Wirtschaft
05.07.2017

Bahn-Catering: Neue Gagen auf Schiene

Mobile Reisebetreuer erhalten bis zu 25 Prozent mehr Lohn. Henry am Zug könnte ÖBB doch noch länger bekochen.

Die schlagzeilenträchtigen Arbeitszeitüberschreitungen und Ruhezeitunterschreitungen beim mobilen Gastro-Personal in den Zügen sind Geschichte. Der Gewerkschaft vida und dem Fachverband Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich ist nach monatelangen Verhandlungen ein großer Wurf in Sachen Entlohnung und Arbeitszeiten gelungen.

Sie haben innerhalb des Eisenbahner-Kollektivvertrags eine Ergänzung für das Bahn-Catering-Personal, sprich die "mobile Reisebetreuung in Zügen", unter Dach und Fach gebracht.

"Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Daran sieht man, dass die Sozialpartnerschaft funktioniert", sagt vida-Chef und ÖBB-Betriebsratsboss Roman Hebenstreit zum KURIER. "Bisher war es so, dass die Kollegen wie die Eisenbahner gearbeitet haben, aber wie die Kellner bezahlt wurden."

Der Hintergrund

Die neue Regelung wurde notwendig, weil es mit dem derzeitigen ÖBB-Caterer Henry am Zug früher Probleme gab und das Arbeitsinspektorat Beanstandungen zur Anzeige brachte. Die DO&CO-Tochter hat die Vorwürfe in früheren Stellungnahmen aber zurückgewiesen.

Die Details

Mit 1. Juli werden die Kellner auf Schienen nach dem Bahn-Kollektivvertrag bezahlt. Künftig gelten auch für sie die flexibleren Arbeitszeit- und Ruhezeit-Regelungen im Schichtbetrieb, dazu zählen bis zu 12 Stunden Arbeitszeit am Stück. Im Gegenzug werden die "mobilen Reisebetreuer" deutlich besser entlohnt als in der stationären Gastronomie. Ungelernte Zug-Kellner erhalten rund 17 Prozent mehr Lohn als bisher, Gastropersonal mit Lehrabschlussprüfung und Absolventen von Tourismusschulden sogar ein Viertel mehr.

"Der Mindestlohn liegt bei mehr als 1700 Euro und es werden alle Vordienstzeiten angerechnet", sagt Hebenstreit. Beim gelernten Personal beginnt das Gehaltsschema tatsächlich bei 1761,40 Euro. Außerdem gibt es Zulagen für Sonn- und Feiertage, Nachtarbeit und für Stehzeiten.

Obwohl Henry-Chef Attila Dogudan schon vor Monaten angekündigt hat, den Vertrag mit den ÖBB nicht zu verlängern, rechnet die Branche damit, dass Henry weiter Zug fährt. Denn: Die DO&CO-Tochter wird auch von der Bahn wegen ihrer hohen Qualität geschätzt.

Indes bekundet auch der Bahn-Dienstleister Newrest Wagon-Lits, der hierzulande mit rund 500 Mitarbeitern die Nachtreisezüge der ÖBB betreut, großes Interesse auch am rollenden Tagesgeschäft.