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Außenhandel
09/19/2013

Viel Potenzial in Türkei ungenutzt

Heimische Betriebe würden sich zu sehr auf Osteuropa konzentrieren, kritisiert der Handelsdeligierte in der Türkei.

Der heimische Außenhandel mit der Türkei floriert nicht so stark wie er könnte. "Die Niederlande und die Schweiz exportieren das Doppelte und Dreifache von Österreich dorthin - die ganze Energie der österreichischen Unternehmen ging in den vergangenen Jahren nach Osteuropa und die nahen Märkte", bedauerte der Handelsdelegierte der Wirtschaftskammer Österreich in Istanbul, Marco Garcia, am Donnerstag vor Journalisten in Wien.

Von den jüngsten Demonstrationen gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sollten sich die Geschäftsleute nicht abschrecken lassen. "Die Dynamik der Öffnungs-und Modernisierungspolitik der vergangenen Jahre stagniert zwar derzeit, aber das Land als solches ist trotz Syrien-Krise stabil", betonte Garcia.

Österreich erzielte heuer im ersten Halbjahr einen Außenhandelsüberschuss von knapp 49 Mio. Euro mit dem Land am Bosporus. Allerdings stagnierten die heimischen Exporte gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bei knapp 630 Mio. Euro (minus 0,14 Prozent), während die Importe um 6,6 Prozent auf 581 Mio. Euro zulegten. Nur rund 1 Prozent aller Exporte und Importe werden mit der Türkei abgewickelt.

Wichtigster Handelspartner: Deutschland

Der wichtigste Handelspartner für Lieferungen in die Türkei ist Deutschland. "Österreich liegt weit abgeschlagen an 32. Stelle", so der Wirtschaftsdelegierte. Da sich die heimischen Betriebe zu sehr auf Osteuropa konzentrierten, sei die Türkei in den vergangenen Jahren zu stark vom Radar gefallen.

Dabei will das Land in zehn Jahren zu den zehn größten Weltwirtschaften gehören, derzeit liegt es noch an 17. Stelle, verweist die Wirtschaftskammer auf das immense Potenzial nur zwei Flugstunden von Wien entfernt. Im zweiten Quartal wuchs das türkische Bruttoinlandsprodukt um fast 4,4 Prozent, nach einem Plus von 3,7 Prozent im ersten Quartal - im Gesamtjahr 2013 dürfte das Wirtschaftswachstum zwischen 3,9 und 4 Prozent erreichen.

Dank Zollabkommen mit der EU könnten Waren zollfrei hin und her bewegt werden. Außerdem stünden in der Türkei extrem viele Infrastrukturprojekte an - in Istanbul etwa soll der größte Flughafen der Welt gebaut werden, die Finanzierung für die erste Ausbaustufe stehe bereits. Auch in die Bahninfrastruktur werde massiv investiert - wichtigster Meilenstein ist eine Schnellzugverbindung von Istanbul nach Ankara.

Die Türkei mit ihren 75 Millionen Einwohnern - 15 Millionen davon leben in der Metropole Istanbul - wickelt derzeit nur noch knapp ein Drittel ihres gesamten Außenhandelsvolumens mit der EU ab - vor sechs Jahren waren es noch 40 bis 50 Prozent. In absoluten Zahlen gibt es nach wie vor Zuwächse, "das heißt, die Türkei diversifiziert sich und orientiert sich anders", so der Wirtschaftsdelegierte.

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