Wirtschaft
09.05.2017

Bau-Razzia: In großem Stil sollen Scheinrechnungen erstellt worden sein

Der Verdacht illegaler Preisabsprachen führte bereits im April/Mai 2016 zu brisanten Aktivitäten der Steuerfahndung Klagenfurt. Neue Details aus dem Bau-Krimi.

Eine anonyme Anzeige, eine Prüfung durch die Steuerfahndung und ein Zufallsfund – in dieser Reihenfolge soll der Krimi um angeblich illegale Preisabsprachen in der heimischen Straßenbau-Branche ausgelöst worden sein. Neben den Konzernen Porr und Strabag sind auch Habau, Swietelsky, Kostmann und weitere Firmen ins Visier der Fahnder geraten. Am Anfang dieser Ermittlungskette: die Kärntner Baufirma Kostmann und eine anonyme Anzeige bei der Finanz. In weiterer Folge soll den Klagenfurter Steuerfahndern ein roter Aktenordner mit peniblen Aufzeichnungen eines Kostmann-Prokuristen in die Hände gefallen sein.

"Der Ordner war ein klassischer Zufallsfund", meint ein Branchenkenner. Am 21. April 2016 sollen dann diesbezügliche Angaben von einem Anwalt des Kostmann-Prokuristen in einem sogenannten Amtsvermerk protokolliert worden sein. Am 24. Mai 2016 habe dann die Steuerfahndung Klagenfurt ihren Bericht fertiggestellt.

In weiterer Folge wurde der Fall an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) abgetreten. Die WKStA hat dann vergangenen Mittwoch und Donnerstag Razzien durchgeführt. Dem Vernehmen nach besteht der Verdacht, dass seit 2006 bei 140 Bauprojekten gemauschelt wurde. Das Gros der Projekte betrifft Kärnten und die Steiermark. Das Auftragvolumen: 50 bis 100 Millionen Euro.

Lange Dauer

Schon die Finanzer sollen bei ihren Überprüfungen "auf Scheinrechnungen in großem Stil" gestoßen sein. Warum aber fast ein ganzes Jahr vergangen ist, bis die WKStA die Hausdurchsuchungen durchführte, ist unklar. "Aus ermittlungstaktischen Gründen" will die WKStA derzeit nicht sagen, wie viele Manager und Firmen als Verdächtige geführt werden.

Kolportiert wird in der Baubranche auch, dass die Porr-Tochter Terrag-Asdag in der Causa eine zentrale Rolle spiele. "Das ist für uns nicht nachvollziehbar", sagt Porr-Anwalt Rüdiger Schender zum KURIER. "Wir sind erst am Beginn der internen Aufarbeitung. Nach unserem Informationsstand geht es um kleinere regionale Projekte in den Bundesländern."

Die Firma Kostmann wollte zu dem laufenden Verfahren keine Stellungnahme mehr abgeben. Fakt ist auch: Alle genannten Baufirmen haben den Ermittlungsbehörden ihre Kooperation zugesagt.

Groß-Razzien bei Top-Tiefbauunter­neh­men

"Roter Aktenordner" löste Razzia bei Porr, Strabag & Co. aus