FILE -- In this Sept. 7, 2006 file photo the flags of Switzerland and Austria are pictured on a car during a state visit in Bern Switzerland. Switzerland and Austria reached and agreement on tax issues as Austria's finance minister Maira Fekter confirmed on Thursday, April 12, 2012. (Foto:Keystone, Lukas Lehmann/AP/dapd)

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06/14/2013

Ausländer halten Schweizer Wirtschaft auf Trab

Die Schweizer Wirtschaft wächst trotz hohem Frankenkurs und schwacher Exporte – dank des Zuzugs hoch qualifizierter Ausländer.

von Irmgard Kischko

Wie machen das die Schweizer? Der Bankensektor kriselt, und der hohe Kurs des Schweizer Franken macht vor allem der Maschinenbauindustrie den Export schwer. Dennoch wächst die Wirtschaft und fällt die Arbeitslosigkeit.

„Es ist vor allem die Zuwanderung, die die Wirtschaft beflügelt“, sagt Österreichs stellvertretender Wirtschaftsdelegierter in Zürich, Josef Treml. 50.000 bis 70.000 Ärzte, Ingenieure und andere Universitätsabsolventen – der Großteil aus Deutschland – kommen jährlich ins Land. Sie brauchen Wohnungen und beleben den Konsum. „Wenn ich aus meinem Bürofenster schaue, sehe ich jede Menge Baukräne“, sagt Treml. Die Immobilienpreise sind dementsprechend hoch. Die Sorge, dass sich eine Immobilienblase bilde, deren Platzen die Wirtschaft nach unten reiße, hat der Wirtschaftsdelegierte nicht. „Die Nachfrage nach den Wohnungen ist ja real da“, begründet er seine Einschätzung.

Überbetont

Die Schweiz mag international als das Land der Banken gesehen werden. Tatsächlich aber spielen sie in der Gesamtwirtschaft eine vergleichsweise geringe Rolle.

„Die Banken werden in der Wahrnehmung der Menschen überbewertet“, sagt Treml. Ihr Anteil am Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der Wirtschaftsleistung, sei rückläufig und betrage nur noch sieben bis acht Prozent. 152.000 Vollzeitbeschäftigte zählt der Finanzsektor, 588.000 dagegen die Industrie.

In Wahrheit sei die Schweiz ein Land, das von Unternehmergeist und Innovationslust geprägt sei. Die Uhrenindustrie ist ein gutes Beispiel dafür. „In den vergangenen vier Jahren hat die Uhrenbranche jährlich Rekorde eingefahren. Vor allem der Export nach Asien brummte“, erklärt Treml. Der hohe Schweizer Frankenkurs hat dieser Industrie kaum geschadet.

Auch die chemischen Betriebe und die Pharmaunternehmen florieren ungebrochen. Zu kämpfen mit dem teuren Franken hat allerdings die Maschinenbauindustrie. Sie musste zum Teil signifikante Exporteinbußen hinnehmen. Doch die Uhrenindustrie habe dies mehr als ausgeglichen. Die Null-Inflation allerdings werde den Betrieben mittelfristig helfen. Denn sie wiege die Aufwertung des Franken allmählich auf. „In zwei bis drei Jahren ist der Frankenkurs für die Unternehmen kein Problem mehr“, glaubt der Wirtschaftsdelegierte.

Der Fokus der Schweiz auf Spezialistentum und Qualifikation hat dem Land sogar den Spitzenplatz in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eingebracht. Auch bei der Industrieproduktion je Einwohner ist die Schweiz Weltmeister. Und die Europäische Kommission hat das Land in einer Studie als „regionalen Anführer“ bezeichnet, der alle 27 EU-Staaten regelmäßig überflügelt.

Die anhaltend gute Konjunktur freut auch den Schweizer Finanzminister. 2012 erreichte er einen Budgetüberschuss von etwa 1,5 Milliarden Franken 81,25 Milliarden Euro). Die gesamte Staatsverschuldung liegt bei nur 35 Prozent des BIP und die Steuern- und Abgabenquote bei 32,9 Prozent. Zum Vergleich: Österreichs Abgabenquote beträgt 42,9 Prozent, die Staatsverschuldung rund 72 Prozent. Allerdings werden in der Schweiz viele Sozialleistungen durch private Beiträge gedeckt.

Dass die Steuern in der Schweiz so niedrig sind, könnte auch mit dem Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen zu tun haben. Die Kantone können gewisse Steuern selbst festsetzen und damit wirtschaftliche Impulse setzen.

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