Ob Geld abheben etwas kosten darf, wird gerade heftig diskutiert

© APA/HELMUT FOHRINGER

Bankensektor
04/26/2016

Bankomatgebühren: Kein Tabu mehr für Raiffeisen

Für erbrachte Leistungen sollte jeder in der Lage sein, Gebühren zu verlangen.

Die Erste Bank und die Sparkassen in Österreich denken an die Einführung von Bankomatgebühren. Das haben sie vorige Woche offiziell bestätigt. Bei Raiffeisen in Oberösterreich ist das ebenfalls kein Tabu mehr.

Zwar denke die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich "derzeit" nicht an Bankomatgebühren für Kunden. Sollte aber jemand - flächendeckend - damit beginnen, dann wäre die Situation neu zu bewerten, sagte RLB-Chef Heinrich Schaller.

Keine Vorreiterrolle bei Gebühren

Vorreiter wäre Raiffeisen Oberösterreich damit nicht, denn in Tirol wird bei Raiffeisen schon seit Jahren ein Entgelt für Abhebungen bei fremden Bankomaten eingehoben. Die jetzt frisch angestellten Überlegungen für Gebühren fürs Bargeldabheben begründeten die Sparkassenmanager zuletzt mit dem Margen- und Ertragsdruck infolge der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Auch die Notenbank hat die Banker zur Kostenwahrheit aufgerufen.

In Oberösterreich hat Raiffeisen rund 600 Bankomaten. Der Betrieb von Bankomaten (samt Abschreibungen) kostet viel Geld. Branchenschätzungen von 5.000 bis 8.000 Euro jährlich pro Automat sind für Schaller zu tief gegriffen. Die Banken erbrächten Dienste und Leistungen, und generell sollte jeder in der Lage sein, dafür Gebühren und Provisionen zu verlangen, meint der oberösterreichische Raiffeisen-Banker. Da dürften Banken nicht anders gesehen werden wie jedes andere Unternehmen.

"Diese Diskussion muss man führen"

Auch für die Raiffeisenbankengruppe Vorarlberg (RBV) muss das Thema Bankomatgebühren besprochen werden. Für den Vorstandsvorsitzenden Wilfried Hopfner ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass sie kommen werden. "Diese Diskussion muss man führen", sagte Hopfner bei der Raiffeisen Vorarlberg-Jahrespressekonferenz am Dienstag. Er verwies dabei auf das stetig schwierig werdendere Zinsgeschäft, aber auch darauf, dass die Gratis-Bargeldbehebung in Österreich ein europäisches Unikum sei.

Dienstleistungen, die man erbringe, "sollen ihren Preis haben", stellte der Bankenchef fest. Schon jetzt etwa schlage sich die Abhebung am Bankschalter in den Kontoführungsgebühren nieder.

Arbeitkammer gegen Gebühren

Die Arbeiterkammer (AK) erteilt den Überlegungen eine Absage. "Bankkunden wurden in den letzten Jahren regelmäßig vom Schalter zu den Automaten verwiesen, um Kosten zu sparen, und dann kassiert man die Kunden auch dort wieder ab", so Zangerl.

Die AK Tirol verlangt, dass es zu keinen generellen Bankomatgebühren kommt. Überhaupt dürfe es nicht zu einer Einführung oder Erhöhung von Spesen und Gebühren bei Dienstleistungen kommen, die der Bankkunde selbst erledigen muss. Es müsse bei allen Instituten Möglichkeiten geben, ohne zusätzliche Kosten zu seinem Geld zu kommen.

Hingegen betont der Chef der Banken- und Versicherungssparte der Wirtschaftskammer, Franz Rudorfer, zwar deutlich, dass dies Sache der einzelnen Institute sei. Er verweist, im APA-Gespräch auf die AK-Kritik an der möglichen Einführung angesprochen, aber sehr wohl auf Kosten, die den Banken durch den Bankomatbetrieb und damit einhergehenden Dienstleistungen entstehen. "Daher muss es erlaubt sein, darüber nachzudenken", so Rudorfer zur laufenden Diskussion zu etwaigen Bankomatgebühren.

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