Autor Thomas Fricke erklärt in seinem Buch die Unzulänglichkeiten der Finanzwelt

© KURIER/Jeff Mangione

Thomas Fricke
04/14/2014

"Banken verschieben lieber weiterhin Milliarden, als Kredite zu vergeben"

Ökonom Thomas Fricke fordert einen Ausstieg aus dem bisherigen Bankensystem.

von Robert Kleedorfer

Wie viel Bank braucht der Mensch?" Unter diesem Titel fordert Thomas Fricke, früherer Chefökonom der Financial Times Deutschland und seit 2013 in dieser Funktion bei der European Climate Foundation tätig, in seinem Buch ein Ende dubioser Finanzgeschäfte und einen Ausstieg aus dem bisherigen Bankensystem. Im KURIER-Gespräch sagt er über

Bankenregulierungen Es geht tendenziell in die richtige Richtung, aber sie treffen oft im Kern nicht das Problem. Es gibt zu viele Einzelmaßnahmen, die dann nicht effizient sind. Banken geben sich demütig, aber hinter den Kulissen kämpfen sie stark dafür, dass es keine großen Reformen gibt. Die Banken verschieben lieber weiterhin untereinander Milliarden, als Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln. Daher sind Bankensteuern nicht nur ökonomisch, sondern auch moralisch sinnvoll.

Das Kernproblem Es ist die Annahme, dass sich die Märkte durch Spekulation von selbst regulieren. So funktioniert es aber nicht, weil keiner weiß, wo sich das Gleichgewicht befindet. Wo ist der richtige Kurs einer Aktie oder einer Währung? Dadurch gibt es fatale Entwicklungen wie etwa den Herdentrieb. Dieser dauert an, bis die Kurse völlig von der Realität entfernt sind. Dann kommt es zum Crash.

Maßnahmen gegen den Herdentrieb Eine Finanztransaktionssteuer würde den sehr spekulativen Hochfrequenzhandel beenden. Zudem sollten Banken Eigenkapitalquoten von 25 bis 30 Prozent erreichen. Es wäre sicherlich unvernünftig, dies von heute auf morgen zu verlangen, das würde viele Banken überfordern. Vorbild ist die Schweiz, wo es ein Ziel von 19 Prozent gibt. Die Eigenkapitalanforderungen für Finanzgeschäfte sollten höher liegen als für realwirtschaftliche Kredite. Und nicht zuletzt sollte man sich Gedanken über die Rückkehr zu einem fixen Wechselkurssystem machen. Es gibt hier absurde Entwicklungen, die nichts mit der Realwirtschaft zu tun haben. Schon jetzt gibt es Beispiele dafür, etwa in China, in Europa unter den Euroländern oder in der Schweiz, wo ein Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro festgelegt wurde.

Eine mögliche KreditklemmeGibt es für Banken weniger Möglichkeiten zu spekulieren, müssen sie realwirtschaftliche Geschäfte wie Kredite forcieren. In schwierigen Zeiten sollten Anforderungen ans Eigenkapital gelockert werden, in Boomphasen aber sollte es automatische Kreditbremsen geben.

Den nächsten Crash Das Risiko, dass wir vor einem neuen Crash stehen, ist nicht so groß. Wir sind noch in der Aufräumphase. Das Risiko steigt dann wieder, wenn die Krise in Vergessenheit gerät. Derzeit knirscht es am stärksten in den Schwellenländern, aber es gibt noch keine Blase.

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