Wirtschaft 09.03.2012

BA-Chef Cernko: ÖVAG-Rettung "suboptimal"

Man habe alles über die Medien erfahren, kritisiert der Bank-Austria-Chef. Die Regierung hätte schon 2010 als Aktionär bei der ÖVAG einsteigen müssen.

Bank-Austria-Chef Willi Cernko übt scharfe Kritik an der Rettungsaktion für die Volksbank AG (ÖVAG), das in Schieflage geratene Spitzeninstitut des Volksbankensektors. Man habe de facto alles aus den Medien erfahren und sei nur ein einziges Mal bei den Gesprächen, die letztlich zur Verstaatlichung der ÖVAG führten, dabei gewesen. Über die erhöhte Bankensteuer dürfe man nun aber zur Rettung beitragen, ob man wolle oder nicht. Cernko: „Wir sind sehr für Solidarität, aber das Mindeste wäre eine ordentliche Einbindung in die Verhandlungen gewesen.“

Die Bundesregierung hätte schon 2010 als Aktionär bei der ÖVAG an Bord gehen müssen – über das Wandlungsrecht des Partizipationskapitals von einer Milliarde Euro – und für Ordnung und Perspektive sorgen müssen. Dieser „aktive Sanierungsprozess“ sei jedoch verabsäumt worden. Insgesamt hätte die Regierung laut Cernko einen „sehr suboptimalen“ Zugang zum Thema ÖVAG gezeigt. Anlass des Auftritts von Cernko vor Journalisten war ein Wien-Besuch von Federico Ghizzoni, Vorstandschefs des italienischen Mutterkonzerns UniCredit.

Gerüchte

Ghizzoni bekräftigte bei dieser Gelegenheit frühere Expansionspläne in den vier Wachstumsmärkten Russland, Türkei, Tschechien und Polen. Damit sei völlig klar, dass weder die Bank Austria noch das bayerische Schwesterinstitut HypoVereinsbank (HVB) verkauft werde. Anderslautende Gerüchte „entbehren jeder Grundlage“, sagte Ghizzoni. Ähnlich verhalte es sich mit dem wiederkehrenden Marktgerücht, die Marke Bank Austria werden fallen gelassen. „Wir haben niemals auch nur eine Sekunde eine Änderung des Namens diskutiert.“

Über die Bankenabgabe in Österreich ist Ghizzoni ebenfalls „nicht glücklich“, die Höhe sei „ziemlich schmerzhaft“ und „nicht fair“ für eine Bank, die nie Geld vom Steuerzahler gebraucht habe. Ghizzoni und Cernko plädieren heftig für eine europaweit einheitliche Lösung und Dotierung eines Bankenrettungsfonds aus den Mitteln solch einer EU-Bankensteuer. Lob gab es von Ghizzoni für die Expertenregierung in Italien unter Mario Monti. Italien war nie ein zweites Griechenland, sondern ein „reiches Land, das schlecht gemanagt wurde“.

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( Kurier ) Erstellt am 09.03.2012