Wirtschaft
21.06.2017

Aus Angst wurde Zuversicht: Macron hat die Stimmung gedreht

Aktien im Hoch: Deutschland wächst flotter. Und Europas Verunsicherung ist ebenfalls verflogen, sagen Investmentprofis.

Feierlaune bei den Börsianern: In den USA peilte der Dow-Jones-Index zuletzt Tag für Tag neue Höchststände an, in Frankfurt kratzte der der DAX am Dienstag zeitweise an den 13.000 Punkten. Woher kommt der Aufwind?

Erstens steht die Konjunkturlokomotive Deutschland unter Dampf (Grafik). Das Ifo-Institut schraubte die Wachstumserwartung für 2018 auf 2,0 Prozent hoch. "Die Unternehmen beurteilen die Aussichten so glänzend wie noch nie seit 1990", sagte Ifo-Experte Timo Wollmershäuser.

Und zweitens hat sich die politische Unsicherheit verflüchtigt. Ob Terror, Brexit, Trump (USA), Le Pen (Frankreich) oder die Sorge um den Fortbestand der EU: 2016 war von Schreckensszenarien geprägt. Angesagte Katastrophen finden aber nicht statt, sagt Christian Ohswald, Chef der Deutschen Bank in Österreich, zum KURIER: "Die vergangenen Monate waren ein Befreiungsschlag. Aus Angst ist Zuversicht geworden."

Und er fügt hinzu: "Alles wird gut." Was nicht ironisch gemeint ist. Die Konjunkturdaten hätten schon vor zehn Monaten aufwärts gezeigt; mit Macrons Wahlsieg in Frankreich habe die Stimmung endgültig ins Positive gedreht.

EZB-Politik angemessen

Ohswald sieht aktuell keinen Grund für übergroße Sorgen. Die Populisten würden sich von selbst entlarven. "Trumps Agieren hält den Europäern einen Spiegel vor, sodass wir uns unserer Stärken besinnen", beobachtet der Anlageprofi. Mit Macron und Merkel gebe es eine starke proeuropäische Achse. Und selbst die Briten strebten beim Brexit keine harte Konfrontation mehr an.

Für die Vermögensverwalter sei der Jahresauftakt 2017 extrem erfolgreich verlaufen, allein im Mai wurden bei der Deutschen Bank in Österreich 60 Millionen Euro neuveranlagt. Die Kunden richteten den Blick wieder nach vorn; für zukunftsträchtig hält der Experte besonders die Bekämpfung von Cyberkriminalität oder die Gesundheitsvorsorge. Auch die Energie- und digitale Infrastruktur biete Chancen.

Und wo liegen die Risiken? Ohswald befürchtet, das billige Geld könnte zu übermäßigen Staatsausgaben verleiten; da sei die Politik gefordert. Denn die Zinsen blieben in Europa wohl noch zwei, drei Jahre historisch niedrig. Das freue weder die Sparer noch die Banken, Ohlswald verteidigt die EZB-Politik der kleinen Schritte dennoch: "Zu rasch steigende Zinsen wären gefährlicher." Das könne auf den Anleihenmärkten massive Verwerfungen bringen.

Eine Kehrseite der guten Stimmung ortet indes Kapitalmarktstratege Martin Lück vom Vermögensverwalter BlackRock darin, dass die Luft nach oben dadurch dünner und dünner werde: "Es sind schon so ziemlich alle guten Nachrichten eingepreist."