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Wirtschaft von innen
12/25/2014

Automaten-Verbot: Marktforscher ortet Flop

Zum Verbot von Glücksspielautomaten ab 1. Jänner sagt Andreas Kreutzer: "Gut gemeint ist nicht immer gut".

von Andrea Hodoschek

Grundsätzlich habe es die rot-grüne Wiener Stadtregierung mit dem Verbot von Glücksspielautomaten ab 1. Jänner 2015 nur gut gemeint. "Doch gut gemeint ist nicht immer gut", ätzt Marktforscher Andreas Kreutzer und sagt der Stadt neben einem finanziellen Flop auch noch ein politisches Desaster voraus. Das Institut kreutzerfischerpartner, das seit etlichen Jahren in seinen Branchenreports auch die Glücksspiel-Szene am Radar hat, übertitelt seine neueste Analyse sarkastisch mit "Komplett daneben".

Eines ist klar, die Stadt Wien verliert aus dem Automatenspiel jährlich rund 40 Millionen Euro. Weit mehr, argumentiert Kreutzer, als Wien künftig von den zwei neuen Lizenzen für Vollcasinos zu erwarten habe. Außerdem drohen der Stadt wie berichtet Schadenersatzklagen von mehr als 100 Millionen Euro.

Die Politik habe sich jedenfalls mit dem Automaten-Verbot "nie richtig beschäftigt. Sonst würde man wissen, dass die meisten Lokale auch danach geöffnet bleiben. Und damit auch das typische Publikum vor Ort bleibt", argumentiert Kreutzer. Derzeit wird in Wien an 505 Standorten auf rund 2600 Slotmaschinen gegambelt. Nur 69 dieser Standorte sind allerdings reine Spiellokale. Und nur diesen werde die existenzielle Basis entzogen. Die Spieler würden auf illegale Automaten, Wettmaschinen oder, die Jüngeren, ins Online-Gaming ausweichen.

Dass die Automaten-Zocker in den Spieltempel der Casinos Austria in der Kärntner Straße pilgern, hält Kreutzer für unrealistisch. "Völlig absurd, wenn Stadtrat David Ellensohn glaubt, dass der Arbeiter aus der Vorstadt plötzlich ein exklusives Casino im ersten Bezirk besucht", attestiert der Marktforscher dem Grün-Politiker Weltfremdheit. 47 Prozent der Automaten-Spieler in Wien haben laut der Studie Migrationshintergrund und 60 Prozent ein Haushaltseinkommen von weniger als 2500 Euro im Monat.

"Die Kumulation von Automaten in Kaufkraft-schwachen Bezirken mit höherem Ausländeranteil ist auffällig", heißt es in der Studie. Pro Einwohner stehen in den Bezirken 15, 16 und 17 sowie 12 und 20 fast drei Mal so viele Geräte wie in den Bezirken 13, 18 und 19.

Kreutzer ist überzeugt, dass sich die Zahl der derzeit mehr als 400 illegal aufgestellten Slotmaschinen verdoppeln wird. Das Problem der Finanzpolizei: Die Behörde weiß zwar, wo die legalen Geräte stehen, die derzeit ja ordnungsgemäß angemeldet sind, hat aber keinen Überblick über den Schwarzmarkt. Außerdem hebelten schon bisher findige, illegale Anbieter die Anzeigen auf Grund von Gesetzeslücken immer wieder vor den Höchstgerichten aus.

Was also schlägt der Experte vor? "Eine Kanalisierung des Angebots und ein möglichst lückenloses Monitoring der Spieler." Heißt, die Zahl der Standorte sollte auf 40 reduziert werden, der Maximaleinsatz wie in Oberösterreich auf fünf Euro pro Spiel begrenzt und nur eine einzige Lizenz vergeben werden. Damit Spielersperren an allen Standorten greifen.

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