Wirtschaft
04.08.2017

Auch Österreich plant Diesel-Gipfel

Neue Motor-Software und Eintauschprämien der Hersteller für alte Fahrzeuge.

Die Ergebnisse des Berliner Diesel-Gipfels sind überschaubar: Ein Software-Update für 5,3 Millionen in Deutschland zugelassene Pkw, Prämien der Hersteller für den Eintausch alter Stinker und ein Infrastruktur-Fonds für nachhaltige Mobilität. Verbraucher- und Umweltschützern sowie den Grünen ist das zu wenig, sie fordern weitere Maßnahmen. Doch stellvertretend für die Branche trat VW-Chef Matthias Müller auf die Bremse. "Wir halten es für ausgeschlossen, Hardware-Nachrüstungen vorzunehmen." Der Aufwand sei zu teuer, die Wirkung fragwürdig.

Trotz der mauen Ergebnisse und anhaltenden Reibereien will Österreichs Infrastrukturminister Jörg Leichtfried ebenfalls einen Diesel-Gipfel abhalten. "Ich werde die deutsche Autoindustrie einladen, mir bis spätestens Ende August ihre Lösungen für Österreich vorzuschlagen. Eines ist aber jetzt schon klar: Das, was in Deutschland passiert, ist das Mindeste, was auch in Österreich geschehen muss."

Noch liegt keine offizielle Einladung vor, es ist aber davon auszugehen, dass Abgesandte von VW, BMW und Daimler in Wien vorstellig werden (müssen). Anzunehmen ist, dass dabei wie in Deutschland Diesel der Klassen Euro 5 und 6 mit einer neuen Software ausgerüstet werden. Schon bisher haben Hersteller in der Abgas-Causa Rückrufe nicht auf das eigene Land beschränkt. Denn sollte dies der Fall sein, könnte die Politik Fahrverbote verhängen.

Schadstoffreduktion

Die Software-Updates sind weitaus günstiger. Sie sollen dafür sorgen, dass der Schadstoffausstoß in der Realität den Werten im Testbetrieb besser entspricht. Das hilft der Umwelt, kann aber den Autofahrern ein wenig Aufwand bereiten. Denn dazu wird die Harnstofflösung AdBlue benötigt. Diese hilft bei der Schadstoffreduktion. Je weniger aus dem Auspuff kommt, desto mehr AdBlue muss jedoch verwendet werden. In vielen Fällen hat bisher das Nachfüllen im Rahmen des Service bei der Werkstätte gereicht. Künftig jedoch müssen durchaus die Fahrer zwischendurch nachfüllen. Eine 10-Liter-Füllung kostet derzeit rund 13 Euro. Gängige VW- und Audi-Modelle haben einen rund 12 Liter großen AdBlue-Tank.

Laut Bernhard Geringer, Vorstand des Instituts für Fahrzeugantriebe an der TU Wien, zeigt ein Software-Update für die neueste Diesel-Generation (Euro 6) sehr wohl Wirkung, für viele ältere Autos wäre aber ein Motorumbau besser, jedoch unwirtschaftlich, weil man mit den Kosten an den Fahrzeugwert kommen könne.

Ökoprämien

Ein weiterer Weg, um den Ausstoß zu verringern, sind Ökoprämien beim Eintausch alter Diesel. Bis zu 2000 Euro zahlt BMW bis Jahresende – je nachdem, in welchem Zustand das Auto ist. Gekauft werden muss ein E-Auto, Plug-in-Hybrid oder Euro-6-Diesel. Das Angebot gilt auch in Österreich. Bei Daimler werden Details noch ausgearbeitet, die Summe soll aber ebenfalls im vierstelligen Bereich liegen. VW konnte noch keine Details nennen.

Die Schadstoffdebatte wirkt sich bei BMW noch nicht auf die Geschäfte aus. Der Münchener Konzern fuhr im zweiten Quartal 2,21 Mrd. Euro Gewinn ein, ein Plus von 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz wuchs um 3,1 Prozent auf 25,8 Mrd. Euro. Grund war die gute Nachfrage nach großen Fahrzeugen wie die 7er- oder die X-Reihe mit einer höheren Rendite.

Auch der kalifornische Elektroautobauer Tesla kommt flott voran. Verglichen mit dem Vorjahreswert sprang der Umsatz um rund 120 Prozent auf 2,8 Mrd. Dollar (2,4 Mrd. Euro) hoch. Der Verlust nahm zwar von 293 auf 336 Mio. Dollar zu, fiel damit aber deutlich geringer aus als angenommen. Die Aktie stieg am Donnerstag um mehr als sechs Prozent. Seit einem Jahr sind es plus 50 Prozent. Mit einem Börsenwert von 53,5 Mrd. Dollar ist Tesla derzeit der am höchsten gehandelte US-Autokonzern – obwohl das Unternehmen nur eine sehr geringe Produktion hat. Für das neue Mittelklasseauto Model 3 gehen inzwischen 1800 Reservierungen pro Tag ein.

Infrastruktur muss gefördert werden, sagt Fonds-Experte PinnerDiesel und Benziner sind die Stinker, E-Autos die Guten? „Es kommt immer darauf an, wie der Strom für die E-Autos produziert wird“, relativiert Wolfgang Pinner. Der Leiter der nachhaltigen Veranlagung bei Raiffeisen Capital Management (RCM) hat sich bei den großen Autokonzernen umgehört. Vom indischen Konzern Tata Motors kam die Antwort: E-Mobilität hätte in Indien einen schlechteren ökologischen Fußabdruck als andere Technologien – weil der Strommix in Indien fast ausschließlich aus fossilen Energieträgern stammt.

Die Notwendigkeit, Alternativen zum Verbrennungsmotor zu finden, sei aber überall auf der Welt da. Vor allem in China wachse der Markt mit E-Autos stark. Hier sorge die hohe Smogbelastung für Druck.

Um die Klimaziele zu erreichen, müssten 2050 ausschließlich E-Autos fahren, lautet Pinners Kalkulation. Das sei mehr als unwahrscheinlich. Durch Förderungen könnte der E-Anteil aber durchaus hochgefahren werden. Pinner hält es für wichtig, dass die Infrastruktur (sprich die Ladestationen) gefördert und damit forciert ausgebaut wird. Fahren auf der Busspur, gratis Parken – auch das könnte zum Umstieg auf E-Autos verlocken.

Auf dem Weg zur grüneren Mobilität sind allerdings noch etliche Probleme zu lösen. Wenn nach Feierabend alle ihre E-Autos aufladen wollen, „ist das für die Stromnetze eine infrastrukturelle Herausforderung“, so Pinner. Auch die Batterie-Technologie müsse sich noch weiterentwickeln. Alte Batterien könnten Versorger für die Stromspeicherung weiterverwenden. Christine Klafl