise rund um den Globus

KURIER-Serie "Pioniere": Steirischer Beregnungsspezialist bewässert Flächen in 94 Ländern und eröffnet Werk in Brasilien.

von Anita Staudacher

Die südlichste Beregnungsanlage der Welt steht in Feuerland. In Primavera, einen der trockensten und unwirtlichsten Gegenden Chiles, sorgen Regenmacher aus Österreich dafür, dass die Schafe ausreichend Futter finden und so Viehzucht ermöglicht wird. Der 400 Meter lange Zentralpivot (feststehende Anlage, Anm.) mit sieben Fahrtürmen beregnet eine 50 Hektar große Weidefläche – unter widrigsten Umständen. Die Anlage der Bauer-Gruppe muss Windspitzen bis zu 180 km/h standhalten. Gespeist wird das Pivot mit Wasser aus einem Fluss, der durch einen sieben Kilometer langen Kanal auf das Grundstück geleitet wird.

Projekte wie diese sind das Kerngeschäft des Beregnungspezialisten aus Voitsberg in der Steiermark. Das 1930 gegründete Unternehmen zählt zu den weltweiten Technologieführern auf diesem Gebiet. Schon 1947 ließ Firmengründer Rudolf Bauer eine damals revolutionäre Hebelverschlusskupplung patentieren und erlangte damit internationale Bedeutung in der Bewässerungstechnik.

Ein Drittel Österreichs

Heute bewässern Systeme von Bauer, die sich teilweise schon via Handy-App steuern lassen, rund 2,5 Millionen Hektar Ackerland weltweit, das entspricht fast einem Drittel der Fläche Österreichs. "Das Know-how liegt darin, möglichst energiesparend die richtige Menge Wasser zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu bringen", erläutert Bauer-Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer Otto Roiss die Regenmacher-Philosophie. Eine Pflanze brauche einfach Wasser zum Wachsen und "auf’n Herrgott ist halt nicht immer Verlass".

Die Beregnung hilft nicht nur den Pflanzen, auch das Unternehmen selbst wuchs zum Global Player mit einem Umsatz von zuletzt 102 Mio. Euro heran. 17 Firmen gehören heute zur Bauer-Gruppe. Weltweit werden 650 Mitarbeiter beschäftigt, 250 davon in Österreich. Die Exportquote beträgt 97 Prozent, geliefert wird in 94 Länder. "Das ist Fluch und Segen zugleich. Aber wir sind von keinem Markt abhängig und es gibt immer Länder, in denen es gut läuft", meint Roiss.

Gut läuft es derzeit in Brasilien, wo Bauer nächste Woche eine neue Produktionsstätte für Beregnungs- und Abwasseranlagen in São Paulo eröffnet. Der Teilbetrieb wurde bereits im Juni aufgenommen. 65 Mitarbeiter sollen dort beschäftigt werden. Bauer hat hohe Erwartungen: "Brasilien ist einer der größten Agrarmärkte der Welt und ein echter Zukunftsmarkt. Hier nicht zu sein, wäre für uns ein fataler Fehler." Ein Werk vor Ort zu haben, sei in Brasilien ein Muss, da die Transportkosten von Österreich in den fernen Kontinent hoch seien.

Ein schon länger geplantes Werk soll "in Kürze" in Russland errichtet werden. Obwohl es derzeit wegen der EU-Sanktionen "eine sehr starke anti-westliche Stimmung" gibt, sieht Roiss sogar Vorteile für sein Geschäft. "Es wird jetzt wieder mehr regional produziert als früher, die Landwirtschaft muss investieren." Gute Wachstumschancen sieht der Firmenchef auch in den USA und Asien.

Klimaprofiteur?

Trotz extremer werdender Dürreperioden auf der Welt sieht sich Roiss keineswegs als Profiteur des Klimawandels. Im Gegenteil. Für künstlichen Regen brauche es schließlich auch Wasser. "Es gibt viele trockene Länder, die haben aber leider auch kein Wasser." Bei der Bewässerung gehe es vorrangig um Produktivität. "Die Beregnung ist der Turbo-Katalysator für die Landwirtschaft", sagt Roiss. Davon hänge letztlich der Ertrag ab. "Was hilft es, wenn es drei Jahre lang normal regnet und im vierten Jahr nicht. Den Ausfall kann sich heute kein Landwirt mehr leisten." Die Bewässerungskosten würden nur ein Bruchteil des Gesamtaufwandes ausmachen.

Gülle-Aufbereitung

Die Hälfte des Bauer-Umsatzes entfällt nach wie vor auf die Unternehmenswurzeln, die Aufbereitung landwirtschaftlicher Abwässer. Bauer erfand 1930 die erste Gülle-Hochdruckpumpe. Heute wird unter anderem mit einem eigenen Verfahren das Phosphat aus der Gülle extrahiert. Oftmals wird die Beregnung mit der Abwasseraufbereitung verknüpft.

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